On Wed, 12 Mar 2008 13:42:00 +0100, Sven Hartmann
wrote:
>> Das kommt ganz auf das Dienstmodell an. Regelmäßige
Überstunden gehören
>> aber "zum guten Ton", im Durchschnitt 1h/d (Zahlen beim
Marburger Bund
>> nachschauen).
>
>Ja, aber bei durchschnittlich einer Überstunde pro Tag komme ich bei
>einer vertraglichen Arbeitszeit von 42h auf 47h/Woche. Dass Arzt kein
>9-to-5-job ist, ist ja jeden klar und man kann sicher auch mit
>durchschittlichen Wochenarbeitsstunden von 50h/Woche halbwegs
vernünftig
>leben. Bei 47h/Woche mache ich mir auch keine Sorgen. Aber 60+?
Das geht nur mit Bereitschaftsdiensten - und die werden tendentiell
abgeschafft.
>> Ich würde auswandern. Bezahlung und Ausbildung sind in
>> Deutschland schlecht.
>
>Aber es scheint doch überall gleich zu sein und die USA scheinen mal
>wieder einen Negativrekord zu aufzustellen.
Das wird man geschliffen - verdient dannach aber auch sehr ordentlich.
Ansonsten dachte ich eher an Nordeuropa.
cu, Martin
--
Ubi bene ibi Colonia!
ROT13 for email: znegva.trexra@jro.qr
Medizin
« zurück zur Hauptseite...
On 2008-03-11, Sven Hartmann wrote:
> Hallo,
>
> ich (Nichtmediziner) habe eine Frage zu den Arbeitszeiten der Ärzte.
> Wenn man Google anwirft, erhält man den Eindruck, alle Ärzte
arbeiten
> 60-80 Stunden, schieben 24h Dienste usw.
60-80 Stunden habe ich wohl nicht immer gearbeitet, aber
28-Stunden-Schichten waren schon recht normal (8-Stunden-Tag,
Nachtdienst-8-Stunden-Tag). Kam aber dafuer nicht so oft vor; einmal im
Monat, vielleicht zweimal.
Bin aber seit 6 Jahren in Schweden wohnhaft und tätig.
> Meine Freundin studiert Medizin und ich muss sagen, dass ich mir
große
> Sorgen mache. Vielleicht vorweg: Sie hat weder Karrierepläne, noch
ist
> sie fachgebietsmäßig festgelegt. Sie könne sich so
ziemlich alles
> vorstellen ;)
OK.
> Es gab ja vor geraumer Zeit dieses berühmte Urteil des
Europäischen
> Gerichtshofs.
Nun... fuer uns hat dieses Urteil nichts verbessert. Zumindest nicht die
Umsetzung in unserem län.
Allerdings kann ich nicht klagen: ich habe zwar immer noch 1-2 Mal
Dienst im Monat, bin aber Hintergrund und muss deshalb nachts nur aktiv
werden, wenn der Vordergrund mich anruft.
Das ist bei einem AiP (AT) natuerlich häufiger als bei einem Assistenten
(ST), aber das Gros der Arbeit wird vom Vordergrund erledigt.
Ein Kollege ist allerdings letztens wegen Ueberschreitens der maximalen
Anzahl Ueberstunden (200 sind erlaubt, er hatte in dem Jahr 500
angesammelt) zeitweise auf Betreiben der Gewerkschaft von der Teilnahme
am Bereitschaftsdienst ausgeschlossen worden.
> Die privaten sind vermutlich schlimmer als die
> kommunalen, oder?
Das kann man so pauschal nicht sagen.
Ich hatte in einer Privatklinik recht gute Arbeitsbedingungen.
Es kommt immer auf die jeweilige Klinik an.
Pauschal haben beide ihre Vorteile:
- privat: oft effektives System
- öffentlich: hohe Sicherheit
und Nachteile
- privat: hire & fire
- öffentlich: uneffektive Systeme, gelegentlich schwachsinnige
Beschluesse
Das sind aber wie gesagt Pauschalisierungen. Es lohnt sich immer, sich
die einzelne Klinik genau anzuschauen.
> Gibt es denn Fachgebiete, wo man humane Arbeitszeiten hat, also wirklich
> auch mal nach 8h rauskommt? Mit fällt spontan Dermatologie ein,
> schließlich wird es da ja nicht so viele Notfälle geben ... Was
ist
> sonst noch so empfehlenswert?
Ich wuerde mir die Fachrichtung nicht so aussuchen... man wird nicht
gluecklich damit.
Sondern man schaut, was man machen will, was einen interessiert, und
dann sieht man sich mit offenen Augen nach der Stelle um, wo man das zu
den Bedingungen kann, die man akzeptabel findet. Ohne sein Gewissen
vergewaltigen zu muessen.
Aber ja: Derma ist evtl. so ein Fach. Arbeitsmediziner,
Medizinhistoriker und ueberhaupt die klinisch-theoretischen Fächer haben
eher selten Notfälle. Und ein Anatom sieht wohl auch nicht so oft einen
sein Fachgebiet betreffenden Notfall... also auch die "vorklinischen"
Fächer.
> Kann man denn einen Unterschied Stadt/Land feststellen? Ich stelle mir
> eine kleine Klinik in einer mittelgroßen Stadt etwas entspannter
vor.
> Aber vielleicht ist gerade dort großer Ärztemangel ...
> Gibt es da Erfahrungen?
Ich glaube, dass es auch da keine pauschalen Antworten gibt.
Dann darfst Du nicht vergessen: du bist als Arzt keine Insel.
Du bist in hohem Masse von Deinem Personal abhängig.
Hast Du gutes Personal und eine gute Stimmung, kannst Du einen prima Job
haben; hast Du frustriertes Personal, kannst Du unter sonst gleichen
Bedingungen die Hölle auf Erden haben.
> Wie sieht es eigentlich mit einer eigenen Praxis aus.
Die kommt ja erst nach dem Facharzt.
Und der dauert wohl mindestens drei Jahre (gibt es den
EU-Allgemeinmediziner noch?)
//M
On 2008-03-12, Michael Andresen wrote:
> On 2008-03-11, Sven Hartmann wrote:
>> Hallo,
>>
>> ich (Nichtmediziner) habe eine Frage zu den Arbeitszeiten der
Ärzte.
>> Wenn man Google anwirft, erhält man den Eindruck, alle Ärzte
arbeiten
>> 60-80 Stunden, schieben 24h Dienste usw.
>
> 60-80 Stunden habe ich wohl nicht immer gearbeitet, aber
> 28-Stunden-Schichten waren schon recht normal (8-Stunden-Tag,
> Nachtdienst-8-Stunden-Tag). Kam aber dafuer nicht so oft vor; einmal im
> Monat, vielleicht zweimal.
Tja, verrechnet: das gibt natuerlich 32 Stunden.
//M *nicht im Nachtdienst*
Sven Hartmann schrieb:
> Wenn man Google anwirft, erhält man den Eindruck, alle Ärzte
arbeiten
> 60-80 Stunden, schieben 24h Dienste usw.
Gerade gefunden:
http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id1506
Grüße,
Joachim
Sven Hartmann schrieb:
> Hi,
>> Oder.
>> Ich habe keine Hinweise, dass das den wesentlichen Unterschied macht,
die
>> konfessionellen Häuser scheinen allerdings besonders
hervorzustechen, wenn
>> ich die mb-Umfrage richtig erinnere.
>> Nein, es ging nicht um positives hervorstechen :-(
>
> Das wundert mich jetzt wirklich. Hast Du dazu einen Link.
Das von mir angedeutete entspringt u.a. den Umfrageergebnissen des mb
(Marburger Bund), der -wie Du wahrscheinlich weisst- vor einiger Zeit
eine Umfrage zur Arbeitssituation bei Krankenhausärzten machte. Wenn du
da die Ergebnisse ansiehst....
Und dann kannst Du z.B. im Dt. Ärzteblatt mal die Leserbriefe der
letzten Monate nach Kommentaren zur Umsetzung von Tarifverträgen etc. im
Zusammenhang mit konfess. Häusern nachsehen... (hab allerdings grad
keinen Nerv, nachzusehen, wie gut die Suchfunktion auf der
Ärzteblatt-Seite ist...sorry)
>> Mindestens so wichtig -eher wichtiger- finde ich die Frage, welches
Fach
>> einen denn interessiert, oder ob es welche gibt, die einem gar nicht
liegen
>> (mancher möchte vielleicht mehr praktisch / operativ tätig
sein und findet
>> es dann gar nicht so tragisch, auch mal im OP festzuhängen, ein
anderer
>> mag/kann nicht stundenlang stehen).
>
> Dass dieser Punkt an erster Stelle steht, ist selbverständlich. Meine
> Frage ist doch vielmehr dahingehend, ob man beides verbinden kann.
Naja, wie ich schon schrieb: der durchschnittliche Pathologe /
Arbeitsmediziner etc. hat vielleicht Spass an seinem Job UND ordentliche
Arbeitszeiten.
Und dann gibts ja auch die Möglichkeit, Teilzeit zu arbeiten. Doch, das
kann ganz gut funktionieren, muss ja keine halbe Stelle sein, z.b. geht
ja auch ein 80% Job, da bleibt dann auch noch Zeit zum Leben...
>> ... vielleicht sollte deine Studentin wirklich die Leute im Job
>> fragen; dabei kommen möglicherweise noch ganz andere, wichtiger
>> Faktoren zur Sprache.
>
> Ja, das stimmt schon, aber letztlich kennt man da halt 2 Kliniken oder
> so. Es ist ja nicht so, dass man im Medizinstudium an 20 verschiedenen
> Krankhäusern 20 verschiedene Ärzte kennt.
Nö, nicht in 20 Krankenhäusern, aber 20 versch. Ärzte in
mehreren
versch. Kliniken eines oder mehrerer Krankenhäuser wirds dabei wohl
schon geben. (Wg. Sprachregelung: Ein klinischer Fachbereich, z.B. HNO
wird als Klinik für HNO am Khs xyz bezeichnet, wenigstens im
Medizin-Jargon)
Und die Arbeitsbedingungen unterschiedlicher Kliniken können auch
innerhalb eines Krankenhauses sehr verschieden sein! Das hängt nicht
unwesentlich von der Leitung -früher auch Chefarzt genannt- ab.
In Skandinavien (ich kenne das aus DK) scheint mir das deutlich
entspannter abzulaufen: flache, sehr flache Hierarchie, meist nur 2
Ebenen: Facharzt und (noch)nicht-FA., die überwiegend sehr kollegial
zusammenarbeiten (Ja, ist halt auch eine andere Mentalität).
Dort wurden auch recht erfolgreiche Maßnahmen getroffen, den Papierkrieg
zu delegieren, entweder an darauf spezialisierte Ärzte(!), oder an
entsprechend ausgebildetes Assistenzpersonal. (Ob das für das ganze
System, oder nur für das Krankenhaus gilt, in dem ein Bekannter
arbeitet, weiss ich allerdings nicht).
Dass allerdings u.a. die Kinderbetreuung dort sehr viel besser
organisiert und durchgeführt wird, ist wohl auch kein Geheimnis mehr.
Achim
Gottfried Stutz wrote:
>
>
> Endlich mal ein Arzt, der sich selbst GLEICH (verkehrt) behandelt wie
> seine Patienten. Das ist ja fast schon lobenswert... ^ ^
und das "Fast" ist es dann wieder das mich beruhigt..
Er hat sich einfach aufgerieben..
Suse
--
Ach?
Sebastian Reinecke wrote:
>
> @Susanne: Soll nicht gegen deinen Opa gehen, ich wollte nur die
> Wahnideen eines gewissen Herrn etwas füttern...
er war nicht mein Opa sondern mein Onkel
:-)
aber ist schon ok..
;-)
--
Ach?
On Wed, 12 Mar 2008 15:30:57 +0100, Sven Hartmann
wrote:
>Die ethische Frage ist halt letztlich, ob es Sinn macht, ein 10Mio Eur
>teures Gerät anzuschaffen, um einem
präfinalen Krebspatienten noch zwei
>Wochen zu schenken,
Die "zwei Wochen" sind blanke Polemik. Es besteht kein Grund,
die nachweislich bestehende Möglichkeit, schwer Kranken durch
entsprechende Behandlung das Leben um einige Zeit in zumutbarem
Zustand zu verlängern, verächtlich zu machen.
>oder lieber Gesundheitsvorsorge im groÃźen Stil zu
fördern.
>Aber grÃ¶Ãźtenteils wollen das ja auch die Patienten
nicht. Die
>meisten wollen doch die Tablette, um den Blutzucker einzustellen und
>nicht Joggen oder Sport.
Das ist deren Entscheidung.
Gruss
Michael
--
"Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Fresse halten!"
(D. Nuhr)