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Scheisse - Diagnose Krebs

Author: myself here

Hallo zusammen!

Erstmal, ich hoffe, man verzeiht mir den nicht ganz echten Namen -- da
es erstmal nicht um mich geht, scheint mir das ausnahmsweise mal
angebracht.

Meine Mutter rief mich eben an, sie hat seit Monaten starke Schmerzen
in diversen Knochen, ist aber erst jetzt zum Arzt gegangen. (Wir reden
von monatelangen Ich-komme-die-Treppe-nur-noch-stufenweise-hoch mit
das-rechte-Bein-mit-der-Hand-raufzieh-Schmerzen; zwei Stunden Schlaf
sind ein Wunder, 10 Kilo abgenommen. Aber nein, zum Arzt wollte sie
nicht.) Na ja, sie rief mich eben an, es sind bei einer
Knochen-Szintigramm, zu dem sie der Orthopäde schickte, Metastasen
festgestellt worden; wobei der Haupttumor noch nicht gefunden wurde.
Zu einem neuen Internisten geht es morgen früh; zu ihrem alten will
sie nicht mehr. (Das kommt öfters vor ...)

Tja, und ich bin naturgemäß etwas durcheinander. Natürlich will ich
ihr helfen, aber das ist so einfach nicht -- zur Schmerzambulanz, wo
ich sie wenigstens seit November mal hinschicken will, will sie nicht.
Chemo wird sie nicht machen, sagt sie. Pflegefall wird sie "auf keinen
Fall" dann "weiß sie was sie macht" (Ja, das ist eine Selbstmord-
drohung. Gibts bei ihr allerdings eh dreimal die Woche, auch ohne
Schmerzen und Krebs-Diagnose. Nach 15 Jahren hat man sich dran
gewöhnt.)

Gibt es wenigstens eine Stelle, wo ich mich informieren kann,
eventuell jetzt schon, spätestens wenn man weiß, wo es herkommt?
Internet-Seite, Beratungsstelle, Was-weiß-ich? Gibt es in Köln
besonders empfehlenswerte Krankehäuser oder Ärzte? Kann man zu einer
Schmerzambulanz, wenn das noch lange so geht mit Ärzte, die versuchen,
Tumorschmerzen mit Ibuprofen zu behandeln, auch gehen ohne Überweisung
und während man in einer Krebsbehandlung ist? (Denn jetzt wo mir klar
ist, daß das nicht mal wieder nur oder größtenteils Jammern ist, denke
ich, wäre eventuell ein an-den-Ohren-hinziehen angebracht.)

Wäre für jede Info dankbar,
Alex




Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Vlado Simeunovic

Hallo!

Zunächst: es ist schwierig, im Internet Trost und menschlichen Beistand
zu finden; das gibt es meiner Meinung nach nur im "echten" Leben.
Dennoch können aber ein paar sachliche Informationen durchaus dazu
beitragen, den Umgang mit einer schweren Erkrankung zu erleichtern.
Trotz alledem kann aber auch solche Hilfe aus dem Internet niemals das
vertrauensvolle Gespräch mit einem kompetenten Arzt ersetzen.

myself here schrieb:
> [...]
Es gibt leider eininge Arten von Tumoren, die zunächst keine großen
Beschwerden machen, sondern erst dann gefunden werden, wenn sich z.B.
Knochenmetastasen absiedeln und dadurch Schmerzen verursacht werden.

Über die Prognose (Heilungschancen usw.) kann man aber erst dann etwas
aussagen, wenn man weiß, was für ein Tumor dem Ganzen zugrunde liegt. Es
gibt nicht eine Erkrankung, die "Krebs" heißt; jeder Typus von Zelle /
Gewebe, von dem aus eine Krebserkrankung ausgehen, verhält sich ganz
unterschiedlich hinsichtlich Wachstum, Metastasen, Heilbarkeit usw.

Daher ist es ganz wichtig für Deine Mutter, daß erst einmal Diagnostik
betrieben wird:
- Handelt es sich wirklich um Knochenmetastasen?
- Kann man evtl. aus dem betroffenen Knochen Proben gewinnen?
- Findet man mithilfe eines "Tumorsuchprogramms", d.h. einer
systematischen Durchführung verschiedener bildgebender und
labormedizinischer Untersuchungen, den Ursprungstumor?

Insbesondere interessiert man sich dabei für die genaue Klassifizierung
des Tumors nach Zelltypen sowie nach Ausbreitung.

Als nächstes steht dann die Frage nach der Therapie:
- Sind Tumor / Metastasen operabel?
- Sprechen sie auf Chemotherapie / Strahlentherapie an?
- Welche Ziele sind realistisch?

Und auf jeden Fall muß begleitend die Lebensqualität des Betroffenen
(und seiner Angehörigen) beachtet werden. Dazu gehört nicht nur
vernünftige Schmerztherapie, sondern auch:
- Offene Gespräche über die Diagnose
- Ausführliche Gespräche über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen
therapeutischen Optionen
- In jedem Fall Berücksichtigung der Wünsche des aufgeklärten (!) Patienten

All dies ist nicht so einfach - nicht für den Patienten, aber auch nicht
für den Arzt. Daher sollte man sich bei einer solchen Problemstellung in
die Hände von Fachleuten begeben. Dies können onkologisch versierte
Ärzte in Praxen sein, aber auch entsprechend spezialisierte Abteilungen
in Krankenhäusern - was besser ist, hängt vom Zustand des Patienten und
von den anstehenden Untersuchungen und Behandlungsschritten ab.

Bei alledem muß man, auch wenn es schwierig ist, unvoreingenommen an die
Gespräche herangehen, insbesondere muß man sich - als Angehöriger wie
als Patient - von einigen Vorurteilen lösen:
- Viele Krebserkrankungen sind heutzutage kein TOdesurteil mehr, sondern
können gut behandelt werden.
- Die Behandlungsoptionen (OP, Chemo-, Strahlentherapie usw.) sind
heutzutage meist wesentlich verträglicher als der Volksmund glaubt
- Auch bei prinzipiell unheilbaren Formen von Krebs kann die moderne
Medizin (einschließlich der Palliativmedizin) dem Patienten möglichst
lange Lebensqualität bieten, d.h. ein Leben ohne Schmerzen und in Würde.
Dies macht das Verarbeiten einer entsprechenden Diagnose natürlich nicht
einfacher.

Alles in allem solltet Ihr jetzt also nicht in Panik verfallen, sondern
erst einmal gemeinsam mit den Ärzten herausfinden, was überheupt "Sache
ist", und dann gemeinsam mit Fachleuten das weitere Vorgehen besprechen.

Onkologie, also der Teil der Medizin, der sich mit Krebserkrankungen
beschäftigt, ist ein komlexer, interdisziplinärer Bereich, wo sich
Chirurgen, Internisten, Radiologen, Strahlentherapeuten uvm tummeln, wo
auch die Pflegekräfte den Umgang mit Krebspatienten gewohnt sind und
deren Sorgen und Nöte kennen, und wo man auf jeden Fall auf die Fragen
und Ängste der Beteiligten (Patienten und Angehörige!) sorgfältig eingeht.

Vielmehr kann EUch hier - ohne Kennntnis der Details - wahrscheinlich
niemand sagen.

Grüße,
Vlado


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Helmut Wabnig

On Wed, 27 Feb 2008 13:02:57 +0100, myself here
wrote:

>Hallo zusammen!
>
>Erstmal, ich hoffe, man verzeiht mir den nicht ganz echten Namen -- da
>es erstmal nicht um mich geht, scheint mir das ausnahmsweise mal
>angebracht.
>
>Meine Mutter rief mich eben an, sie hat seit Monaten starke Schmerzen
>in diversen Knochen, ist aber erst jetzt zum Arzt gegangen. (Wir reden
>von monatelangen Ich-komme-die-Treppe-nur-noch-stufenweise-hoch mit
>das-rechte-Bein-mit-der-Hand-raufzieh-Schmerzen; zwei Stunden Schlaf
>sind ein Wunder, 10 Kilo abgenommen. Aber nein, zum Arzt wollte sie
>nicht.) Na ja, sie rief mich eben an, es sind bei einer
>Knochen-Szintigramm, zu dem sie der Orthopäde schickte, Metastasen
>festgestellt worden; wobei der Haupttumor noch nicht gefunden wurde.
>Zu einem neuen Internisten geht es morgen früh; zu ihrem alten will
>sie nicht mehr. (Das kommt öfters vor ...)
>
>Tja, und ich bin naturgemäß etwas durcheinander. Natürlich will ich
>ihr helfen, aber das ist so einfach nicht -- zur Schmerzambulanz, wo
>ich sie wenigstens seit November mal hinschicken will, will sie nicht.
>Chemo wird sie nicht machen, sagt sie. Pflegefall wird sie "auf keinen
>Fall" dann "weiß sie was sie macht" (Ja, das ist eine Selbstmord-
>drohung. Gibts bei ihr allerdings eh dreimal die Woche, auch ohne
>Schmerzen und Krebs-Diagnose. Nach 15 Jahren hat man sich dran
>gewöhnt.)
>
>Gibt es wenigstens eine Stelle, wo ich mich informieren kann,
>eventuell jetzt schon, spätestens wenn man weiß, wo es herkommt?
>Internet-Seite, Beratungsstelle, Was-weiß-ich? Gibt es in Köln
>besonders empfehlenswerte Krankehäuser oder Ärzte? Kann man zu einer
>Schmerzambulanz, wenn das noch lange so geht mit Ärzte, die versuchen,
>Tumorschmerzen mit Ibuprofen zu behandeln, auch gehen ohne Überweisung
>und während man in einer Krebsbehandlung ist? (Denn jetzt wo mir klar
>ist, daß das nicht mal wieder nur oder größtenteils Jammern ist, denke
>ich, wäre eventuell ein an-den-Ohren-hinziehen angebracht.)
>
>Wäre für jede Info dankbar,
>Alex

Langfristig infaust, heißts im Pschyrembel.
Stell dich drauf ein, daß sie stirbt.

Hilf ihr so gut du kannst und verbring viel Zeit bei ihr.

w.


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Gottfried Stutz

Vlado Simeunovic schrieb:
> Zun


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Hans-Walter Schmitt

Helmut Wabnig schrieb:
>
> Langfristig infaust, heißts im Pschyrembel.
>
>
>
Kannst Du mir mal die Stelle angeben?



--
"Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln ist 1/6.
Bei 6 Versuchen macht das 6x1/6 = 6/6 = 1
Mit 1 bezeichnet man die Wahrscheinlichkeit für ein sicheres Ereignis.
Das musst du aber nicht verstehen, Bub.", Otto


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: myself here

On Wed, 27 Feb 2008 06:51:37 -0800 (PST), Gottfried Stutz
wrote:

>Das Internet kann einen immerhin auf die Idee bringen, die einem
>keiner der Ärzte IRL hier herum gibt: Omega-3 nehmen, BEVOR man Krebs
>bekommt!

Oh ja, das hatte ich vergessen: Tips mit Fischöl, überteuerten
Vitaminpillen oder bei Vollmond geweihten Spinnenbeinen aus Timbuktu
brauche ich jetzt ungefähr so dringend wie einen Kropf.

Danke,
Alex


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Achim Roessler

Helmut Wabnig schrieb:
> On Wed, 27 Feb 2008 13:02:57 +0100, myself here
> wrote:
>
>> Hallo zusammen!
[...]
>> Meine Mutter rief mich eben an, sie hat seit Monaten starke Schmerzen
>> in diversen Knochen, ist aber erst jetzt zum Arzt gegangen. (Wir reden

[Hinweise auf Knochenmetastasen bei noch unbekanntem Primärtumor]

>> Wäre für jede Info dankbar,
>> Alex
>
> Langfristig infaust, heißts im Pschyrembel.

Blödschwätzer! (sorry, musste mal sein)
Die Prognose jeden menschlichen Lebens ist quoad vitam infaust.
Was soll also diese in diesem Zusammenhang und mit den wenigen
vorliegenden Fakten völlig idiotische Aussage?

> Stell dich drauf ein, daß sie stirbt.

... ja, das werden wir alle früher oder später tun, allerdings ist auch
diese deine Bemerkung gegenüber dem OP mindestens hyperfluid. Warum also
nicht einfach mal an Nuhr halten, wenn man nichts brauchbares
beizutragen hat?

@alex:

Ausgehend von der Vermutung von Knochenmetastasen (einiges an deiner
Beschreibung spricht dafür, dass es sich um solche handeln könnte), ist
zu bemerken, daß je nach auslösendem Primärtumor (also von welchem Tumor
die Metastasen stammen), sehr unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten
bestehen können.
Vlado hat ja hier schon einige richtige und sinnvolle Worte gefunden.

Für eine sinnvolle Beurteilung -und schliesslich auch Einschätzung der
Therapie ist die Kenntnis der Tumorart meist wichtig. Für erste
Informationen, durchaus auch weitergehend kannst Du dich vielleicht mit
folgenden Quellen beschäftigen:

http://www.krebshilfe.de/blaue-ratgeber.html

http://www.krebsinformationsdienst.de/
...dort auch ein qualifizierter Telefondienst

Je nach genauer Situation helfen dir vielleicht auch Infos weiter, die
Du durch Einwurf des Begriffs Bisphosphonate in eine Suchmaschine
erhältst (und bei Bedarf hier weiter nachfragen).

Wenn deine Mutter -evtl. auch befördert durch die aktuellen Diagnosen-
dazu bereit wäre, könnte eine Diagnostik und dann evtl. folgende
Behandlung einer möglichen Depression (deine Beschreibung lässt eine
solche Vermutung jedenfalls zu) zusätzlich hilfreich sein.

HTH
Achim


Scheisse - Diagnose Krebs

Author: Gottfried Stutz

myself here schrieb:
> Oh ja, das hatte ich vergessen: Tips mit Fisch