Hallo,
ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS, Alzheimer
etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man das noch? Wo
habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
Ich hoffe auf erhellende Antworten.
Achim
Medizin
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Achim K. wrote:
> Hallo,
>
> ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
> Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS, Alzheimer
> etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man das noch? Wo
> habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
>
> Ich hoffe auf erhellende Antworten.
> Achim
Hallo Achim,
nein ich bin kein Kollege- auch kein angehender-
aber
es ist schön das sich jemand darüber Gedanken macht
WIE er seinen Patienten Befunde und Diagnosen mitteilt..Halte Dir diesen
Zweig Deiner Seele
bitte
auch über die Studiumszeit hinaus aufrecht!!!
Viele Deiner Kollegen machen sich da recht wenig Gedanken drüber.
In zwei Bereichen bin ich mit Diagnosen konfrontiert worden:
Beide Diagnosen haben mein Leben extrem verändert.
Der mitteilende Arzt war mein Hausarzt und ich habe Vertrauen
zu ihm.
Ich war an dem Tag die letzte Patientin und er hat sich vor allem Zeit
genommen und mich nicht mit der Tatsache
konfrontiert wieder auf die Straße gelassen.Ruhig und sachlich hat er mir
den Inhalt der Laborwerte erklärt und was das für mich bedeutet.
Immer wieder Raum und Luft gegeben damit ich damit klarkomme und er hat
dafür gesorgt, das mein Mann mit bei dem Termin war.
Ich denke, das ist eine Möglichkeit.
Und zwar eine Gute!!
Dir auf Deinem Weg alles Gute
Suse
Hut ab vor meinem Doc!
On 5 Nov 2007 20:00:30 GMT, "Achim K." wrote:
>ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
>Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS, Alzheimer
>etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man das noch? Wo
>habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
In der Uni Köln war das Teil des Studiums (im Rahmen von Psychosomatik,
wenn ich mich recht erinnere) und es gab eine nette Kitteltaschen-Hilfe.
Sorge Dich nicht jetzt schon - wenn Du genug "normale" Diagnosen
überbracht hast, wirst Du hoffentlich auch genug Fingerspitzengefühl
für
die schwierigen Situationen haben - und Du wirst vorher bei schwierigen
Situationen bei Kollegen/Vorgesetzen dabei gewesen sein.
cu, Martin
--
Ubi bene ibi Colonia!
ROT13 for email: znegva.trexra@jro.qr
Hallo Achim,
Achim K. wrote:
(...)
> ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
> Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS, Alzheimer
> etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man das noch? Wo
> habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
Das ist stark abhängig von Deiner Universität. In einzelnen Unis wird
es
leider überhaupt nicht gelehrt. In Heidelberg wird es kurz im klinischen
Studienabschnitt in den Fächern Innere Medizin und Chirurgie
aufgegriffen. Bei der Inneren Medizin lief das als Medi-Kit
Veranstaltung ab: Wir mussten einem von der Uni engagierten Schauspieler
(=Patient) eine schwerwiegende Mitteilung (zB unheilbares Pankreas-CA,
Unfalltod eines nahen Angehörigen) überbringen. Dabei wurden wir
gefilmt. Das Ganze wurde hinterher besprochen. Leider kam nur jeder 3.
Student dabei zum Zug. Je nach Kompetenz des Medizinstudenten und/oder
dessen Schwierigkeitsansprüchen variierten zumindest die besseren
Schauspieler ihr Repertoire von eher nüchterner Entgegennahme bis hin zu
Weinkrämpfen mit echten Tränen oder abwehrend-aggressivem Verhalten.
War
sehr interessant. Wurde aber in der Inneren leider seiten der Lehre
nicht inhaltlich vorbereitet, sondern war ein Sprung ins kalte Wasser.
War vielleicht auch besser so. Die Innere ist in HD leider leider viel
zu verhaltenstechnisch ausgerichtet aber gerade bei solch ernsten Themen
braucht man meiner Meinung nach eher eine sehr individuell-angepasste
Vorgehensweise für den Patienten.
Die Chirurgen waren hinsichtlich der gedanklichen Vorbereitung
wesentlich besser: Was ist im Umgang zu beachten? Patienten nach Unfall.
Patienten mit Krebs. Sogar das seltsame Verhalten von Patienten mit
posttraumatischen Belastungsstörungen wurde ganz kurz in der Chirurgie
angesprochen. Allerdings war das Ganze auch dort nur eine 1,5 h
Veranstaltung.
Nebenbei wurde aber dankenswerterweise von den Chirurgen in
Zusammenarbeit mit den Psychologen später eine freiwillige spezielle
Trainingseinheit angeboten. Dies war eine etwa 5-tägige
Weiterbildungsveranstaltung in der Sektion Psychoonkologie für eine
kleine Teilnehmergruppe (Studenten, PJ-ler, interessierte Ärzte) zum
Thema "Überbringen schlechter Nachrichten". Wieder mit
Schauspielern,
aber insbesondere auch mit vielen Hintergrundinformationen und
wertvollen Diskussionen. Dort wurden uns auch keine stumpfsinnig-rigiden
Verhaltensvorschriften, wie damals ständig in der Inneren, gegeben,
sondern das Vorgehen war dem jeweiligen Patienten/Schauspieler
angepasst. Zum Schluß gab es auch bei uns ein kleines Übersichtsheft
zum
Thema "ärztliche Gesprächsführung und Mitteilung
schwerwiegender
Diagnosen" (dieses wurde damals übrigens extra in größerer
Stückzahl vom
psychosomatischen Institut der Uni Köln importiert *huhu Martin* ;-) )
Hoffe die Infos helfen Dir erstmal weiter. Vielleicht könnt Ihr ja bei
Euch auch so etwas Ähnliches einrichten, falls es das nicht schon
ohnehin an Deiner Uni gibt.
Gruß,
Mareike
On 5 Nov., 21:00, "Achim K." wrote:
>
> ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
> Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS, Alzheimer
> etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man das noch? Wo
> habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
>
> Ich hoffe auf erhellende Antworten.
> Achim
Hallo Achim,
das lernt man zuerst in der Kinderstube und dann im mLeben. Wenn du
dir darueber ernsthaft Gedanken machst, hast du das wichtigste
vielleicht schon gelernt...
Bei meiner Frau hat man mal vor einiger Zeit die Gebaermutter und 3/4
der Eierstoecke entfernt. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus bat man
sie , nach 6 Wochen nochmal zu kommen. Man wolle die entnommenen Teile
noch untersuchen, ob es Krebs war bzw ist.
Die naechsten Wochen war sie verstaendlicherweise etwas unruhig. Dann
nahm sie mich zur Verstaerkung mit. Wir sassen puenktlich zum
vereinbarten Termin in einem dieser langen Korridore und warteten
nochmals - wie auf gluehenden Kohlen sitzend - auf die Mini-Audienz
beim Arzt. Dieser erklaerte ihr dann kurz und knapp, dass es kein
Krebs war.
Diese Warterei war natuerlich nicht besonders angenehm. Im uebrigen
bin ich aber nicht sicher, wie diese Verfahrensweise zu beurteilen
ist. Haette man sie ueberhaupt nicht auf die Moeglichkeit einer
Krebsdiagnose vorbereitet, dann waere eine Krebsdiagnose
niederschmetternd gewesen. So hatte sie 6 Wiochen Zeit, sich auf diese
Moeglichkeit einzustellen. Letztendlich war grosse Erleichterung...
Ueber die "Gespr?chsfuehrung" des Arzt-Patienten-Gespraeches gibt es
"eine praktische Anleitung" unter dem gleichnamigen Titel von
H.Dahmer
und J.Dahmer aus dem Thieme-Verlag.
ISBN 3 13 627 103 3, 32.00 DM.
Gruss
Otto
Achim K. schrieb:
> Hallo,
>
> ich bin Medizin-Student im 3. Semester und frage mich gerade, wie
> Diagnosen schwerer bis unheilbarer Krankheiten - z.B. Krebs, MS,
> Alzheimer etc. - am besten dem Patienten mitgeteilt werden. Lernt man
> das noch? Wo habt Ihr das gelernt? Wie macht Ihr es in Eurer Praxis?
>
> Ich hoffe auf erhellende Antworten.
> Achim
Achim, ich hoffe schon, daß es da noch Lehrveranstaltungen an deiner Uni
gibt.
Falls nicht, hier mal der Link zu einer Vorlesung (Powerpoint-Vortrag)
diesbezüglich an der Psychosomatik der Uni Köln:
http://www.medizin.uni-köln.de/dekanat/dateien/kompetenzfelder/Tod-und-Trauer-WS0607-Langenbach.ppt
Lars
Eine funktioneirende EMail-Adresse wäre nett gewesen, da es auch Leute
geben
könnte, die Dir nicht öffentlich antworten möchten. Falls Dir
deren
Erfahrungen egal sind, ist das natürlich Dein Ding, sonst wärs
schick, wenn
Du sie den Lesern noch mitteilen könntest.
> Eine funktioneirende EMail-Adresse wäre nett gewesen, da es auch
> Leute geben könnte, die Dir nicht öffentlich antworten
möchten. Falls
> Dir deren Erfahrungen egal sind, ist das natürlich Dein Ding, sonst
> wärs schick, wenn Du sie den Lesern noch mitteilen könntest.
>
>
>
Hi Anja, ich finde, die Antworten gehören in die Öffentlichkeit.
Suses
Antwort ist wertvoll, doch ich möchte Antworten aus der Praxis der
Mediziner. Was gibt es denn zu verheimlichen? Mir geht es nicht um Namen,
sondern Vorgehensweisen.
Die Bücher und Präsentation werde ich anschauen.
Danke für die Hinweise.