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Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: "Ernst Sauer"

Petra wrote:
> Hallo zusammen,
>
> leider muesste ich auch bei den Romantikern vorsprechen, da es aber
> auch ein medizinisches Problem, nicht nur ein Partnerschaftliches ist,
> fange ich mal hier an.
> Mein Freund trinkt meiner Ansicht nach zu viel. Ich trinke gar nicht
> und bin durch familiäre Erlebnisse mit Alkohol leider vorbelastet. Ich
> zweifle daher ein wenig daran, dass ich dies objektiv beurteilen kann.
> Daher frage ich hier.
> Mir ist klar, dass Alkohol zu trinken fast ein gesellschaftlich
> anerkanntes Ereignis ist. Und doch mag ich es nicht, wie mein Freund
> sich verändert, wenn er getrunken hat. Und wie oft. Um mal konkret zu
> werden: Bis zu 5 Weizenbiere durchschnittlich pro Tag ist "üblich".
> Wenn kein Bier da ist, 1 Flasche Wein über den Abend. Seine Größe ist
> 1,90 bei etwa 110 Kilo, 50 Jahre alt.(Kann man damit was anfangen??)
>
> Ca. 1 mal die Woche ist es so, dass ich sagen kann, dass er
> be trunken ist, sprich verwaschene Sprechweise, unkoordiniert beim
> Laufen, findet nachts den Lichtschalter nicht und "poltert" dann durch
> die Gegend (klingt vielleicht lustig, ist es aber nicht, wenn man
> schlafen will). Kann man hier bereits von Alkoholismus sprechen? Hat
> jemand einen Tipp, wie ich das Thema angehen kann, dass er nicht
> abblockt? Er sieht sein Problem nicht, wenn ich es anspreche, obwohl
> ich denke, dass er eigentlich weiß, dass er zu viel trinkt...
> Mir macht das ganze zunehmend mehr Mühe, ich mag abends schon nicht
> mehr aus dem haus gehen, weil ich annehme, dass er zu viel hat, wenn
> ich zurück komme.
> Meine Idee war, dass ich eine Therapie beginne, er würde natürlich nie
> mitgehen. Aber dann sieht er, wie ernst es mir ist und geht irgendwann
> vielleicht doch mit. Gute oder doofe Idee?
>
> Leute, ich wäre dankbar für den einen oder anderen guten Rat und
> vielen Dank schon mal für jeden der schreibt.
>
> Mit lieben Grüßen, Petra

Dass 5 Weizenbiere pro Tag zu viel sind, darüber müssen wir nicht
sprechen, auch nicht darüber, dass es sehr schwer bis unmöglich sein
wird, Deinen Freund davon abzubringen.
Andererseits sehe ich darin noch nicht die absolute Katastrophe,
die lebenszerstörende Grenze ist noch lange nicht erreicht.
In meiner Umgebung sehe ich Menschen, die noch mehr pro Tag
trinken und trotzdem ein einigermaßen vernünftiges Leben führen;
andere trinken weniger und sind lebensunfähig

Mein Rat wäre: versuche zunächst die Situation zu stabilisieren, z.B.
dass er nicht noch zusätzlich Schnaps trinkt und es nicht mehr als 5
Biere werden. Vielleicht kannst Du ihm auch mal ein Radler einreden,
nur das schmeckt halt nicht wirklich.
Wenn er bei Der von Dir genannten Menge bleibt ist schon mal
viel gewonnen, vielleicht kannst Du ihn dann überzeugen den
Konsum zu reduzieren. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man
bei Leuten, die die von Dir genannte Alkoholmenge konsumieren
mit Gesundheitsargumenten (mal eine geeignete Todesanzeige
unter die Nase halten) schon noch etwas erreichen kann.

Die entscheidende Frage ist, wie Dein Freund sich Dir gegenüber
verhält. Alkohol macht manche Menschen aggressiv andere nicht.
Lasse es auf keinen Fall zu, dass er Dir gegenüber aggressiv wird.

> Meine Idee war, dass ich eine Therapie beginne

Wozu?

>Aber dann sieht er, wie ernst es mir ist und geht irgendwann
> vielleicht doch mit. Gute oder doofe Idee?

Nein, das würde Eurer Beziehung vermutlich schaden, vielleicht
würde es sie sogar zerstören. Willst Du dieses Risiko eingehen
bei therapeutischen Erfolgsaussichten die gegen Null gehen?
Versuche lieber Freunde zu aktivieren, die Euch lautlos helfen.

Du musst Deinen Freund in seiner Ganzheit betrachten.
Sein Alkoholproblem ist eine negative Eigenschaft, vielleicht gibt
es andere die das ausgleichen.

Mit Gruß
Ernst Sauer




Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Friedrich Bartel

Pascal Meister schrieb:
> "Petra" schrieb im Newsbeitrag
> news:1193263459.722531.261290@z24g2000prh.googlegroups.com...
>
>> Bis zu 5 Weizenbiere durchschnittlich pro Tag ist "üblich".
>> Wenn kein Bier da ist, 1 Flasche Wein über den Abend. Seine Größe ist
>> 1,90 bei etwa 110 Kilo, 50 Jahre alt.(Kann man damit was anfangen??)
>
> Ja, das ist Alkoholismus.
>
> Wenn Du schreibst, dass Du familiär in Sachen Alkoholabhängigkeit
> vorbelastet bist, dann solltest Du Dich mal um Deine (geistige) Gesundheit
> kümmern. Es gibt den Begriff der "Co-Abhängigkeit".
Was hat denn ihre Abstinenz und in Deinen Augen,
Gesellschaftsunfähigkeit, weil sie weiß wohin das führen kann,
mit seinem Alkoholproblem zu tun?
Gerade sie weiß mehr darüber als Du, weil sie es in ihrer
Familie mitbekommen hat und aus dem Grund den Alkohol meidet.

Das kommt jetzt aber so rüber, das man sie dafür therapieren
soll, damit sie sein beginnendes Alkoholproblem als
gesellschaftsfähig und normal ansieht?

Wie krank ist das denn?
>
> Solange Dein Thema nicht gelöst ist, kannst Du einerseits Deinem jetzigen
> Partner nicht wirklich helfen - und würdest bei einem nächsten Partner mit
> hoher Wahrscheinlichkeit dasselbe erleben.
Da ist bei ihr kein Thema zu lösen. Es ist aber eher als
unverantwortlich zu sehen andere, die nur nach Rat gefragt
haben, gleich selbst als Therapiefall zu deklarieren.

War klar, das du auf Scheidung und neuen Partner anspielst.
Die Ex und Hopp Gesellschaft hat gesprochen.

>
> Ein Link unter vielen:
> http://alkohol-hilfe.de/Co/co.htm
Interessant, das man damit auch noch Geld verdient, aber in dem
Fall nicht relevant.
>
> Gruss Pascal
>
Cheers

Friedrich


Goggolori schrieb:

> "Heidi Heller" schrieb im Newsbeitrag
> news:471fc78d$0$13114$9b4e6d93@newsspool2.arcor-online.net...
>
>
>>Es wäre am besten, wenn er den Wunsch entwickelt wesentlich weniger
>>zu trinken und dazu bewährte Hilfe in Anspruch zu nehmen (falls
>>erforderlich, wie meist), und z.B. einfach mal eine Selbsthilfegruppe
>>o.ä. besucht (gibts massenhaft, im web suchen).
>>
>
>
> ...mit weniger trinken klappt nicht und zieht die Sache nur hinaus. Ich
> empfehle (das ist eine Stück eigener Erfahrung) die Selbsthilfegruppen der
> Anonymen Alkoholiker.
>

Dem würde ich mich anschließen. Die AA oder eine Selbsthilfegruppe nach
Wahl. Dazu muß er natürlich erst Krankheitseinsicht zeigen und sich
dahinbegeben. Tut er das?

Gruß


Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Friedrich Bartel

Ernst Sauer schrieb:

> Andererseits sehe ich darin noch nicht die absolute Katastrophe,
> die lebenszerstörende Grenze ist noch lange nicht erreicht.
Woher willst du das wissen, kennst du seine Leberwerte?
> In meiner Umgebung sehe ich Menschen, die noch mehr pro Tag
> trinken und trotzdem ein einigermaßen vernünftiges Leben führen;
> andere trinken weniger und sind lebensunfähig
Eben.
Und ihrer torkelt schon ab und zu durch die Wohnung zur
Toilette, das ist doch bloß drolig und kann tolleriert werden,
weil es doch alle derer tun.
>
> Mein Rat wäre: versuche zunächst die Situation zu stabilisieren, z.B.
> dass er nicht noch zusätzlich Schnaps trinkt und es nicht mehr als 5
> Biere werden. Vielleicht kannst Du ihm auch mal ein Radler einreden,
> nur das schmeckt halt nicht wirklich.
Das wird aber ein Kampf zwischen den beiden, indem sie jedweden
Alkohol verschwinden läßt bis auf den, welchen er sowieso
reinkippt.
Die nächste Stufe bei ihm sind dann heimliche Verstecke im
Keller unter dem Sofa und sonstwo. Auch der angebundene
Flachmann am Balkonkasten ist nicht unüblich.
>
> Die entscheidende Frage ist, wie Dein Freund sich Dir gegenüber
> verhält. Alkohol macht manche Menschen aggressiv andere nicht.
> Lasse es auf keinen Fall zu, dass er Dir gegenüber aggressiv wird.
Die entscheidende Frage ist eigentlich, warum trinkt er?
Stress im Job, midlife crisis?
>
>> Meine Idee war, dass ich eine Therapie beginne
>
> Wozu?
Weil es Sinn macht?
>
>> Aber dann sieht er, wie ernst es mir ist und geht irgendwann
>> vielleicht doch mit. Gute oder doofe Idee?
>
> Nein, das würde Eurer Beziehung vermutlich schaden, vielleicht
> würde es sie sogar zerstören. Willst Du dieses Risiko eingehen
> bei therapeutischen Erfolgsaussichten die gegen Null gehen?
> Versuche lieber Freunde zu aktivieren, die Euch lautlos helfen.
Das könnte man auch so sehen: Willst du das Risko eingehen das
er seinen Alkoholgenuss steigert, weil er sich an den jetzigen
Pegel schon gewöhnt hat?
Der Punkt, bei dem er seine Probleme verdrängt liegt bei 5
Weizen oder einer Flasche Wein. An manchen stressigen Tagen
darfs schon etwas mehr sein, wie es scheint.

Findest du das Männlich als Mensch seinem Umfeld zu beweisen,
was für ein Kerl man ist und was man verträgt?

Und Freunde, die trinken doch meist selber alle regelmäßig.
Betonung auf -mäßig. Imho ist sie dort die einzige, die zum
Orangensaft greift.
>
> Du musst Deinen Freund in seiner Ganzheit betrachten.
Aha, also die Ursache für sein Verhalten finden, oder ?
> Sein Alkoholproblem ist eine negative Eigenschaft, vielleicht gibt
> es andere die das ausgleichen.
Ja, eine Partnerin die genauso schluckt wie er, dann fällt es
beiden nicht mehr auf und beide finden das normal. Minus und
Minus ergibt Plus.

Oder er kommt vom Alkohol weg, der ihm wohl nicht gut tut.
>
> Mit Gruß
> Ernst Sauer

Friedrich


Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Ralf Kusmierz

X-No-Archive: Yes

begin quoting, Petra schrieb:

> Mein Freund trinkt meiner Ansicht nach zu viel. Ich trinke gar nicht
> und bin durch familiäre Erlebnisse mit Alkohol leider vorbelastet. Ich
> zweifle daher ein wenig daran, dass ich dies objektiv beurteilen kann.
> Daher frage ich hier.
> Mir ist klar, dass Alkohol zu trinken fast ein gesellschaftlich
> anerkanntes Ereignis ist. Und doch mag ich es nicht, wie mein Freund
> sich verändert, wenn er getrunken hat. Und wie oft. Um mal konkret zu
> werden: Bis zu 5 Weizenbiere durchschnittlich pro Tag ist "üblich".
> Wenn kein Bier da ist, 1 Flasche Wein über den Abend. Seine Größe ist
> 1,90 bei etwa 110 Kilo, 50 Jahre alt.(Kann man damit was anfangen??)

Ja, aber es ist irrelevant. (Alkoholiker ist nicht derjenige, der
*keinen* Alkohol verträgt, sondern derjenige, der große Mengen
verträgt und ohne nicht auskommt.)

> Ca. 1 mal die Woche ist es so, dass ich sagen kann, dass er
> be trunken ist, sprich verwaschene Sprechweise, unkoordiniert beim
> Laufen, findet nachts den Lichtschalter nicht und "poltert" dann durch
> die Gegend (klingt vielleicht lustig, ist es aber nicht, wenn man
> schlafen will). Kann man hier bereits von Alkoholismus sprechen?

Das *ist* Alkoholabhängigkeit. (Und zwar schon ein sehr
fortgeschrittenes Stadium: Der "normale" Alki hat eben wenig oder
keine Ausfallerscheinungen.)

> Hat
> jemand einen Tipp, wie ich das Thema angehen kann, dass er nicht
> abblockt? Er sieht sein Problem nicht, wenn ich es anspreche, obwohl
> ich denke, dass er eigentlich weiß, dass er zu viel trinkt...

Es wird Dir nicht gefallen: Das einzige, was Du tun kannst, ist -
schmeiß ihn raus!

(Kannst ihm sagen, daß er wiederkommen darf, wenn er "trocken" ist -
mit einem ärztlichen Attest, das ihm das bescheinigt.)

Warum ist das richtig? Weil Du Dich sonst unter Garantie weiterhin zur
Komplizin seines desaströsen Verhaltens machst.

> Meine Idee war, dass ich eine Therapie beginne, er würde natürlich nie
> mitgehen. Aber dann sieht er, wie ernst es mir ist und geht irgendwann
> vielleicht doch mit. Gute oder doofe Idee?

Es wäre sicher eine gute Idee, wenn Du mal zu einem Psychologen,
psychotherapeutisch zusatzqualifiziertem Internisten oder einfach zu
den anonymen Alkoholkern gehst und Dich dort mal beraten läßt. Und
dann kommst Du zu dem Schluß, daß o. a. "dicker Hammer" genau der
richtige Weg ist, die unbedingt erforderlichen Veränderungen
herbeizuführen.

Es nützt mit Sicherheit *nicht*, wenn Du Dich auf Verhandlungen und
Diskussionen einläßt oder anfängst, Versprechungen zu glauben, daß
hilft weder Dir noch ihm, sondern bringt auf die Dauer *Dich* in die
Klapse.

So, auch wenns weh tut (Du brauchst Dir die Fragen nur selbst zu
beantworten):

Was willst Du mit dem versoffenen alten Sack, dem am Suff offenbar
mehr liegt als an Dir? Findest Du nichts Besseres, oder bist Du Dir
nicht mehr wert? Ist ok, wenn man auf Dir rumtrampelt und Dich
ausnutzt?


Gruß aus Bremen
Ralf
--
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphäre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hältst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nämlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus


Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Gottfried Stutz

Hallo Petra,

klingt jetzt vielleicht ungewohnt, aber Fisch


Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Heidi Heller

Brigitte und Otto :

>> Ueber Gott wissen die Theologen letztendlich auch nicht
>> mehr als jeder einzelne von uns. (Nikolaus Silesius)

> Deshalb glauben sie ja auch.

Nein, sie wünschen sich ewiges Leben in unermeßlicher Wonne
und haben b e s c h l o s s e n daß es so sei und zusammen
mit der Lüge von Offenbarung fortan ihren Nachkommen irreversibel
durch Totalverblödung total entmenscht und zu Hamstern
indoktriniert: und das ist eins der widerwärtigsten Verbrechen.

Jesus war ein mieser Spinner, Hochstapler und Verbrecher und es hat
dieser Armleuchter-Punk seine gerechte Strafe verdient und erhalten.


Alkoholabhängig...ja oder nein?

Author: Heidi Heller

Karina Schmidt:

> Die Idee Therapie zu beginnen finde ich grundsätzlich erst einmal gut.

Ja, das stimuliert prima das Gesundheitsystem, Kuren werden ja
mittlerweile sparsam verschenkt...

> Allerdings mit einer Einschränkung. Es macht in meinen Augen nur Sinn
> eine Therapie zu beginnen, weil Du etwas an Deinen Lebensumständen
> ändern möchtest.

Hier bietet sich eine Geschlechtsumwandlung an, die optimal effektiv
in die Lebensumstände eingreift.