Medizin

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Prof. Dr. Franco Rest - Hospizliche Sterbebegleitung und
Transplantationsmedizin
"Hospizliche Begleitung ermöglicht sterbenden Menschen ihr Leben ungestört,
persönlich und spirituell angenommen, zu voll-enden. Prof. Dr. Franco Rest
geht der Frage nach, ob behütetes Sterben mit Organspende vereinbar ist
oder nicht, denn Organe werden immer nur sterbenden Menschen entnommen,
nicht Toten. - Die öffentliche Diskussion um Organspenden rückt einseitig
die Organempfänger in den Blick und blendet die Situation der Sterbenden
und ihrer Angehörigen völlig aus."


Ist das anders zu bezeichnen als eine *freche Lüge*?
Ich bin kein Mediziner, sondern komme (wie Prof. Rest, wenn auch inhaltlich
entgegengesetzt und aus einem anderen Fachbereich) von der ethischen Seite.
Aber sicherer Hirntod ist lässt doch nun wirklich recht wenig Spielraum, um
jemanden als "nicht tot" zu bezeichnen.
Der gute Mann ist morgen in Osnabrück und hält einen Vortrag in
der "Katholischen Familienbildungsstätte" (1900, falls ein Fachkundiger in
der Nähe mitliest). Nun muss man sich ja hin und wieder auch mal die
Gegnseite antuen, es ist nur immer die Frage, wie unhaltbar die Sachen
sind, die dabei verzapft werden. Es gibt ja Schmerzgrenzen.
Was ist von dem (vermutlich katholischen) Medizinprofessor, der als
Moderator da ist, bezüglich solcher Aussagen zu erwarten? Kann ein
ernstzunehmender Mediziner die Aussage im Subjekt irgendwie unterstützen?

GruÃź




Jonas Werres schrieb:

> Was ist von dem (vermutlich katholischen) Medizinprofessor, der als
> Moderator da ist, bezüglich solcher Aussagen zu erwarten? Kann ein
> ernstzunehmender Mediziner die Aussage im Subjekt irgendwie
> unterstützen?

Nun, das Sterben ist ein Prozess, kein Zeitpunkt.
Dieser Prozess ist auch bei der Festlegung des Todeseintrittszeitpunkts
nicht abgeschlossen. Nur deshalb ist eine Organentnahme möglich.
Wahr ist nämlich, daÃź die entnommenen Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz,
...) noch /leben/.
Wahr ist aber auch, daÃź ein Mensch mit nicht mehr feststellbarer
Hirntätigkeit /tot/ ist.

Lars


On Mon, 08 Oct 2007 13:37:11 +0200, Jonas Werres wrote:

> Moderator da ist, bezüglich solcher Aussagen zu erwarten? Kann ein
> ernstzunehmender Mediziner die Aussage im Subjekt irgendwie unterstützen?

Nimmst du ihn dann noch ernst, wenn wenn er das tut?


> Nun, das Sterben ist ein Prozess, kein Zeitpunkt.
> Dieser Prozess ist auch bei der Festlegung des Todeseintrittszeitpunkts
> nicht abgeschlossen. Nur deshalb ist eine Organentnahme möglich.
> Wahr ist nämlich, daÃź die entnommenen Organe (Niere, Leber, Lunge, Herz,
> ...) noch /leben/.
> Wahr ist aber auch, daÃź ein Mensch mit nicht mehr feststellbarer
> Hirntätigkeit /tot/ ist.

Womit die Gesamtaussage falsch ist, denn sie verneint, dass die Person tot
ist.
Alles weitere sind sprachliche Spielereien. Die können wir vielleicht
trotzdem mal durchspielen, falls ich mich durchringen kann, da morgen
hinzugehen.
Die Schwierigkeit ist wohl schon dabei, was eine Person ist.


> Nimmst du ihn dann noch ernst, wenn wenn er das tut?
Er ist Professor der Medizin. Ich nicht. Solange nicht ausreichend andere
Mediziner mir versichern, dass es Quatsch ist, was er redet (mal
angenommen, er täte ist), müsste ich das erstmal hinnehmen. Um dem
möglicherweise vorzugreifen, frage ich hier ja nach.

Ich werde mich hüten, in einer medizinischen Frage einem Mediziner zu
widersprechen. Insbesondere, weil es für MEINE Position nebensächlich ist,
ob die Person irreversibel sterbend ist, oder schon tot. Die für mich
relevanten Aspekte sind mit dem Statement der Bundesärztekammer
"Zustand des irreversiblen Erloschenseins der Gesamtfunktion des GroÃźhirns,
des Kleinhirns und des Hirnstamms bei einer durch kontrollierte Beatmung
künstlich noch aufrechterhaltenen Herz-Kreislauffunktion. Mit dem Hirntod
ist naturwissenschaftlich-medizinisch der Tod des Menschen festgestellt."
und vor allem auch
Nach dem Hirntod gibt es keine Schmerzempfindung mehr. Deshalb sind nach
dem Hirntod bei Organentnahmen keine MaÃźnahmen zur Schmerzverhütung (zum
Beispiel Narkose) nötig. Die Tätigkeit eines Anästhesisten bei der
Organentnahme dient ausschlieÃźlich der Erhaltung der Funktionsfähigkeit der
zu entnehmenden Organe.
erledigt.


Veronica Millman wrote:

> On Mon, 08 Oct 2007 13:37:11 +0200, Jonas Werres wrote:
>
>
>>Moderator da ist, bezüglich solcher Aussagen zu erwarten? Kann ein
>>ernstzunehmender Mediziner die Aussage im Subjekt irgendwie unterstützen?
>
>
> Nimmst du ihn dann noch ernst, wenn wenn er das tut?


Wenn er womöglich noch Kreter ist...

Gruß,
Matthias

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Jonas Werres schrieb:
> Prof. Dr. Franco Rest - Hospizliche Sterbebegleitung und
> Transplantationsmedizin
> "Hospizliche Begleitung ermöglicht sterbenden Menschen ihr Leben ungestört,
> persönlich und spirituell angenommen, zu voll-enden. Prof. Dr. Franco Rest
> geht der Frage nach, ob behütetes Sterben mit Organspende vereinbar ist
> oder nicht, denn Organe werden immer nur sterbenden Menschen entnommen,
> nicht Toten. - Die öffentliche Diskussion um Organspenden rückt einseitig
> die Organempfänger in den Blick und blendet die Situation der Sterbenden
> und ihrer Angehörigen völlig aus."
>
>
> Ist das anders zu bezeichnen als eine *freche Lüge*?
> Ich bin kein Mediziner, sondern komme (wie Prof. Rest, wenn auch inhaltlich
> entgegengesetzt und aus einem anderen Fachbereich) von der ethischen Seite.
> Aber sicherer Hirntod ist lässt doch nun wirklich recht wenig Spielraum, um
> jemanden als "nicht tot" zu bezeichnen.

Kocht letztlich auf die Frage runter, was ein Mensch sei.
Der Grat zwischen "Organempfänger sind Mörder" und "Komapatienten sind
Organbanken" wird extrem schmal, wenn man genau hinschaut. Insofern
halte auch ich die entsprechende Definition der Ã


> Kocht letztlich auf die Frage runter, was ein Mensch sei.
Und das ist eine höchst undankbare Diskussion, die ich als
Philosoph(iebetreibernder [mit ersterem bin ja vorsichtig ;)])
kenne. Glücklicherweise ist das nicht grundsätzlich so. Wenn man bei einem
Komapatienten (und ich denke, es ist Konsens, dass das sowohl eine Person
wie ein lebender Mensch ist) so sicher sein könnte, dass er nicht wieder
aufsteht, wie beim Hirntod UND eine entsprechende Erklärung existiert,
würde mich da reichen. Schon als direkte Folge meiner Befürwortung aktiver
Sterbehilfe.
Ich wechsele das "Recht auf Leben" nämlich nicht mit der "Pflicht zu leben".

> Das mit dem "behüteten Sterben" ist leider eine Pseudodiskussion,
> mindestens für die allermeisten Betroffenen, und hat mit Organspende
> sehr wenig zu tun. Die Schnittmenge zwischen Menschen, die medizinisch
> gesehen in die Situation "behütetes Sterben" kommen könnten (chronisch
> Schwerstkranke), und denjenigen, die potentiell als Organspender in
> Frage kämen, ist sehr nahe bei Null.
Das ist ein Punkt, auf den ich nicht gekommen bin, der aber so
branntinteressant wie selbst für den Laien einleuchtend ist. Danke.

Was ist den eigentlich die Hauptklientel bei der Organentnahme? Unfallopfer?

> Wenn ich mir dann noch den ideologischen Hintergrund (Katholizismus)
> betrachte, dürfte das im wesentlichen eine Veranstaltung des Tenors
> "tragt euer Leid mit Würde, denn Christus ist bei euch" werden.
Ja, das ist zu erwarten. Den Medizinprof kenne ich aber entfernt (nicht so,
dass ich ihn deswegen anrufen würde), der ist eigentlich kein Fanatiker.
Deswegen verspricht das doch, etwas erheiternd zu werden.
Sonst verbuche ich das einfach unter "Arbeit".