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Ina Koys wrote:
[...]
> Ist regional ganz unterschiedlich. Ich komme gelegentlich mal durch
> Wälder, deren Boden aus Blaubeeren besteht.

Da möchte ich auch gerne durchkommen... würdest du mir Tips geben? Das meine
ich ernst, ich liebe Blaubeeren. Aber ich habe bisher keine wirklich
lohnenden Bestände gefunden.

> Ich nasche die auch gerne, aber reiÃź mich meistens zusammen, weil ich
> die vor Ort nicht waschen kann und der Fuchsbandwurm wohl in Ausbreitung
> (oder häufigerer Erkennung) begriffen ist. Und so eine Infektion ist
> nicht feierlich.

Ina, du bist biologisch recht gut informiert, und wahrscheinlich hast du
meine Fragen schonmal gelesen, aber ich stelle sie hier trotzdem nochmal,
da ich bisher noch von niemandem auch nur ansatzweise Antworten bekommen
habe. Dabei richten sie sich nicht speziell an dich:


Im Wald gibt es Füchse, ok.
- und in Gärten? Und Feldern? Ich weiÃź ja nicht, wie es im Rest der Republik
aussieht, aber im Garten meiner Eltern sehen wir häufiger einen oder selten
sogar zwei Füchse. Im Berliner Botanischen Garten auch. An so ziemlich
jeder Strasse, egal ob in der Stadt, im Wald oder zwischen Feldern
ebenfalls. Wer weiÃź, wie oft wir sie nicht sehen...
Meine Frage daher: ist die Fuchsdichte im Wald (dort wo Menschen Beeren
sammeln) überhaupt höher als in Feldern und Gärten?

In Fuchskot sind Fuchsbandwurmeier enthalten, ok.
- aktuelle Zahlen zum Durchseuchungsgrad, regional aufgeschlüsselt?
Aber eigentlich bin ich da mit Ina einer Meinung, dass die Durchseuchung
zunimmt. Mir geht es auch nicht darum, dass Problem Fuchsbandwurm
herunterzuspielen, sondern im Gegenteil darum, dass bei einem echten
Problem ScheinmaÃźnahmen nur schädlich sind.

Füchse koten in den Wald, ok.
- und wie hoch tun sie das? Versuchen sie ihr Geschäft möglichst hoch an
Sträucher zu schmieren? Vielleicht gar an Dornengestrüpp wie Brombeeren?
Oder erledigen die meisten Füchse das vielleicht doch eher halbwegs diskret
auf dem Boden? Wenn ja, wie soll das dann an Him- und Brombeeren kommen?

Fuchskot könnte auf Blaubeeren gelangen, ok.
- und was ist mit Erdbeerfeldern? Wenn die Füchse durch unseren Garten
laufen, warum sollten sie nicht in die Erdbeeren scheiÃźen? Und auf
kommerziellen Plantagen genauso. Und Mohrrüben, die ja nunmal innigen
Erdkontakt haben? Ich esse die jedenfalls oft roh und ungeschält, andere
Leute meines Wissens nach auch. Gemüse wasche ich zwar, sogar mit einer
Bürste, aber damit ist nicht jedes Staubkorn aus jeder Runzel entfernt.
Wenn ein Fuchs sich zwischen den Blaubeeren entleert, dann werden vielleicht
die umliegenden Beeren verseucht. Aber was passiert mit seinen
Hinterlassenschaften auf dem Acker? Das Feld wird mehrmals im Jahr
befahren, gepflügt, geeggt, wasauchimmer. Und der Boden zwischen
Gemüsepflanzen im kommerziellen Anbau ist normalerweise offen. Das
bedeutet, dass der Wind immer wieder Staub samt Wurmeiern aufwirbelt und
auf sämtlichen Oberflächen der näheren und weiteren Umgebung verteilt. Im
Wald dagegen ist der Boden normalerweise bedeckt, und der Wind wirbelt eben
keinen Staub auf, womit das potentielle Problem eher begrenzt bleibt.

Waschen entfernt Dreck, ok.
- Aber wieviel? Wie wäscht man überhaupt Blaubeeren? Wenn ich einen Apfel
wasche, dann reibe ich ihn unter flieÃźend Wasser ab. Wer macht das mit
jeder Beere? Ich nicht. Ich gebe sie alle in ein Sieb und halte das eine
Weile unter flieÃźend Wasser. Tja, aber wenn die Fuchsbandwurmeier da nur so
locker dran haften würden, dann würde jeder Regen sie ja schon abspülen.
Schonmal gesehen, wie z.B. Vogelschiss an glatten Fensterscheiben haftet?
Evolutionär gesehen dürfte solch ein Verhalten seiner potentiellen
Nachkommenschaft für den Fuchsbandwurm sehr viel vorteilhafter sein. Mit
Abspülen unter flieÃźend Wasser würde man dann praktisch gar nichts
erreichen.
Und Salat? Noch nie sandigen Salat gegessen? Das kommt vor, gerade bei den
etwas schmackhafteren Sorten wie Eichblattsalat oder Römersalat. Salat
wächst genauso bodennah wie Blaubeeren. Und bisher hat mir noch niemand
sagen können, warum Füchse sich lieber zwischen den Blaubeeren als im
Kleingarten oder auf dem Feld erleichtern sollten. (Auch bzw. gerade auf
Feldern gibt es Mäuse und andere Kleintiere, von denen sich Füchse
ernähren.) Wenn nichtmal alle Erdpartikel entfernt werden (die gar nicht
besonders haften), warum sollte das bei Bandwurmeiern anders sein?


Nach all diesen überlegungen muss die Schlussfolgerung eigentlich lauten,
dass das Risiko einer Fuchsbandwurminfektion bei Salat oder bei Erdbeeren
eigentlich grÃ¶Ãźer sein müsste als bei selbstgesammelten Blaubeeren aus dem
Wald.

Das Risiko durch Haustiere habe ich dabei noch nichtmal angesprochen!

Also, wer jetzt noch immer /kritiklos/ die Begründungen glaubt, die einem in
Fernsehen und Boulevardblättern jedes Jahr wieder aufgewärmt werden, muss
entweder merkbefreit sein, oder ein paar interessante Fakten und Studien
kennen, die ich gerne lesen würde. Nur her damit!

Ich gebe zu, dass meine Ueberlegungen da oben alle spekulativer Natur sind,
aber eben kein Stück spekulativer als das, was man immer als
Standardargumente zum Thema Fuchsbandwurm wiedergekaut vorfindet. Im
Gegenteil, diese Ueberlegungen gehen ein Stück tiefer. Vielleicht sind die
Warnungen vor Wildblaubeeren ja trotzdem berechtigt, dann will ich dafür
aber auch echte Fakten und Argumente hören und nicht solche Trivialitäten
wie "Im Wald da gibt es Füchse.". Die gibt es nämlich in Feld und Garten
auch.

Bye,
Robert


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