Medizin

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Hallo,

ich in einigen Sport Foren lese ich immer wieder über eine negative
Kalorien Bilanz im Zusammenhang mit einer Gewichtsreduktion. Das man
"abnimmt" wenn man über einen längeren Zeitraum weniger Kalorien zu
sich nimmt als der Körper verbraucht klingt ja auch erstmal logisch.

Doch wie ist es wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt als der Körper
verbraucht? Nimmt man dann ständig zu oder regelt der Körper eigene
Stoffwechsel das in einem bestimmten Rahmen selbständig aus? Da ja fast
kein Mensch seine Nahrung nach einem genauen Kalorien Plan
zusammenstellt müsste das Körpergewicht ja ständigen Schwankungen
unterliegen. Oder warum können manche Menschen alles essen und nehmen
nie zu?

Ein Sport Kollege von mir ist der Meinung das der Körper jede positive
Kalorien Bilanz am Tag sofort in Körperfett umwandeln würde. Ist das
richtig?


Vielen Danke für ein paar fachkundige Worte.

Gruß

Christian




Christian Schlemmbach schrieb:

Hallo,

> Doch wie ist es wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt als der Körper
> verbraucht? Nimmt man dann ständig zu.

Bei Positiver Energiebilanz wird Depotfett angelegt,
außer man trainiert es gleich durch Sport runter.

Oder warum können manche Menschen alles essen und nehmen
> nie zu?

Das hängt vom individuellen Grundumsatz des Menschen ab.
- Anlagebedingt schlanke Eltern, gute Kostverwerter.
- Überfunktion der Schilddrüse(Hyperthyreose)..

Gruß

Susi


Hallo,
"Christian Schlemmbach" schrieb:

> ich in einigen Sport Foren lese ich immer wieder über eine negative
> Kalorien Bilanz im Zusammenhang mit einer Gewichtsreduktion. Das man
> "abnimmt" wenn man über einen längeren Zeitraum weniger Kalorien zu
> sich nimmt als der Körper verbraucht klingt ja auch erstmal logisch.

Ist es auch. Die Physik gilt. Nur ziehen daraus manche einen falschen
Umkehrschluß dass, wer mehr aufnimmt als er braucht, zwangsläufig
schwerer wird.

Man kann aus zu wenig nicht mehr machen, aber aus zu viel durchaus
weniger. Mit einem Bild aus der Mechanik: Einen Wirkungsgrad zu
verbessern ist viel schwerer, als ihn zu verringern.

> Doch wie ist es wenn man mehr Kalorien zu sich nimmt als der Körper
> verbraucht? Nimmt man dann ständig zu oder regelt der Körper eigene
> Stoffwechsel das in einem bestimmten Rahmen selbständig aus?

Es weist viel darauf hin. Warum auch sollte bei einem so wichtigen
Bereich wie dem Körpergewicht die für andere Bereiche so wichtige
Homöostase ausgerechnet hier nicht funktionieren? Im Tierversuch wurde
wenigstens nachgewiesen, dass dem so ist: Mäuse regelten z.B. nach
Einpflanzung eines harmlosen, aber "gewichtigen" Gegenstands ihr Gewicht
runter bis zum Ursprungsgewicht, ebenso nach Entfernung wieder rauf -
bei freier Futterwahl.

> Da ja fast
> kein Mensch seine Nahrung nach einem genauen Kalorien Plan
> zusammenstellt müsste das Körpergewicht ja ständigen Schwankungen
> unterliegen. Oder warum können manche Menschen alles essen und nehmen
> nie zu?

Das ist recht komplex. Einerseits gibt es schlicht verschiedene
typologische Ausprägungen. Die meisten Menschen werden mit zunehmendem
Alter etwas schwerer. Ist auch in der Tierwelt zu beobachten. Aber bei
manchen eben nicht. Dann kann man sich auch täuschen: Wer einen Dünnen
beim Verschlingen einer riesen Portion beobachtet, weiss noch nichts
über dessen Gesamtbilanz. Er könnte vom Typ "Schlangenmensch" sein und
danach zwei Tage nichts mehr essen. Aber es scheint sie wirklich zu
geben, diese Menschen. Sie sind logischerweise eher selten, da bis vor
kurzem die Fähigkeit, möglichst viel verwertbare Energie aus der Nahrung
zu ziehen und zu speichern ein deutlicher Evolutionsvorteil war, vor
allem in Klimazonen mit wechselnden Jahreszeiten.

> Ein Sport Kollege von mir ist der Meinung das der Körper jede positive
> Kalorien Bilanz am Tag sofort in Körperfett umwandeln würde. Ist das
> richtig?

Das stimmt so generell nicht. Es ist dann vermutlich richtig, wenn der
Körper auf "Notprogramm" läuft, also meint, er bräuchte mehr Masse.
Diese Situation stellt sich bei Diäten oft ein (der bekannte
Jojo-Effekt folgt daraus), aber auch bei manchen Sportlern, die
per Wille ihren Körper formen wollen, sprich, eigentlich will
ihr Körper was ganz anderes, als sich das Bewusstsein im Hirn
so vorstellt.

Der Körper kann innerhalb eines begrenzten Rahmens durchaus regulieren.

Die verbreitete Vorstellung, der Körper funktioniere nach dem
"Tonnenmodell" (was ich oben an Energie reinschütte und unten nicht
wieder abfließt(verbraucht wird) bleibt in der Tonne hängen) ist eher
falsch. Eine bessere Analogie ist, sich ein Haus mit Heizung und
Thermostat vorzustellen: Der Thermostat will eine bestimmte Temperatur
(Gewicht)halten. Ist zu wenig Energie da, geht das natürlich nicht. Ist
mehr da, regelt er hoch, wie er meint, hochregeln zu müssen.

Gruß,
Peter


Hallo Peter,

was du da schreibst, ist für mich hochinteressant. Hast du mir vielleicht
einige Quellen?

Gruß,
Harald


Hallo Peter,

Peter Wittwer wrote:

> Im Tierversuch wurde
> wenigstens nachgewiesen, dass dem so ist: Mäuse regelten z.B. nach
> Einpflanzung eines harmlosen, aber "gewichtigen" Gegenstands ihr Gewicht
> runter bis zum Ursprungsgewicht, ebenso nach Entfernung wieder rauf -
> bei freier Futterwahl.


Ach, deswegen nehmen Taucher soviel Blei mit. Scheint bei
den meisten aber nix zu nützen ;-)

Grüße
Matthias


Hallo Harald,
"Harald Horn" schrieb:

> was du da schreibst, ist für mich hochinteressant. Hast du mir
> vielleicht einige Quellen?

Meine "Weisheiten" diesbezüglich habe ich hauptsächlich von Udo Pollmer.
Der "Thermostatvergleich" stammt, glaube ich, aus seinem Buch "Esst
endlich normal!"

Aber Vorsicht: Pollmer ist nicht unumstritten. Er neigt zur Polemik (die
ich persönlich aber meistens für durchaus angebracht halte) und macht
schon mal richtig falsche Aussagen (Insulinausschüttung per Reiz der
Geschmacksrezeptoren). Pollmer ist auch nicht geeignet, wenn man ein
*wirkliches* Gewichtsproblem hat. Man kann sich damit viel schönreden.
Da wären dann Autoren wie Nicolai Worm empfehlenswerter.

Pollmer ist interessant, weil er in einer Metasicht diesen ganzen
Gewichts- und Ernährungswahnsinn hinterfragt und seine Thesen auch noch
meistens belegen kann. Damit ist er für die Zunft der
Ernährungstheoretiker quasi ein schwarzes Schaf:-)

Gruß,
Peter


Hallo Matthias,
"Matthias Voss" schrieb:

> > Im Tierversuch wurde
> > wenigstens nachgewiesen, dass dem so ist: Mäuse regelten z.B. nach
> > Einpflanzung eines harmlosen, aber "gewichtigen" Gegenstands ihr
> > Gewicht runter bis zum Ursprungsgewicht, ebenso nach Entfernung
wieder
> > rauf - bei freier Futterwahl.

> Ach, deswegen nehmen Taucher soviel Blei mit. Scheint bei
> den meisten aber nix zu nützen ;-)

Bewundernswert, um welche Ecken Du denken kannst ohne zu stolpern!:-)

Gruß,
Peter


Peter Wittwer wrote:
> Der Körper kann innerhalb eines begrenzten Rahmens durchaus regulieren.

Dazu müßte man sich aber vernünftig ernähren, auf Sättigung
achten und auf Süß- und Knabberkram verzichten.
Mit Geschmackverstärkeren, Aromastoffen, Zucker usw, wird
die natürliche Regelung "umgangen".

Mfg, Gaby
--
Aus "Andromeda": "One head cannot contain all wisdom"
"The Olduvai Cycle" Systems University Archives
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