Hallo zusammen,
seit Dezember vergangenen Jahres bin ich Marcumar-Patient. Nun habe
ich gelegentlich Zahnweh und werde, wenn ich es nicht mehr aushalte,
einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Dazu habe ich drei Fragen:
- Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
Marcumar-Beipackzettel. Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es
Alternativen fuer Memmen ;-) wie mich?
- Ich habe gehoert, dass es Zahnaerzte gibt, die die Behandlung von
Marcumar-Patienten ablehnen und diese gleich an die naechste
Zahnklinik verweisen. Ist an solchen Stories was dran, und sollte ich
besser gleich einen Termin in der Zahnklinik ausmachen, bevor ich etwa
saemtliche Zahnaerzte in der Umgebung vergebens anrufe?
- Muss/Sollte ich den Zahnarzt aus medizinischen Gruenden darauf
hinweisen, dass ich Insuline fixe?
Fuer alle Antworten im voraus schon mal besten Dank!
Gruss,
Johannes Sempert
Medizin
« zurück zur Hauptseite...
Johannes Sempert schrieb:
>- Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
>Marcumar-Beipackzettel. Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
>verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es
>Alternativen fuer Memmen ;-) wie mich?
Ich kann dir nichts allgemeines sagen, sondern nur wie es bei mir als
Marcumar-Patient gehandhabt wurde. Als ich zum Zahnarzt mußte und
vorher den Hausarzt fragte, sagte der mir daß bei meinem INR von
2,0-2,5 der Zahnarzt alles (auch Extraktionen) machen könne außer
kieferchirurgischen Eingriffen, und eine Änderung der Marcumar-Dosis
wäre unnötig. Nur die Blutungszeit wäre evtl. etwas
verlängert.
Beim Zahnarzt wurden mir dann 2 Zähne gezogen, natürlich mit Spritze,
und die haben sich nicht mit dem Marcumar gebissen und auch die
Blutung war nicht außergewöhnlich lang. Anscheinend kursieren da
aber
immer noch irgendwelche Ammenmärchen, wie das mit Marcumar gehandt
würde, die vielleicht vor ein paar Jahrzehnten Gültigkeit hatten als
da mancher Marcumar-Patient auch seine Spritze mit Gegenmittel immer
mit sich herumtrug.
Und beim Zahnarzt mußte ich sowieso erst mal einen Fragebogen
ausfüllen über vorherige und derzeitige Krankheiten und die
derzeitigen Medikamente. Falls du dort Stammkunde und keinen
Fragebogen ausfüllen mußt wirst du normalerweise zumindest gefragt
ob
sich etwas seit dem letzten Besuch geändert hat. Da kannst du dann
Marcumar und Insulin angeben.
Gruß Michael
"Johannes Sempert" schrieb:
>Hallo zusammen,
>
>seit Dezember vergangenen Jahres bin ich Marcumar-Patient. Nun habe
>ich gelegentlich Zahnweh ...
Das besprichst Du besser mit Deinem Zahnarzt. Und der wird auch wissen
wollen aus welchem Grund Du marcumarisiert worden bist (Klappen,
Thrombose, VH-Flimmern...). Je nachdem musst Du eine perioperative
Antibiotika- Prophylaxe machen.
Er wird Dir sagen in welchen INR Bereichen er was macht.
Eine zeitweise Umstellung auf Heparin (Spritzen) ist nur bei grossen
Eingriffen nötig.
servus
robby
--
Hundert- und über Hundertjährige sind die am schnellsten wachsende
Bevölkerungsgruppe
Hallo Johannes
> - Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
> Marcumar-Beipackzettel.
Das stimmt so nicht ganz: mit Vorsicht zu geniessen sind nur
Schmerzmittel, welche ihrerseits die Koagulation herabsetzen (e.g.
Aspirin), da diese die Wirkung des Marcoumars verstärken können.
> Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
> verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es Alternativen
> fuer Memmen ;-) wie mich?
Ne, musst Du nicht ;-)
Was der Zahnarzt den Patienten spritzt ist i.a.R. übrigens auch kein
Schmerzmittel, sondern ein Anästhetikum, sprich die Zähne werden
durch
Unterdrückung der Reizleitung des Nervs unempfindlich gemacht.
> - Ich habe gehoert, dass es Zahnaerzte gibt, die die Behandlung von
> Marcumar-Patienten ablehnen und diese gleich an die naechste Zahnklinik
> verweisen. Ist an solchen Stories was dran, und sollte ich besser gleich
> einen Termin in der Zahnklinik ausmachen, bevor ich etwa saemtliche
> Zahnaerzte in der Umgebung vergebens anrufe?
Da ist schon was dran, denn auch ein zahnärztlicher Eingriff ist ein
operativer Eingriff und bei antikoagulierten Pat. bricht da nicht gerade
helle Begeisterung aus:
- Verletzung der Mundschleimhaut / des Zahnfleisches durch Abrutschen
oder als Bestandteil des Eingriffs
- Bei antikoagulierten Patienten sind intramuskuläre Injektionen z.B.
ein Tabu; der Zahnarzt wird bei einem antikoagulierten Pat. sicher
nicht gerade mit Freude in gut durchblutetes Zahnfleisch spritzen
wollen.
- Bedenke, dass bei gewissen planmässigen operativen Eingriffen
Marcoumar zuerst abgesetzt werden muss. Ich weiss zwar nicht, wie
sich das bei grösseren zahnärztlichen Eingriffen verhält,
aber ich
würde das mal in Betracht ziehen und mich rechtzeitig beim Zahnarzt
melden, nicht erst, wenn Du die Schmerzen nicht mehr aushältst.
> - Muss/Sollte ich den Zahnarzt aus medizinischen Gruenden darauf
> hinweisen, dass ich Insuline fixe?
Ja!
bye,
Benjamin
Hallo zusammen,
seit Dezember vergangenen Jahres bin ich Marcumar-Patient. Nun habe
ich gelegentlich Zahnweh und werde, wenn ich es nicht mehr aushalte,
einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Dazu habe ich drei Fragen:
- Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
Marcumar-Beipackzettel. Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es
Alternativen fuer Memmen ;-) wie mich?
- Ich habe gehoert, dass es Zahnaerzte gibt, die die Behandlung von
Marcumar-Patienten ablehnen und diese gleich an die naechste
Zahnklinik verweisen. Ist an solchen Stories was dran, und sollte ich
besser gleich einen Termin in der Zahnklinik ausmachen, bevor ich etwa
saemtliche Zahnaerzte in der Umgebung vergebens anrufe?
- Muss/Sollte ich den Zahnarzt aus medizinischen Gruenden darauf
hinweisen, dass ich Insuline fixe?
Fuer alle Antworten im voraus schon mal besten Dank!
Gruss,
Johannes Sempert
Johannes Sempert schrieb:
>- Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
>Marcumar-Beipackzettel. Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
>verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es
>Alternativen fuer Memmen ;-) wie mich?
Ich kann dir nichts allgemeines sagen, sondern nur wie es bei mir als
Marcumar-Patient gehandhabt wurde. Als ich zum Zahnarzt mußte und
vorher den Hausarzt fragte, sagte der mir daß bei meinem INR von
2,0-2,5 der Zahnarzt alles (auch Extraktionen) machen könne außer
kieferchirurgischen Eingriffen, und eine Änderung der Marcumar-Dosis
wäre unnötig. Nur die Blutungszeit wäre evtl. etwas
verlängert.
Beim Zahnarzt wurden mir dann 2 Zähne gezogen, natürlich mit Spritze,
und die haben sich nicht mit dem Marcumar gebissen und auch die
Blutung war nicht außergewöhnlich lang. Anscheinend kursieren da
aber
immer noch irgendwelche Ammenmärchen, wie das mit Marcumar gehandt
würde, die vielleicht vor ein paar Jahrzehnten Gültigkeit hatten als
da mancher Marcumar-Patient auch seine Spritze mit Gegenmittel immer
mit sich herumtrug.
Und beim Zahnarzt mußte ich sowieso erst mal einen Fragebogen
ausfüllen über vorherige und derzeitige Krankheiten und die
derzeitigen Medikamente. Falls du dort Stammkunde und keinen
Fragebogen ausfüllen mußt wirst du normalerweise zumindest gefragt
ob
sich etwas seit dem letzten Besuch geändert hat. Da kannst du dann
Marcumar und Insulin angeben.
Gruß Michael
"Johannes Sempert" schrieb:
>Hallo zusammen,
>
>seit Dezember vergangenen Jahres bin ich Marcumar-Patient. Nun habe
>ich gelegentlich Zahnweh ...
Das besprichst Du besser mit Deinem Zahnarzt. Und der wird auch wissen
wollen aus welchem Grund Du marcumarisiert worden bist (Klappen,
Thrombose, VH-Flimmern...). Je nachdem musst Du eine perioperative
Antibiotika- Prophylaxe machen.
Er wird Dir sagen in welchen INR Bereichen er was macht.
Eine zeitweise Umstellung auf Heparin (Spritzen) ist nur bei grossen
Eingriffen nötig.
servus
robby
--
Hundert- und über Hundertjährige sind die am schnellsten wachsende
Bevölkerungsgruppe
Hallo Johannes
> - Schmerzmittel und Marcumar vertragen sich ja nicht laut
> Marcumar-Beipackzettel.
Das stimmt so nicht ganz: mit Vorsicht zu geniessen sind nur
Schmerzmittel, welche ihrerseits die Koagulation herabsetzen (e.g.
Aspirin), da diese die Wirkung des Marcoumars verstärken können.
> Heisst das, ich muss auf die gewohnte Spritze
> verzichten und das Bohren heldenhaft ertragen, oder gibt es Alternativen
> fuer Memmen ;-) wie mich?
Ne, musst Du nicht ;-)
Was der Zahnarzt den Patienten spritzt ist i.a.R. übrigens auch kein
Schmerzmittel, sondern ein Anästhetikum, sprich die Zähne werden
durch
Unterdrückung der Reizleitung des Nervs unempfindlich gemacht.
> - Ich habe gehoert, dass es Zahnaerzte gibt, die die Behandlung von
> Marcumar-Patienten ablehnen und diese gleich an die naechste Zahnklinik
> verweisen. Ist an solchen Stories was dran, und sollte ich besser gleich
> einen Termin in der Zahnklinik ausmachen, bevor ich etwa saemtliche
> Zahnaerzte in der Umgebung vergebens anrufe?
Da ist schon was dran, denn auch ein zahnärztlicher Eingriff ist ein
operativer Eingriff und bei antikoagulierten Pat. bricht da nicht gerade
helle Begeisterung aus:
- Verletzung der Mundschleimhaut / des Zahnfleisches durch Abrutschen
oder als Bestandteil des Eingriffs
- Bei antikoagulierten Patienten sind intramuskuläre Injektionen z.B.
ein Tabu; der Zahnarzt wird bei einem antikoagulierten Pat. sicher
nicht gerade mit Freude in gut durchblutetes Zahnfleisch spritzen
wollen.
- Bedenke, dass bei gewissen planmässigen operativen Eingriffen
Marcoumar zuerst abgesetzt werden muss. Ich weiss zwar nicht, wie
sich das bei grösseren zahnärztlichen Eingriffen verhält,
aber ich
würde das mal in Betracht ziehen und mich rechtzeitig beim Zahnarzt
melden, nicht erst, wenn Du die Schmerzen nicht mehr aushältst.
> - Muss/Sollte ich den Zahnarzt aus medizinischen Gruenden darauf
> hinweisen, dass ich Insuline fixe?
Ja!
bye,
Benjamin