***Prophylaktische PFO Verschluss Operation zur Schlaganfall / DCS
Prophylaxe?
***Einleitung
Leider hat ein Freund vor kurzem einen schlimmen Schlaganfall mit Ende
50 erlitten (im Rahmen dessen wurde ein PFO diagnostiziert). Auch im
Rahmen meiner Tätigkeit als Tauchlehrer bin ich oft mit der PFO
Thematik konfrontiert und werde häufig von Schülern darauf
angesprochen. Deshalb habe ich hier mal eine Zusammenfassung der
Problematik mit einigen hilfreichen Links zusammengestellt und habe
selbst dazu Fragen bezüglich möglicher und sinnvoller PFO
Verschlussoperationen zur Veringerung des Schlaganfall- und DCS
Risikos für Menschen mit PFO, wozu hoffentlich jemand hier was sagen
kann.
*** Worum geht es?
PFO (Patent Foramen Ovale) ist eine Öffnung in der Vorhofebene des
Herzens durch welche Blut aus dem rechten Herzen (Lungenkreislauf)
ohne die Lunge zu passieren direkt in den Körperkreislauf gelangen
kann. Während des heranwachsens im Mutterleib findet beim Embryo die
Lunge kein Gasaustausch statt, der Lungenkreislauf ist kurzgeschlossen
und das Blut fließt hauptsächlich durch das PFO zum
Körperkreislauf.
Nach der Geburt und der Entfaltung der Lungen schließt sich diese
Öffnung normalerweise vollständig, wobei bei allerdings bei ca.
1/4-1/3 aller Menschen noch eine sehr kleiner Öffnung verbleibt. Diese
Öffnung, entweder permanent oder sich nur bei erhöhten Drücken
im
Lungenkreislauf/rechtes Herzkammern (z.B. bedingt durch Pressdrücke)
öffnend, ist normalerweise hämodynamisch völlig unbedeutend.
Es kann allerdings kann in speziellen Fällen zu einem erhöhten
Embolierisiko bei Menschen mit offenem PFO kommen:
- Dekompression nach Überdruckexposition bei Tauchern/Astronauten
speziell in Verbindung mit Pressdrücken in der Lunge (Valsalva
Druckausgleich) und/oder hoher körperlicher Anstrengung)
- normalen (keine Kaiserschnitt-) Geburten, auch dort treten bei den
Wehen sehr große Pressdrücke auf und sorgen bei PFO Gebärenden
für ein
erhöhtes Embolierisiko
- Es wird auch diskutiert, ob ein vorhandenes PFO generell die
Schlaganfallwahrscheinlichkeit erhöht.
Hier ein link dazu:
("Is Percutaneous Closure of PFO First-line Therapy for Patients with
Idiopathic Stroke?")
http://www.tct2004.com/dailies/pfoDebate tues.htm
Generell können bei Vorhandensein eines PFO Blut und darin enthaltene
Emboli die Passage am Lungenfilter vorbei nehmen und erhebliche
Schäden in kritischem Gewebe (z.B. Gehirn) anrichten.
Bei Tauchern lösen sich unter erhöhtem Umgebungsdruck
zusätzliches
Inertgas im Körpergewebe und Blutkreislauf. Wenn die Druckentlastung
("Dekompression") nicht regelgerecht erfolgt, werden vorhandenen
Mikrogasblasen zum Wachstum angeregt bzw es bilden sich zusätzliche
Blasen, welche als Emboli zu Gewebeschäden führen können. Dies
ist als
Dekompressionskrankheit oder DCS (decompression syndrom) bekannt.
Speziell bei vorhandenem PFO können selbst geringestes, normalerweise
symptomloses Blasenaufkommen für erste Probleme durch arterielle
Emboli sorgen ("undeserved hits").
*** Diagnose des PFO
Um ein PFO zu diagnostizieren gibt es (neben anderen?) folgende 3
Verfahren:
- Three dimensional Transesophageal Echocardiography (TEE)
Empfindlichstes Messverfahren, allerdings sehr aufwendig und
unkomfortabel für den PAtienten da ein Messkopft unter örtlicher
Betäubung im Rachen angebracht wird
- buble contrast Transthoracic Echocardiography (TTE)
Dies ist ein Echokardiografisches Verfahren welches quer durch den
Brustkorb misst
- Transcraniel Doppler Sonography (TCD)
Hier werden die Messköpfe außen an der Schläfe befestigt. Nicht
sehr
empfindliches Verfahren, allerdings paradoxerwese gerade deswegen als
Prognoseinstrument für Neuronale DCS bisher am erfolgreichsten da
hauptsächlich große PFOs dafür verantwortlich sein sollen..
Ein interessanter Artikel dazu findet sich hier:
http://www.immersed.com/Articles/PDFs/Spr01PFO.pdf
Richtet sich zwar bzgl DCS speziell an Taucher, aber auch für andere
an dieser Thematik Interessierte wegen der Infos lesenswert)
Interessant wäre, wie denn eine zuverlässige QUANTITATIVE Messung des
PFO stattfinden kann bzw. welches Verfahren dazu geeignet ist.
*** Verschlussoperationen für PFOs
Neben einer Operation am offenen Herzen, welche ein extremer Eingriff
ist und früher wohl nur in besonders ausgeprägten
(großflächigen) PFO
Fällen sinnvoll war, gibt es heute schonende Katheter
Operationsverfahren bei welchen ein Verschlusselement im Herzen
installiert wird. Diese Möglichkeit läßt es Überlegenswert
erscheinen,
eine solche Operation prophylaktisch durchführen zu lassen.
Bezüglich Schlaganfallvorsorge findet man hier etwas:
(Percutaneous Closure of Patent Foramen Ovale May Prove Superior to
Drug Therapy in Prevention of Stroke)
http://www.cardiologyonline.com/journal
articles/Percutaneous.htm
Eine Einführung dazu (häufig gestellte Fragen) findet man hier:
(PFO Closure FAQ)
http://www.cardiology.med.ucla.edu/InterventionalCardiology/PFO%20Devices%20QA%20Sept%2003.pdf
(kurze) Beschreibung des Verfahrens:
(Patent Foramen Ovale (PFO) Closure)
http://www.aurorahealthcare.org/services/cardiac/treatments/patent-oramen-ovale.asp
Hier eine Übersicht über Verschlusselemente verschiedener Hersteller:
Amplatzer, Helix und Cardioseal Verschlusssystemen :
http://www.scai.org/PDF/AR 2003 SCAI hanna.pdf
Amplatzer:
http://www.drabo.de/amplbeschreib.html
Cardiolseal:
http://www.spencervascular.com/pfoclosure.htm
*** Ist eine PFO Verschlussoperation evtl. schädlich?
Wenn man wirklich signifikant das Risiko von Schlaganfällen oder DCS
reduzieren kann wäre das ja eine schöne Sache.
Interessant ist dabei die Fragestellung, inwiefern Problem durch eine
PFO Verschlussoperation entstehen. Es ist sicher nicht sinnvoll, bei
einem vergleichsweise kleinem PFO einen risikoreichen Eingriff
durchzuführen bei dem man möglicherweise mehr Probleme schafft als
löst.
In dem weiter oben schon erwähnten (PFO Closure FAQ) Link
(http://www.cardiology.med.ucla.edu/InterventionalCardiology/PFO%20Devices%20QA%20Sept%2003.pdf)
findet sich folgendes:
Die Patiente müssen, ähnlich solcher mit künstlichen
Herzklappen, bei
zahnärzlichen Eingriffen zur Vorbeugung ein Antibiotikum nehmen um zu
verhindern dass sich Bakterien in der Blutbahn ausbreiten und an das
Verschlusselement gelangen.
An bekannten Komplikationen nach der Operation kann bei falscher
Plazierung des Verschlusselementes eine Operation am offenen Herzen
notwendig werden um das PFO Verschlusselement wieder zu bergen.
Falls übermäßige Anlagerung von Gerinnungsprodukten an dem
Verschlusselement stattfindet, muss mit einer geeigneten Medikation
dem entgegegewirkt werden (Aspirin, Plavix Gabe prophylaktisch, falls
was gefunden wird: Coumadin).
Auch die Möglichkeit von möglichen Arythmien durch den implantierten
"Fremdkörper" wird erwähnt.
Ob ein Verschluss des Offenen Foramen Ovale (PFO) das Herz angreift
wird hier diskutiert:
http://www.diss.fu-berlin.de/2004/198/
Dortige Schlussfolgerung sind:
(1) Der interventionelle Verschluss des offenen Formamen ovale hat
keinen Effekt auf die links-oder rechtsventrikuläre Funktion.
(2) Der Eingriff könnte eine frühe septale diastolische Bewegung und
Deformierung bewirken
(3) Ob es einen Unterschied gibt zwischen den Ergebnissen mit
Amplatzer, Helix und Cardioseal Verschlusssystemen konnte nicht in
dieser Studie bewiesen werden (wegen der verschiedenen
Gruppengrößen).
*** Fragen:
1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
wie sieht eine QUANTITATIVE PFO bzw shunt Diagnostik aus und wie
genau/zuverlässig ist sie?
2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der Krankenkasse
übernommen?
5) Mit welchen Kosten muss man denn in etwas rechnen?
Juergen Poniatowski
Medizin
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Prophylaktische PFO Verschluss Operation zur Schlaganfall / DCS Prophylaxe?
Hi Jürgen,
du machst dir ja Arbeit... Kann ich aber verstehen...
Juergen Poniatowski wrote:
> *** Fragen:
> 1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
> wie sieht eine QUANTITATIVE PFO bzw shunt Diagnostik aus und wie
> genau/zuverlässig ist sie?
Wie sollte man die von einen Lungenshunt differenzieren?
Geht wohl nur über das Beobachtunsgzeitfenster während eines
Valsalvamanövers. Aber wie die Dopplerbeobachtung kalibrieren? über
das
Gefäßlumen und dann mit in vitro Versuchen mit künstlicher
Blasenbeaufschlagung?
> 2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
> positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
Ich habe keins... Aber vielleicht sollte man schauen, ob NMR-relevante
Korrelate im Hirn nachweisbar sind und zu neurologischen Befunden
geführt haben, oder dies in zeitlich absehbarem Rahmen erwarten lassen.
> 3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
? GTÜM? EUBS? Würde mal J. Wenzel fragen ( M.W. Past Pres. der EUBS)
Grüße
Matthias
On Fri, 17 Dec 2004 20:44:07 +0100, Juergen Poniatowski
wrote:
>*** Fragen:
>1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
Ein weiterer Übersichtsartikel ist hier:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id8180
Zitat: "Problematisch für die Bewertung der vorliegenden Daten ist
bislang der Mangel an randomisierten Studien."
>2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
>positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
Meinst Du als Betroffener mit PFO *und* Schlaganfall oder *ohne*
Schlaganfall?
>3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
Schwierig. Aber Du hast ja schon massig Infos gesammelt.
Interessant ist auch:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/bild.asp?idY26
>4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der Krankenkasse
>übernommen?
Wenn es notwendig und wirtschaftlich ist (SGB V). Ob das für einen
prophylaktischen Eingriff zutriff fände ich auch interessant. Hast Du
Deine Kasse gefragt?
cu, Martin
--
Ubi bene ibi Colonia!
ROT13 for email: znegva.trexra@jro.qr
Danke für die Infos und Links,
sie sind sehr interessant.
> *** Fragen:
>>1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
>
>Ein weiterer Übersichtsartikel ist hier:
>http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id8180
>Zitat: "Problematisch für die Bewertung der vorliegenden Daten
ist
>bislang der Mangel an randomisierten Studien."
Ich habe auch den Eindruck, dass die datheterinterventionellen PFO
Verschlüsseunter dem Gescihtspunkt der Profylaxe bisher noch kein so
großes Thema waren...
>
>>2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
>>positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
>
>Meinst Du als Betroffener mit PFO *und* Schlaganfall oder *ohne*
>Schlaganfall?
Soweit ich mitbekommen habe, wird eine PFO Verschluss *nach*
Schlaganfall ja schon durchgeführt.
Interessant finde ich generell die Betrachtung unter
Vorbeugungsgesichtspunkten da ich von jungen, sportlich aktiven und
kardiologisch unauffälligen Leuten im Tauchbereich darauf angesprochen
wurde. Diese Taucher sind wegen der Bedeutung des PFOs für
Überdruckexpositionen und den (in der Regel selbst zu tragenden, oft
nicht billigen) Kosten für die PFO Untersuchung eine der wenigen
Gruppen von jungen Leuten, wo der PFO Status überhaupt bekannt ist.
>
>>3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
>
>Schwierig. Aber Du hast ja schon massig Infos gesammelt.
>Interessant ist auch:
>http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/bild.asp?idY26
Ein Thema, zu dem ich noch überhaupt keine Infos gefunden habe ist,
ist die Frage, ob ein PFO denn nicht auch Vorteile für den
entsprechenden Menschen hat. Es ist ja sehr häufig (25-33% der
Population) und man könnte sich wundern, dass es bei den bekannten
nachteilen noch nicht evolutionär eliminiert worden ist. Ist
eingentlich die hier beobachtete PFO Häufigkeit in allen Rassen und
Klimazonen vergleichbar?
Wie sieht das denn bei den genetisch naheverwandten Primaten
(Schimpansen, Gorillas) aus? (Wobei ich skeptisch bin ob das bei
diesen je gemessen wurde...)
Ich weiß nicht was das sein könnte, evtl. ist mit PFO die
Wahrscheinlichkeit für eine pulmonale Hypertonie (Lungenhochdruck)
geringer? Bei hämodynamisch unbedeutenden PFOs dürfte allerdings der
Unterschied nicht gewaltig sein.
>>4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der Krankenkasse
>>übernommen?
>
>Wenn es notwendig und wirtschaftlich ist (SGB V). Ob das für einen
>prophylaktischen Eingriff zutriff fände ich auch interessant.
...zumal dieser Eingriff, von ethischen Gesichtspunkten abgesehen,
volkswirtschaftlich wohl außerordentlich lohnend sein könnte.
Wenn man verhindern kann, das auch nur eine Handvoll über Jahrzehnte
ausgebildete, hochqualifizierte Menschen nach einem Schlaganfall den
Sozialkassen zur Last fällt, wäre das wohl allein schon finanziell
ein
großer Gewinn, von dem verhinderten menschlichen Leid, welches mit
schweren Schlaganfällen verbunden wäre, noch ganz abgesehen.
Aber Prophylaxe (speziell die auf KK Kosten) ist ein heißdiskutiertes
Thema und wird wohl meistens (Impfungen!) wenig bis garnicht von der
KK unterstützt.
> Hast Du
>Deine Kasse gefragt?
Ich bin hier nicht betroffen, aber mein Freund und die Anderen sind
noch auf der Suche Infos und Argumenten. Zumal die Risiko Nutzen
Abwägung ja noch offen ist.
Außerdem ist es oft nicht so günstig, nach einer Ablehnung der KK
bei
sich selber erneut zu verhandeln als gleich mit den richtigen
Argumenten zu kommen...
Juergen
Juergen Poniatowski wrote:
>
> *** Fragen:
> 1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
> wie sieht eine QUANTITATIVE PFO bzw shunt Diagnostik aus und wie
> genau/zuverlässig ist sie?
> 2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
> positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
> 3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
Ev. kannst Du Informationen im Inselspital Bern bekommen. Die haben eine
Studie gemacht. Es gab Vergleichsgruppen Taucher ohne PFO, mit
geflicktem PFO und mit ohne geflicktem PFO. Von den Taucher wurde das
Gehirn tomographiert, nach einem Jahr nochmal.
Leiter war ein R. Zbinden.
Diverse Datenbanken ueber wissenschaftliche Veroffentlichungen koennten
da was zu Tage bringen oder direkt anfragen.
Ergebnisse kenne ich nicht - ich bin aber in dem Fall zu einer
kostenlosen PFO Untersuchung gekommen mit der Option, es nach Ablauf des
Jahres kostenlos geflickt zu kriegen, wenn ich denn eines gehabt haette.
> 4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der Krankenkasse
> übernommen?
In CH bei positivem Befund und nach dem 2. DCS, wurde mir gesagt.
> 5) Mit welchen Kosten muss man denn in etwas rechnen?
>
Vor 2 Jahren ca. 1500SFR die Untersuchung inklusive Flicken.
mfg
Klaus Jaeckle
On Sun, 19 Dec 2004 23:03:58 +0100, Klaus Jaeckle
wrote:
>Ev. kannst Du Informationen im Inselspital Bern bekommen. Die haben eine
>Studie gemacht. Es gab Vergleichsgruppen Taucher ohne PFO, mit
>geflicktem PFO und mit ohne geflicktem PFO. Von den Taucher wurde das
>Gehirn tomographiert, nach einem Jahr nochmal.
>Leiter war ein R. Zbinden.
>Diverse Datenbanken ueber wissenschaftliche Veroffentlichungen koennten
>da was zu Tage bringen oder direkt anfragen.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pubmed&cmd=Display&dopt=pubmed
pubmed&from uid=15191771
cu, Martin
--
Ubi bene ibi Colonia!
ROT13 for email: znegva.trexra@jro.qr
Prophylaktische PFO Verschluss Operation zur Schlaganfall / DCS Prophylaxe?
Danke für die Infos und Links,
sie sind sehr interessant.
> *** Fragen:
>>1) Wie beurteilt Ihr diese Problemkreis?
>
>Ein weiterer Übersichtsartikel ist hier:
>http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id8180
>Zitat: "Problematisch für die Bewertung der vorliegenden Daten
ist
>bislang der Mangel an randomisierten Studien."
Ich habe auch den Eindruck, dass die katheterinterventionellen PFO
Verschlüsse unter dem Gesichtspunkt der Prophylaxe bisher noch kein so
großes Thema waren...
>
>>2) Würdet ihr euch als Betroffene(r) (oder habt ihr euch bereits)
>>positiv oder negativ für so eine Operation entscheiden?
>
>Meinst Du als Betroffener mit PFO *und* Schlaganfall oder *ohne*
>Schlaganfall?
Soweit ich mitbekommen habe, wird eine PFO Verschluss *nach*
Schlaganfall ja schon durchgeführt.
Interessant finde ich generell die Betrachtung unter
Vorbeugungsgesichtspunkten da ich von jungen, sportlich aktiven und
kardiologisch unauffälligen Leuten im Tauchbereich darauf angesprochen
wurde. Diese Taucher sind wegen der Bedeutung des PFOs für
Überdruckexpositionen und den (in der Regel selbst zu tragenden, oft
nicht billigen) Kosten für die PFO Untersuchung eine der wenigen
Gruppen von jungen Leuten, bei denen der PFO Status überhaupt bekannt
ist.
>
>>3) Wer kann denn da kompetent (und neutral!) informieren?
>
>Schwierig. Aber Du hast ja schon massig Infos gesammelt.
>Interessant ist auch:
>http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/bild.asp?idY26
Ein Thema, zu dem ich noch überhaupt keine Infos gefunden habe ist,
ist die Frage, ob ein PFO denn nicht auch einen Nutzen bzw Vorteile
für den entsprechenden Menschen hat. Es ist ja sehr häufig (25-33%
der
Population) und man könnte sich da wundern, dass es bei den bekannten
Nachteilen noch nicht evolutionär eliminiert worden ist. Ist die
beobachtete PFO Häufigkeit in allen Rassen/Populationen und Klimazonen
vergleichbar?
Wie sieht das denn bei den genetisch naheverwandten Primaten
(Schimpansen, Gorillas) aus? (Wobei ich skeptisch bin ob das bei
diesen je gemessen wurde...)
Ich weiß nicht was das sein könnte, evtl. ist mit PFO die
Wahrscheinlichkeit z.B. für eine pulmonale Hypertonie
(Lungenhochdruck) geringer? Bei hämodynamisch unbedeutenden PFOs
dürfte allerdings auch dort der Unterschied nicht gewaltig sein.
>>4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der Krankenkasse
>>übernommen?
>
>Wenn es notwendig und wirtschaftlich ist (SGB V). Ob das für einen
>prophylaktischen Eingriff zutriff fände ich auch interessant.
...zumal dieser Eingriff, von ethischen Gesichtspunkten abgesehen,
volkswirtschaftlich wohl außerordentlich lohnend sein könnte.
Wenn man verhindern kann, das auch nur eine Handvoll über Jahrzehnte
ausgebildete, hochqualifizierte Menschen nach einem Schlaganfall den
Sozialkassen zur Last fällt, wäre das wohl allein schon finanziell
ein
großer Gewinn, von dem verhinderten menschlichen Leid, welches mit
schweren Schlaganfällen verbunden wäre, noch ganz abgesehen.
Aber Prophylaxe (speziell die auf KK Kosten) ist ein heißdiskutiertes
Thema und wird wohl meistens (siehe Impfungen!) wenig bis garnicht von
der KK unterstützt.
> Hast Du
>Deine Kasse gefragt?
Ich bin hier nicht betroffen, aber mein Freund und die Anderen sind
noch auf der Suche Infos und Argumenten. Zumal die Risiko Nutzen
Abwägung ja noch offen ist.
Außerdem ist es oft nicht so günstig, nach einer Ablehnung der KK
bei
sich selber erneut zu verhandeln als gleich mit den richtigen
Argumenten zu kommen...
Das Thema wird auch (wenn auch selten) von Tauchzeitschriften
aufgegriffen. In der Januar Ausgabe von Dive (www.divemagazine.co.uk)
gibt es einen, allerdings nicht sehr tiefschürfenden, Artikel über
die
PFO Problematik. Bzgl den Kosten einer der PFO Operation (soweit nicht
vom National Health Service, dem staatlich organisierten britischen
Äquivalent unserer Krankenversicherungen getragen) werden dort ein
Betrag von 11 000 Britische Pfund (also etwa 16000EUR) angegeben.
Juergen
On Wed, 22 Dec 2004 20:14:28 +0100, Juergen Poniatowski
wrote:
>>http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id8180
>>Zitat: "Problematisch für die Bewertung der vorliegenden
Daten ist
>>bislang der Mangel an randomisierten Studien."
>Ich habe auch den Eindruck, dass die katheterinterventionellen PFO
>Verschlüsse unter dem Gesichtspunkt der Prophylaxe bisher noch kein so
>großes Thema waren...
>Interessant finde ich generell die Betrachtung unter
>Vorbeugungsgesichtspunkten da ich von jungen, sportlich aktiven und
>kardiologisch unauffälligen Leuten im Tauchbereich darauf angesprochen
>wurde. Diese Taucher sind wegen der Bedeutung des PFOs für
>Überdruckexpositionen und den (in der Regel selbst zu tragenden, oft
>nicht billigen) Kosten für die PFO Untersuchung eine der wenigen
>Gruppen von jungen Leuten, bei denen der PFO Status überhaupt bekannt
>ist.
Also ich persönlich würde mich *nicht* prophylaktisch einem riskanten
Eingriff unterziehen dessen Langzeitfolgen nicht ausreichend erforscht
sind.
Ich hätte doch als Alternative, dem Risiko (Tauchen) durch
Enthaltsamkeit aus dem Weg zu gehen.
Meiner Meinung nach also seitens der Kosten-Risiko-Rechnung ein
schlechtes Geschäft!
(wenn ich schon einen Schlaganfall hätte dürfte ich ja wahrscheinlich
eh
nicht mehr tauchen...)
Ich habe einen Freund, der mit Ende 20 durch ein PFO einen folgenlosen
Schlaganfall erlitten hat und der jetzt seit einigen Jahren Marcumar
(Phenprocumon) nimmt. Er konnte sich nach langem Überlegen nicht zum
"Schirmchen" entschließen.
>Ein Thema, zu dem ich noch überhaupt keine Infos gefunden habe ist,
>ist die Frage, ob ein PFO denn nicht auch einen Nutzen bzw Vorteile
>für den entsprechenden Menschen hat. Es ist ja sehr häufig
(25-33% der
>Population) und man könnte sich da wundern, dass es bei den bekannten
>Nachteilen noch nicht evolutionär eliminiert worden ist. Ist die
>beobachtete PFO Häufigkeit in allen Rassen/Populationen und Klimazonen
>vergleichbar?
Glückwunsch, Du hast ein Thema für eine Dissertation gefunden! (was
machst Du eigentlich beruflich?)
>Wie sieht das denn bei den genetisch naheverwandten Primaten
>(Schimpansen, Gorillas) aus? (Wobei ich skeptisch bin ob das bei
>diesen je gemessen wurde...)
Diese tauchen ja nun eher selten.
Offenbar ist das PFO ja *ohne* Tauchen auch kein großes biologisches
Problem, denn sonst gäbe es nicht so viele.
Vielleicht ist es ähnlich wie der Blinddarm: funktionslos, aber in der
Evolution nicht ganz beseitigt. Man kann zwar an der Entzündung
versterben, aber das stört die Evolution offenbar nicht.
>>>4) Unter welchen Bedingungen wird so ein Eingriff von der
Krankenkasse
>>>übernommen?
>>Wenn es notwendig und wirtschaftlich ist (SGB V). Ob das für einen
>>prophylaktischen Eingriff zutriff fände ich auch interessant.
>...zumal dieser Eingriff, von ethischen Gesichtspunkten abgesehen,
>volkswirtschaftlich wohl außerordentlich lohnend sein könnte.
>Wenn man verhindern kann, das auch nur eine Handvoll über Jahrzehnte
>ausgebildete, hochqualifizierte Menschen nach einem Schlaganfall den
>Sozialkassen zur Last fällt, wäre das wohl allein schon
finanziell ein
[...]
>Bzgl den Kosten einer der PFO Operation (soweit nicht
>vom National Health Service, dem staatlich organisierten britischen
>Äquivalent unserer Krankenversicherungen getragen) werden dort ein
>Betrag von 11 000 Britische Pfund (also etwa 16000EUR) angegeben.
Wäre es da nicht billiger, einfach *nicht* zu tauchen statt die
Allgemeinheit mit sowas zu belasten?
cu, Martin
--
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