Kein Zweck heiligt die Mittel
In Österreichs Tierlabors findet eine Vielzahl von grausamen,
unnötigen oder illegalen Versuchen statt.
Sagen Sie uns bitte Ihre Meinung zu dem Thema
Medizinische Universität
Institut für Hirnforschung
Spitalgasse 4
1090 Wien
Telefon: (01) 4277 62801
Fax: (01) 4277 9628
MD o.Univ.Prof.Dr.
Hans LASSMANN
Hans Lassmann im ORF
Tierversuche in der Medizin sind gesellschaftlich umstritten. Zur
Entwicklung neuer Therapien bislang unheilbarer Krankheiten sind sie
aber notwendig. Gewebekulturen alleine reichen nicht. Es ist richtig,
dass MS des Menschen bisher an Tieren nicht spontan aufgetreten ist.
Entweder tritt sie tatsächlich nicht auf, weil es keine
Übereinstimmung zwischen der Chemie ihres Gehirnes und der möglicher
auslösender Viren gibt, oder sie wurde mangels regelmäßiger
Tierobduktionen bloß noch nie gefunden. Nachdem in Gewebekulturen
geprüft wurde, ob und unter welchen Bedingungen sich
Knochenmarks-Stammzellen zu Gehirnzellen umwandeln können, muss im
biologischen Modell der Tiere gezeigt werden, ob diese neuen
Gehirnzellen auch die Fähigkeit zur Reparatur haben. Weiters lässt
sich nur in dieser Konstellation ausschließen, dass die ins Gehirn
eingepflanzten Stammzellen entarten.
*****************************
Kein Zweck heiligt die Mittel
Dr. Bernhard Rambeck - Leiter der Biochemischen Abteilung des
Epilepsiezentrums in Bielefeld schreibt an Prof. Wolf Singer, Leiter
des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt/Main.
Dr. Rambeck ist Autor des Buchs "Mythos Tierversuch" und aktives
Mitglied der "Ärzte gegen Tierversuche". In seinem Brief an den
Hirnforscher Singer zeigt er die tatsächlichen Vorgänge bei dessen
Versuchen an Katzen auf - die ihm, wie er schreibt, "den Atem
verschlagen" haben. Die Einzelheiten entnahm er einer Fachzeitschrift
für Neurologie, in der eigenen Darstellung des Experimentators,
während im "Spiegel" eine harmlos wirkende Version zu lesen war.
Singer führt derartige Versuche schon seit Jahrzehnten durch. Für
seine Arbeit auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung wurde er in die
Päpstliche Akademie der Wissenschaften berufen und erhielt u.a. den
"Kulturpreis" der Stadt Frankfurt.
In dem persönlich gehaltenen Brief vom 12. Januar 2001 legt Dr Rambeck
eindringlich die Gründe für seine Ablehnung jeder auf Tierversuchen
aufbauenden Forschung dar. Eine Antwort hat er bis heute nicht
erhalten.
Leon Bernstein
Dr. B. Rambeck, Bielefeld
(Leiter der Biochem.Abteilung eines Epilepsiezentrums)
Herrn Prof.Wolf Singer
Max-Planck-Institut für Hirnforschung
Deutschordenstr. 46
60528 Frankfurt/M
12.Januar 2001
Sehr geehrter Herr Prof.Singer,
vor mir liegt der Spiegel (1/2001) mit Ihrem Interview zum Stand der
Bewusstseinsforschung. Abgebildet unter anderem ein niedliches,
unversehrtes Kätzchen im Sehlabor. Was dabei nicht zu sehen ist, geht
aus einer Veröffentlichung (European Journal of Neuroscience 2000: 12,
3315-3330) aus dem von Ihnen geleiteten Max-Planck-Institut für
Hirnforschung in Frankfurt über Experimente mit Katzen hervor. Diese
Arbeit, als deren Autoren u.a. Dr.Galuske und Sie zeichnen, wäre den
Spiegellesern auch kaum zuzumuten. Sie zeigt schlaglichtartig die
Problematik der tierexperimentellen Forschung auf.
Was ich hier in dieser Veröffentlichung lese, verschlägt mir den
Atem!
Sie und Ihr Mitarbeiter experimentieren mit 30 jungen und älteren
Katzen, als wären das Wegwerf-Artikel oder Rohmaterial für Ihre
Forschung. Den für den Eingriff anästhesierten Tieren werden kleine
Pümpchen im Halsbereich unter die Haut eingepflanzt, um Substanzen
freizusetzen. Die Pumpen sind über dünne Plastikschläuche mit
Hohlnadeln aus Stahl verbunden, die durch die Schädeldecke ins Gehirn
gesteckt wurden. Sie nähen diesen Tieren ein- oder beidseitig die
Augenlider zu. Nach ein bis drei Wochen fräsen Sie unter erneuter
Anästhesie den Schädel über der Sehrinde des Gehirns auf,
befestigen
mit Zahnzement einen Sockel darauf und führen Messungen durch. Alles
dies im Rahmen der Grundlagenforschung. Am Ende des Experiments werden
die Tiere durch ein Barbiturat getötet. Wie harmlos und irreführend
wirkt dagegen die Abbildung auf Seite 155 des Spiegels.
Dies ist nur ein Beispiel. In anderen Publikationen von deutschen
Universitäten und Max-Planck-Instituten - an vielen sind Sie oder Ihre
Mitarbeiter aktiv beteiligt - wird beschrieben, wie bei jungen Katzen
Augenmuskeln durchschnitten werden, um die Tiere zum Schielen zu
bringen, wie neugeborene Kätzchen zusammen mit Ihren Müttern in
Dunkelkammern aufgezogen werden, wie anästhesierte Katzen in
Halteapparaturen fixiert werden, um mit Messelektroden im Gehirn
Sehvorgänge zu studieren, usw. usw. Von den Experimenten mit Affen
will ich gar nicht erst reden.
Herr Prof.Singer, was in Ihrem Institut und unter Ihrer Leitung
passiert, ist schlichtweg grauenhaft. Wissen Sie, dass es in
Deutschland unzählige Tierfreunde gibt, die jede Minute ihrer Freizeit
dafür opfern, neugeborene, alte, kranke, elende Katzen zu retten, zu
versorgen, zu pflegen? Und Sie, Herr Prof.Singer, nähen eben diesen
Tieren die Augen zu! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie eine
Beziehung haben zu diesen wunderbaren Tieren, mit denen Sie
"arbeiten", sonst könnten Sie mit diesen Kätzchen, Katzen
und Katern,
nicht so umgehen. Was Sie in Ihrem Tierlabor machen oder machen
lassen, muss doch jeden "normalen" Menschen entsetzen! Diese Tiere,
und das gilt nicht nur für diese armen Katzen, sondern auch für all
die Affen, Hunde, Schafe, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten oder
Mäuse, die in den Tierlaboratorien "geopfert" werden, diese
Tiere sind
- auch wenn sie keine Sprache, kein Bewußtsein, keine Intelligenz in
unserem Sinne besitzen, viel zu wertvoll für Wissenschaft und
Forschung. Wenn sich Informationen nur durch so grauenhafte
Experimente erzielen lassen, wie sie in Ihrem Institut durchgeführt
werden, müssen wir auf diesen Erkenntnisgewinn verzichten. Sie können
in diesem Fall nicht einmal das beliebte Argument der angeblichen
Notwendigkeit für den medizinischen Fortschritt verwenden, Ihre
Grundlagenforschung mit diesen Katzen ist vom Standpunkt des
Mediziners gesehen bedeutungslos, unwesentlich, absolut nicht
notwendig.
Ich bin selbst Wissenschaftler, Leiter der klinisch-pharmakologischen
Forschungsabteilung eines Epilepsiezentrums, und ich bin an vielen
Fragestellungen der Forschung sehr interessiert und aktiv beteiligt.
Seit 25 Jahren arbeite ich im Bereich der Epilepsieforschung, Ihre
Studien mit den blind gemachten Katzen bringen der Medizin gar nichts,
werfen aber ein schlechtes Licht auf die Wissenschaft. Die breite
Öffentlichkeit erfährt von Ihren Experimenten nichts, denn Sie, Herr
Prof.Singer, zeigen Bilder von harmlosen, unversehrten Tieren! Die
Bilder von Kätzchen, denen ein- oder beidseitig die Augen zugenäht
wurden, auf deren geöffnete Schädel Messkammern zementiert wurden,
zeigen Sie nicht. Die traurigen Bilder von Affen im Primatenstuhl mit
im Gehirn steckenden Messelektroden verheimlichen Sie. Die Kadaver der
im Dienst der Wissenschaft umgebrachten Tiere verbergen Sie. Mit gutem
Grunde. Ein Aufschrei des Entsetzens würde durch die Republik gehen!
Sie erinnern sich an die Probleme mit Prof.Kreiter und den
Affenversuchen in Bremen, sogar Professoren und Studenten der
Universität Bremen distanzierten sich von dieser Extremform der
Wissenschaft!
Meines Wissens sind Sie vor einiger Zeit in die Päpstliche Akademie
der Wissenschaften berufen worden. Die Kirche gebraucht gerne den
Begriff Schöpfung, interessiert sich aber leider nur für die
menschlichen Geschöpfe. Der Rest aller Lebewesen - Tiere im
Versuchslabor, in der Massentierhaltung, in der Pelztierzucht usw. -
interessiert sie traditionsgemäß nur in zweiter Linie. Tiere sind
für
sie unbeseeltes Material, das dem Menschen zu dienen hat. In einem
entsprechenden Sinne forschen auch Sie - mit Katzen, Affen und anderen
Tieren. Aber es gibt immer mehr Zeitgenossen, auch Ärzte und
Wissenschaftler, die mit dieser brutalen Form der Wissenschaft nicht
mehr einverstanden sind.
Als klinisch-pharmakologisch tätiger Wissenschaftler bin ich seit
vielen Jahren bei der Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche"
e.V.
engagiert. Ich betreue in meiner Freizeit eine Datenbank, in der
Tierexperimente erfasst werden, die in den letzten Jahren in
Deutschland gemacht und in internationalen Fachzeitschriften
publiziert wurden. Wir (das sind Mediziner und Wissenschaftler dieser
Vereinigung) übersetzen tierexperimentelle Studien in eine auch für
Nichtmediziner verständliche Sprache und dokumentieren sie in einer
Datenbank. Im Internet finden Sie sie unter
"www.datenbank-tierversuche.de"
In dieser Datenbank sind inzwischen mehr als 1200 in deutschen
Laboratorien durchgeführte Tierexperimente mit allen nötigen
Quellenangaben dokumentiert. Die Forschungsinstitute werden genannt,
aber keine Adressen - zu Ihrer Beruhigung. Wir bewerten diese
Experimente nicht, wir dokumentieren bloß. Unsere Adressaten sind
nicht die Tierschützer, sondern kritische Journalisten, Politiker,
Wissenschaftler. Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, ob alles,
was in der heutigen Wissenschaft möglich ist und interessant
erscheinen mag, tatsächlich auch gemacht werden darf. Bitte besuchen
Sie diese Datenbank einmal und lesen Sie selbst! Jeder Experimentator
ist überzeugt, dass sein Experiment einen wichtigen Beitrag zur
Wissenschaft leistet. Jedes Experiment ist von einer Kommission
abgesegnet, von einer Behörde genehmigt. Ich weiss. Trotzdem - diese
Form der Wissenschaft lehne ich ab. Diese, verzeihen Sie,
schauerlichen Experimente, beschrieben in einer abgehobenen
Wissenschaftssprache, mit Affen, Hunden, Katzen, ja und auch mit
unzähligen Ratten und Mäusen, das ist für mich keine
Wissenschaft
mehr. Die Tiere werden nicht abgeschlachtet, sondern "sacrified",
geopfert. Die Katzen werden nicht geblendet, sondern monocular oder
binocular "deprived", d.h. es wird ihnen ein- oder beidseitig das
Augenlicht entzogen.
Ich weiss vielleicht wie kaum sonst jemand in Deutschland um
Tierversuche Bescheid, weil ich alle 1200 Experimente im Original
nachgelesen und geprüft habe, bevor ich sie zur Eingabe in die
Datenbank bzw. ins Internet freigegeben habe. Insgesamt gesehen hat
das nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, das erscheint eher wie eine
Sammlung von grauenerregenden Vorfällen in deutschen Laboratorien.
Ich bin wirklich kein Gegner der Wissenschaft und ich finde Forschung
ungeheuer spannend, wie Ihnen vielleicht meine wissenschaftlichen
Kollegen bestätigen werden. Ich kenne viele Wissenschaftler, die sich
vom Tierexperiment ganz oder weitgehend abgewandt haben, weil es heute
fantastische Möglichkeiten gibt "in vitro" oder mit
computergestützten
diagnostischen Geräten in der Klinik wichtige Fragestellungen zu
bearbeiten. Forschung kann wirklich Spaß machen, aber eine Forschung,
die über Leichen geht - auch wenn es Tierleichen sind - lehne ich ab.
Kein Zweck heiligt die Mittel, keine noch so interessante
Fragestellung rechtfertigt einen so brutalen Umgang mit unseren
Mitgeschöpfen wie er in vielen Forschungsinstituten stattfindet!
Mit freundlichem Gruß
Dr. Bernhard Rambeck
Medizin
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www.geocities.com/hirnforschung wien/umfrage tierversuche.html
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Kein Zweck heiligt die Mittel
In Österreichs Tierlabors findet eine Vielzahl von grausamen,
unnötigen oder illegalen Versuchen statt.
Sagen Sie uns bitte Ihre Meinung zu dem Thema
Medizinische Universität
Institut für Hirnforschung
Spitalgasse 4
1090 Wien
Telefon: (01) 4277 62801
Fax: (01) 4277 9628
MD o.Univ.Prof.Dr.
Hans LASSMANN
Hans Lassmann im ORF
Tierversuche in der Medizin sind gesellschaftlich umstritten. Zur
Entwicklung neuer Therapien bislang unheilbarer Krankheiten sind sie
aber notwendig. Gewebekulturen alleine reichen nicht. Es ist richtig,
dass MS des Menschen bisher an Tieren nicht spontan aufgetreten ist.
Entweder tritt sie tatsächlich nicht auf, weil es keine
Übereinstimmung zwischen der Chemie ihres Gehirnes und der möglicher
auslösender Viren gibt, oder sie wurde mangels regelmäßiger
Tierobduktionen bloß noch nie gefunden. Nachdem in Gewebekulturen
geprüft wurde, ob und unter welchen Bedingungen sich
Knochenmarks-Stammzellen zu Gehirnzellen umwandeln können, muss im
biologischen Modell der Tiere gezeigt werden, ob diese neuen
Gehirnzellen auch die Fähigkeit zur Reparatur haben. Weiters lässt
sich nur in dieser Konstellation ausschließen, dass die ins Gehirn
eingepflanzten Stammzellen entarten.
*****************************
Kein Zweck heiligt die Mittel
Dr. Bernhard Rambeck - Leiter der Biochemischen Abteilung des
Epilepsiezentrums in Bielefeld schreibt an Prof. Wolf Singer, Leiter
des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt/Main.
Dr. Rambeck ist Autor des Buchs "Mythos Tierversuch" und aktives
Mitglied der "Ärzte gegen Tierversuche". In seinem Brief an den
Hirnforscher Singer zeigt er die tatsächlichen Vorgänge bei dessen
Versuchen an Katzen auf - die ihm, wie er schreibt, "den Atem
verschlagen" haben. Die Einzelheiten entnahm er einer Fachzeitschrift
für Neurologie, in der eigenen Darstellung des Experimentators,
während im "Spiegel" eine harmlos wirkende Version zu lesen war.
Singer führt derartige Versuche schon seit Jahrzehnten durch. Für
seine Arbeit auf dem Gebiet der Bewusstseinsforschung wurde er in die
Päpstliche Akademie der Wissenschaften berufen und erhielt u.a. den
"Kulturpreis" der Stadt Frankfurt.
In dem persönlich gehaltenen Brief vom 12. Januar 2001 legt Dr Rambeck
eindringlich die Gründe für seine Ablehnung jeder auf Tierversuchen
aufbauenden Forschung dar. Eine Antwort hat er bis heute nicht
erhalten.
Leon Bernstein
Dr. B. Rambeck, Bielefeld
(Leiter der Biochem.Abteilung eines Epilepsiezentrums)
Herrn Prof.Wolf Singer
Max-Planck-Institut für Hirnforschung
Deutschordenstr. 46
60528 Frankfurt/M
12.Januar 2001
Sehr geehrter Herr Prof.Singer,
vor mir liegt der Spiegel (1/2001) mit Ihrem Interview zum Stand der
Bewusstseinsforschung. Abgebildet unter anderem ein niedliches,
unversehrtes Kätzchen im Sehlabor. Was dabei nicht zu sehen ist, geht
aus einer Veröffentlichung (European Journal of Neuroscience 2000: 12,
3315-3330) aus dem von Ihnen geleiteten Max-Planck-Institut für
Hirnforschung in Frankfurt über Experimente mit Katzen hervor. Diese
Arbeit, als deren Autoren u.a. Dr.Galuske und Sie zeichnen, wäre den
Spiegellesern auch kaum zuzumuten. Sie zeigt schlaglichtartig die
Problematik der tierexperimentellen Forschung auf.
Was ich hier in dieser Veröffentlichung lese, verschlägt mir den
Atem!
Sie und Ihr Mitarbeiter experimentieren mit 30 jungen und älteren
Katzen, als wären das Wegwerf-Artikel oder Rohmaterial für Ihre
Forschung. Den für den Eingriff anästhesierten Tieren werden kleine
Pümpchen im Halsbereich unter die Haut eingepflanzt, um Substanzen
freizusetzen. Die Pumpen sind über dünne Plastikschläuche mit
Hohlnadeln aus Stahl verbunden, die durch die Schädeldecke ins Gehirn
gesteckt wurden. Sie nähen diesen Tieren ein- oder beidseitig die
Augenlider zu. Nach ein bis drei Wochen fräsen Sie unter erneuter
Anästhesie den Schädel über der Sehrinde des Gehirns auf,
befestigen
mit Zahnzement einen Sockel darauf und führen Messungen durch. Alles
dies im Rahmen der Grundlagenforschung. Am Ende des Experiments werden
die Tiere durch ein Barbiturat getötet. Wie harmlos und irreführend
wirkt dagegen die Abbildung auf Seite 155 des Spiegels.
Dies ist nur ein Beispiel. In anderen Publikationen von deutschen
Universitäten und Max-Planck-Instituten - an vielen sind Sie oder Ihre
Mitarbeiter aktiv beteiligt - wird beschrieben, wie bei jungen Katzen
Augenmuskeln durchschnitten werden, um die Tiere zum Schielen zu
bringen, wie neugeborene Kätzchen zusammen mit Ihren Müttern in
Dunkelkammern aufgezogen werden, wie anästhesierte Katzen in
Halteapparaturen fixiert werden, um mit Messelektroden im Gehirn
Sehvorgänge zu studieren, usw. usw. Von den Experimenten mit Affen
will ich gar nicht erst reden.
Herr Prof.Singer, was in Ihrem Institut und unter Ihrer Leitung
passiert, ist schlichtweg grauenhaft. Wissen Sie, dass es in
Deutschland unzählige Tierfreunde gibt, die jede Minute ihrer Freizeit
dafür opfern, neugeborene, alte, kranke, elende Katzen zu retten, zu
versorgen, zu pflegen? Und Sie, Herr Prof.Singer, nähen eben diesen
Tieren die Augen zu! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie eine
Beziehung haben zu diesen wunderbaren Tieren, mit denen Sie
"arbeiten", sonst könnten Sie mit diesen Kätzchen, Katzen
und Katern,
nicht so umgehen. Was Sie in Ihrem Tierlabor machen oder machen
lassen, muss doch jeden "normalen" Menschen entsetzen! Diese Tiere,
und das gilt nicht nur für diese armen Katzen, sondern auch für all
die Affen, Hunde, Schafe, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten oder
Mäuse, die in den Tierlaboratorien "geopfert" werden, diese
Tiere sind
- auch wenn sie keine Sprache, kein Bewußtsein, keine Intelligenz in
unserem Sinne besitzen, viel zu wertvoll für Wissenschaft und
Forschung. Wenn sich Informationen nur durch so grauenhafte
Experimente erzielen lassen, wie sie in Ihrem Institut durchgeführt
werden, müssen wir auf diesen Erkenntnisgewinn verzichten. Sie können
in diesem Fall nicht einmal das beliebte Argument der angeblichen
Notwendigkeit für den medizinischen Fortschritt verwenden, Ihre
Grundlagenforschung mit diesen Katzen ist vom Standpunkt des
Mediziners gesehen bedeutungslos, unwesentlich, absolut nicht
notwendig.
Ich bin selbst Wissenschaftler, Leiter der klinisch-pharmakologischen
Forschungsabteilung eines Epilepsiezentrums, und ich bin an vielen
Fragestellungen der Forschung sehr interessiert und aktiv beteiligt.
Seit 25 Jahren arbeite ich im Bereich der Epilepsieforschung, Ihre
Studien mit den blind gemachten Katzen bringen der Medizin gar nichts,
werfen aber ein schlechtes Licht auf die Wissenschaft. Die breite
Öffentlichkeit erfährt von Ihren Experimenten nichts, denn Sie, Herr
Prof.Singer, zeigen Bilder von harmlosen, unversehrten Tieren! Die
Bilder von Kätzchen, denen ein- oder beidseitig die Augen zugenäht
wurden, auf deren geöffnete Schädel Messkammern zementiert wurden,
zeigen Sie nicht. Die traurigen Bilder von Affen im Primatenstuhl mit
im Gehirn steckenden Messelektroden verheimlichen Sie. Die Kadaver der
im Dienst der Wissenschaft umgebrachten Tiere verbergen Sie. Mit gutem
Grunde. Ein Aufschrei des Entsetzens würde durch die Republik gehen!
Sie erinnern sich an die Probleme mit Prof.Kreiter und den
Affenversuchen in Bremen, sogar Professoren und Studenten der
Universität Bremen distanzierten sich von dieser Extremform der
Wissenschaft!
Meines Wissens sind Sie vor einiger Zeit in die Päpstliche Akademie
der Wissenschaften berufen worden. Die Kirche gebraucht gerne den
Begriff Schöpfung, interessiert sich aber leider nur für die
menschlichen Geschöpfe. Der Rest aller Lebewesen - Tiere im
Versuchslabor, in der Massentierhaltung, in der Pelztierzucht usw. -
interessiert sie traditionsgemäß nur in zweiter Linie. Tiere sind
für
sie unbeseeltes Material, das dem Menschen zu dienen hat. In einem
entsprechenden Sinne forschen auch Sie - mit Katzen, Affen und anderen
Tieren. Aber es gibt immer mehr Zeitgenossen, auch Ärzte und
Wissenschaftler, die mit dieser brutalen Form der Wissenschaft nicht
mehr einverstanden sind.
Als klinisch-pharmakologisch tätiger Wissenschaftler bin ich seit
vielen Jahren bei der Vereinigung "Ärzte gegen Tierversuche"
e.V.
engagiert. Ich betreue in meiner Freizeit eine Datenbank, in der
Tierexperimente erfasst werden, die in den letzten Jahren in
Deutschland gemacht und in internationalen Fachzeitschriften
publiziert wurden. Wir (das sind Mediziner und Wissenschaftler dieser
Vereinigung) übersetzen tierexperimentelle Studien in eine auch für
Nichtmediziner verständliche Sprache und dokumentieren sie in einer
Datenbank. Im Internet finden Sie sie unter
"www.datenbank-tierversuche.de"
In dieser Datenbank sind inzwischen mehr als 1200 in deutschen
Laboratorien durchgeführte Tierexperimente mit allen nötigen
Quellenangaben dokumentiert. Die Forschungsinstitute werden genannt,
aber keine Adressen - zu Ihrer Beruhigung. Wir bewerten diese
Experimente nicht, wir dokumentieren bloß. Unsere Adressaten sind
nicht die Tierschützer, sondern kritische Journalisten, Politiker,
Wissenschaftler. Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, ob alles,
was in der heutigen Wissenschaft möglich ist und interessant
erscheinen mag, tatsächlich auch gemacht werden darf. Bitte besuchen
Sie diese Datenbank einmal und lesen Sie selbst! Jeder Experimentator
ist überzeugt, dass sein Experiment einen wichtigen Beitrag zur
Wissenschaft leistet. Jedes Experiment ist von einer Kommission
abgesegnet, von einer Behörde genehmigt. Ich weiss. Trotzdem - diese
Form der Wissenschaft lehne ich ab. Diese, verzeihen Sie,
schauerlichen Experimente, beschrieben in einer abgehobenen
Wissenschaftssprache, mit Affen, Hunden, Katzen, ja und auch mit
unzähligen Ratten und Mäusen, das ist für mich keine
Wissenschaft
mehr. Die Tiere werden nicht abgeschlachtet, sondern "sacrified",
geopfert. Die Katzen werden nicht geblendet, sondern monocular oder
binocular "deprived", d.h. es wird ihnen ein- oder beidseitig das
Augenlicht entzogen.
Ich weiss vielleicht wie kaum sonst jemand in Deutschland um
Tierversuche Bescheid, weil ich alle 1200 Experimente im Original
nachgelesen und geprüft habe, bevor ich sie zur Eingabe in die
Datenbank bzw. ins Internet freigegeben habe. Insgesamt gesehen hat
das nichts mehr mit Wissenschaft zu tun, das erscheint eher wie eine
Sammlung von grauenerregenden Vorfällen in deutschen Laboratorien.
Ich bin wirklich kein Gegner der Wissenschaft und ich finde Forschung
ungeheuer spannend, wie Ihnen vielleicht meine wissenschaftlichen
Kollegen bestätigen werden. Ich kenne viele Wissenschaftler, die sich
vom Tierexperiment ganz oder weitgehend abgewandt haben, weil es heute
fantastische Möglichkeiten gibt "in vitro" oder mit
computergestützten
diagnostischen Geräten in der Klinik wichtige Fragestellungen zu
bearbeiten. Forschung kann wirklich Spaß machen, aber eine Forschung,
die über Leichen geht - auch wenn es Tierleichen sind - lehne ich ab.
Kein Zweck heiligt die Mittel, keine noch so interessante
Fragestellung rechtfertigt einen so brutalen Umgang mit unseren
Mitgeschöpfen wie er in vielen Forschungsinstituten stattfindet!
Mit freundlichem Gruß
Dr. Bernhard Rambeck