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Krankenakte online?

Author: Gunnar.Lindenblatt@pobox.com (Gunnar Lindenblatt)

Krankenakte online?


Hallo!

Seit den Sechzigern ist es für keine Bank der Welt ein großes Problem,
rechnergestützt die aktuellen Bonitätsdaten eines beliebigen Kunden
herauszufinden. Wer heute in Timbuktu an den Geldautomaten geht, wird
in Sekundenschnelle überprüft - und dann gibts Geld (oder eben auch
keines).

Wie sieht es bei der medizinischen Versorgung aus? Zentrale Standards
fehlen, und schon die nächstgelegene Klinik hat keinen Zugriff auf die
Daten des Hausarztes, der nur drei Straßen weiter wohnt. Armbänder
etc. mit den allernotwendigsten medizinische Notfalldaten (z. B.
Medikamenten-Unverträglichkeiten) sind nur ein Tropfen auf den heißen
Stein. Umgekehrt werden Daten gepoolt und sind für einen nicht
autorisierten Personenkreis zugänglich, vgl.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/332834 (letzter
Absatz).

Da ich nicht warten will, bis irgendwann irgendwie eine
"Gesundheitskarte" mit entsprechendem Datennetzwerk im Hintergrund
kommt, habe ich mich auf die Suche nach einem privaten Anbieter
gemacht, der die Daten meiner Ärzte sammelt, standardisiert (d. h.
ggfs. auf Englisch verfügbar macht) und z. B. auf einer
verschlüsselten Web-Seite speichert.

Gefunden habe ich bis jetzt nur die Firma "International SOS"
(http://www.sos-international.com/), die aber nicht vorhandene Daten
speichert, sondern (über Kooperationskliniken) Routineuntersuchungen
durchführt und diese Daten sammelt.

Kennt jemand Unternehmen, die diese Datensichtung und -bereitstellung
übernehmen?

Gruß
Gunnar

--
Gunnar Lindenblatt
Gunnar.Lindenblatt@pobox.com
Kodachrome-FAQ:
http://www.pobox.com/~gunnar.lindenblatt/k14-faq.htm




Krankenakte online?

Author: Bernhard Nowotny

Gunnar Lindenblatt wrote:
> Wie sieht es bei der medizinischen Versorgung aus? Zentrale Standards
> fehlen, und schon die nächstgelegene Klinik hat keinen Zugriff auf die
> Daten des Hausarztes, der nur drei Straßen weiter wohnt.

Das eigentliche Problem dabei dürfte sein, dass Ärzte
traditionell den Untersuchungsergebnissen von anderen Ärzten
nicht trauen. Manchmal ist das auch gut so...

> Armbänder etc. mit den allernotwendigsten medizinische Notfalldaten
> (z. B. Medikamenten-Unverträglichkeiten) sind nur ein Tropfen auf
> den heißen Stein.

Und werden im Notfall selten beachtet, wenn der Patient (oder
ein Angehöriger) nicht in der Lage ist, das Teil selbstständig zu
präsentieren. :(

Servus,


Bernhard

--
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Krankenakte online?

Author: "Kai Krause"

Ich verstehe auch nicht welchen Sinn das machen soll?
Mein "Hausarzt" weis ebenso wenig von meinem künstlichen Hüftgelenk (darum
kümmert sich schließlich der Orthophäde, bei dem ich seit vielen Jahren in
Behandlung bin), wie über meine Augen oder über meinen Zähne, oder dass ich
in meiner Kindheit eine Reihe schwerwigender Infekte hatte (ein anderer Arzt
behandelte das damals). Dass man erst zum Hausarzt gehen sollte halte ich
sowieso für völligen Quatsch, das wäre ja als würde man bei Wasserrohrbruch
immer erstmal eine Firma für Hausmeisterdienst verständigen, damit die dann
entscheiden ob man einen Klempner oder einen Elektriker bestellt. Und das
nicht jeder 100% alles über mich weiss ist mir ganz sympatisch, das reicht
doch wenn meine Krankenkasse das tut.

> kommt, habe ich mich auf die Suche nach einem privaten Anbieter
> gemacht, der die Daten meiner Ärzte sammelt, standardisiert (d. h.
> ggfs. auf Englisch verfügbar macht) und z. B. auf einer
> verschlüsselten Web-Seite speichert.

Wenn es jetzt wirklich nur um Notfalldaten geht, ist zu empfehlen sich diese
auf eine kleine Pappkarte zu drucken und bei sich zu tragen, also das
wichtigste wäre:
Name
Geburtsdatum
Telefon (auch der Angehörigen die Informiert werden sollen)
Krankenversicherungsnummer
Blutgruppe und Resusfaktor
Unverträglichkeiten und Allergien
ggf. chronische Erkrankungen
sonstiges was im Notfall relevant sein könnte


Krankenakte online?

Author: Michael Schmidt

Hallo Kai, hallo Newsgroup,

Kai Krause wrote:

> Wenn es jetzt wirklich nur um Notfalldaten geht, ist zu empfehlen sich diese
> auf eine kleine Pappkarte zu drucken und bei sich zu tragen, also das
> wichtigste wäre:
> Name
> Geburtsdatum
> Telefon (auch der Angehörigen die Informiert werden sollen)
> Krankenversicherungsnummer
> Blutgruppe und Resusfaktor
> Unverträglichkeiten und Allergien
> ggf. chronische Erkrankungen
> sonstiges was im Notfall relevant sein könnte

Grundsätzlich Ack - mit einer Ausnahme: Die Angabe der Blutgruppe ist
völlig überflüssig!

Nach geltendem Recht muss vor Transfusionen der Befund des "zuständigen
Laboratoriums" abgewartet werden (Blutgruppe, Rhesusfaktor,
Antikörpersuchtest, Kreuzprobe - Zeitbedarf knapp eine Stunde).
Zusätzlich muss beim Patienten ein zusätzlicher ABO-Test unmittelbar vor
der Transfusion gemacht werden, um Verwechslungen beim Probentransport
auszuschliessen.

Steht die Zeit dafür nicht zur Verfügung, muß zumindest die ABO- und
Rhesus-Bestimmung abgewartet werden (Zeitaufwand: Ca. 3 Minuten). Steht
auch diese Zeit nicht zur Verfügung, *könnte* es nützlich sein, einen
offiziellen Blutgruppenausweis (irgendwelchen anderen Zetteln,
Arztbriefen oder selbstgeschriebenen Dingen darf ich sowieso nicht
glauben) vorliegen zu haben - aber auch nur dann, wenn völlig
zweifelsfrei feststeht, dass Patient und Ausweis wirklich
zusammengehören. Fragen geht nicht, da der Patient in dieser
Konstellation mit Sicherheit bewußtlos ist und zum Ausweise vergleichen
hat man weder Zeit noch Nerven - mit anderen Worten: Solange, bis der
hauseigene Befund da ist (bei guter Organisation 5 min.), gibts
Null-negativ ("Universalblut").

Hintergrund: Die meisten Transfusionszwischenfälle passieren bei
Verwechslungen, die meisten Verwechslungen passieren bei Notfällen.
Deswegen haben Gesetzgeber und Bundesärztekammer die Regeln sehr streng
gestaltet.
Beispiel: Dein Bruder (dem Du ähnlich siehst, der aber eine andere
Blutgruppe hat) hat seine Brieftasche vergessen. Du bringst sie ihm,
hast unterwegs einen schweren Unfall und wirst durch diesen dummen
Zufall fehltransfundiert.

Fazit: Die ganzen Blutgruppenanhänger, -Briefchen u.s.w. nutzen nur
denen, die sie verkaufen.

hth

Michael


Krankenakte online?

Author: Michael Schmidt

Hallo Kai, hallo Newsgroup

Kai Krause wrote:

> Ich verstehe auch nicht welchen Sinn das machen soll?
> Mein "Hausarzt" weis ebenso wenig von meinem künstlichen Hüftgelenk
(darum
> kümmert sich schließlich der Orthophäde, bei dem ich seit vielen
Jahren in
> Behandlung bin), wie über meine Augen oder über meinen Zähne, oder
dass ich
> in meiner Kindheit eine Reihe schwerwigender Infekte hatte (ein
anderer Arzt
> behandelte das damals).

Sollte er aber. Beim Hausarzt als "Case manager" sollten die Fäden aller
Behandlungen zusammenlaufen. Das hilft, unsinnige
Mehrfachuntersuchuungen zu vermeiden, Medikamentenwechselwirkungen
aufzuspüren und die Behandlung in sinnvolle Bahnen zu lenken. Ich könnte
viele nette Geschichten erzählen von unnötigen Patientenodysseen, wobei
die Betroffenen zum Teil auch erheblichen Schaden genommen haben.
Zugegebenermaßen sind viele Allgemeinmediziner mit dieser Aufgabe
überfordert und reagieren auf Probleme reflexartig mit dem
Überweisungsschein, aber das ist ein anderes Thema..

hth

Michael


Krankenakte online?

Author: Michael Schmidt

Hallo Kay, hallo Newsgroup,

Kay Hanusch wrote:

> Seine Daten auf einer Site speichern finde ich eine geniale Idee und bin
> jetzt dadurch inspiriert dies auch zu tun. Mal sehen wo die grenzen der
> Datenbeschaffung liegen.

Vermutlich beim Aufwand: Jede Stelle, die was rausrücken soll, braucht
zum Einen eine Schweigepflichtsentbindungserklärung des Patienten und
hat zum andern auch Anspruch auf Unkostenersatz.

Also rechtlich gesehen hat ja jeder Einsicht in all
> seine Krankenakten,

Ein beliebter Irrtum. Ein Recht auf Einsicht und Kopie besteht für
*Befunde*, nicht für die komplette Akte. Das Thema hatten wir hier schon
öfters - Google ist dein Freund.

> Übrigens wenn Du etwas über einen verschlüsselten Server weisst sag mir
> bescheid. Obwohl ich am überlegen bin, ob ich meine Daten unbedingt
> verschlüsseln muss. Ich habe nichts zu verbergen und es ist mir egal ab ein
> anderer durch zufall meine Daten liest.

Auch wenn ich jetzt den Bereich des medizinischen etwas verlasse: Das
halte ich
für eine ziemlich gefährliche Einstellung, denn so wird sozialer Druck
aufgebaut
(Müllers Akte ist nicht einsehbar? Der hat wohl was zu verbergen...).
Abgesehen
davon kannst auch Du sehr schnell in die Situation kommen, ein
gesundheitliches Problem verbergen zu müssen - auch wenn Du es Dir jetzt
vielleicht nicht vorstellen kannst.

hth

Michael


Krankenakte online?

Author: Ralf Muschall

Gunnar.Lindenblatt@pobox.com (Gunnar Lindenblatt) writes:

> herauszufinden. Wer heute in Timbuktu an den Geldautomaten geht, wird
> in Sekundenschnelle überprüft - und dann gibts Geld (oder eben auch
> keines).

Weil er zuhause einen Vertrag mit dem Timbuktu-Geldautomatenaufsteller
geschlossen hat, der ebendies besagt. Im übrigen wird nicht "er"
überprüft, sondern sein Konto.

> fehlen, und schon die nächstgelegene Klinik hat keinen Zugriff auf die
> Daten des Hausarztes, der nur drei Straßen weiter wohnt. Armbänder
> etc. mit den allernotwendigsten medizinische Notfalldaten (z. B.
> Medikamenten-Unverträglichkeiten) sind nur ein Tropfen auf den heißen

Nein, sie sind der Gipfel dessen, was ich dulden könnte.

> Da ich nicht warten will, bis irgendwann irgendwie eine
> "Gesundheitskarte" mit entsprechendem Datennetzwerk im Hintergrund

Und ich will nicht warten, bis irgendein hergelaufener
JU-Schlipsträger festlegt, dass man Leute, die aufgrund irgendwelcher
absehbarer chronischer Leiden vorzeitig unproduktiv zu werden drohen,
aus der Gesellschaft zu entfernen und in den Nahrungskreislauf
zurückzuführen sind. Oder Vermieter eine bundesweite Liste der
HIV/HBV/sonstwas-positiven in die Hand kriegen.

> gemacht, der die Daten meiner Ärzte sammelt, standardisiert (d. h.
> ggfs. auf Englisch verfügbar macht) und z. B. auf einer

Wozu soll das, was über ein Notfallarmband o.ä. hinausgeht, gut sein?
Daten, die man langsam braucht, kann man per Schweigepflichtendbindung
vom Hausarzt übermitteln lassen; und die schnell gebrauchten hat man.

Ralf
--
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PS+>++ PE Y+>++ PGP+ !t !5 !X !R !tv b+++ DI+++ D? G+ e++++ h+ r? y?


Krankenakte online?

Author: Gunnar.Lindenblatt@pobox.com (Gunnar Lindenblatt)

Krankenakte online?


Hallo!

Seit den Sechzigern ist es für keine Bank der Welt ein großes Problem,
rechnergestützt die aktuellen Bonitätsdaten eines beliebigen Kunden
herauszufinden. Wer heute in Timbuktu an den Geldautomaten geht, wird
in Sekundenschnelle überprüft - und dann gibts Geld (oder eben auch
keines).

Wie sieht es bei der medizinischen Versorgung aus? Zentrale Standards
fehlen, und schon die nächstgelegene Klinik hat keinen Zugriff auf die
Daten des Hausarztes, der nur drei Straßen weiter wohnt. Armbänder
etc. mit den allernotwendigsten medizinische Notfalldaten (z. B.
Medikamenten-Unverträglichkeiten) sind nur ein Tropfen auf den heißen
Stein. Umgekehrt werden Daten gepoolt und sind für einen nicht
autorisierten Personenkreis zugänglich, vgl.
http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/332834 (letzter
Absatz).

Da ich nicht warten will, bis irgendwann irgendwie eine
"Gesundheitskarte" mit entsprechendem Datennetzwerk im Hintergrund
kommt, habe ich mich auf die Suche nach einem privaten Anbieter
gemacht, der die Daten meiner Ärzte sammelt, standardisiert (d. h.
ggfs. auf Englisch verfügbar macht) und z. B. auf einer
verschlüsselten Web-Seite speichert.

Gefunden habe ich bis jetzt nur die Firma "International SOS"
(http://www.sos-international.com/), die aber nicht vorhandene Daten
speichert, sondern (über Kooperationskliniken) Routineuntersuchungen
durchführt und diese Daten sammelt.

Kennt jemand Unternehmen, die diese Datensichtung und -bereitstellung
übernehmen?

Gruß
Gunnar

--
Gunnar Lindenblatt
Gunnar.Lindenblatt@pobox.com
Kodachrome-FAQ:
http://www.pobox.com/~gunnar.lindenblatt/k14-faq.htm