Moin
Zu meiner Geschichte: einfache Sache, habe mir vor ein paar
Monaten das Schienbein gebrochen. Der Schaden wurde in einem
anerkannt gutem Unfallkrankenhaus behoben, indem man einen
ordentlichen Nagel in den Knochen einfädelte und ihn oben und
unten mit Schrauben fixierte. Ich weis zwar nicht, wie die das
geschafft habe, ohne das ganze Bein durchzusägen, aber
irgendwie geht das wohl. Ich durfte sogar aus dem
Röntgenschirm mit zuschauen, wie sie mir das Ding reingenagelt
haben. So weit so gut.
Jetzt aber zu den unangenehmen Seiten. Natürlich ist so ein
Beinbruch keine Lapalie und das ich daran noch lange
herumleiden werde, wurde mir schon angedroht. Man ist ja kein
Hochleistungssportler, der so aufwändig betreut wird, daß er
nach zwei Wochen wieder Fußball spielt.
Bei der Nachuntersuchung wurde wieder Röntgenaufnahmen
gemacht. Natürlich macht die jeder Arzt selber. Man könnte
sich auch die genügend vorhandenen zuschicken lassen, aber
dann gibts ja kein Geld von der Kasse.
Auf meine Bitte hin durfte ich sogar einen flüchtigen Blick
auf die Aufnahmen werfen. Nett, daß man mir zähneknirschend
zugesteht, ein Bild von mir betrachten zu dürfen. Aber dabei
viel mir etwas auf: die Schrauben, die Nagel und Knochen
verbinden, schauen auf beiden Seiten mit dem Kopf und der
Spitze aus dem Knochen heraus.
Das kann doch nicht sein, das müßte doch andauernd zu übelsten
Folgen führen, so eine Eisenspitze die ständig im Muskelgewebe
reibt. Aber: Nöö, das ist normal. So so. Jedem Handwerker
würde man eine solche Arbeit um die Ohren hauen, aber
Chirurgen dürfen das wohl.
Gut, daß ich nicht gerade positiv von Ärzten denke, merkt man
schon. Wenn man aufgrund einer unnötigen Fehlbehandlung einen
dauerhaften Nierenschaden weghat, dann meidet man Ärzte wo es
nur geht. Und auch sonst sind die Erfahrungen Anderer im
Bekanntenkreis nicht so toll: Ein Kumpel hat lebenslang eine
steifes Fingerglied, weil der Chirurg das gebrochene
Knochenstück aus Versehen falsch herum eingebaut hat. Ein
ältere Dame brauchte nach mißglückter Operation an einem
gebrochenen Oberschenkelhals ein künstliches Hüftgelenk.
Grund: die falschen Schrauben verwendet, Knochen wachsen nun
mal nicht zusammen, wenn die Bruchstellen ein paar Milimeter
Abstand haben und sich ständig bewegen.
Also ist das normal, daß man bei solchen
Knochenverschraubungen keinen großen Wert auf die Wahl der
richtigen Schraubenlänge und Gewindeform legt? Wird da einfach
reingespaxt, was einem unter die Finger kommt oder gerade im
Sonderangebot war? Übrigens merke ich die Folgen jetzt gerade
sehr deutlich: durch einen Rempler ist genau das befürchtete
passiert, die Schraubenspitzen haben wohl wieder den Muskel
verletzt, seit zwei Tagen tut es wieder genau an der Stelle
weh und die Wade ist mal wieder geschwollen. Und damit muß ich
jetzt ein Jahr leben (dann soll das Eisen rauskommen), nur
weil die im Krankenhaus gerade keine kürzeren Schrauben da
hatten? Ist das normal?
CU Rollo
--
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Roland Damm schrieb:
> Das kann doch nicht sein, das müßte doch andauernd zu
übelsten
> Folgen führen, so eine Eisenspitze die ständig im Muskelgewebe
> reibt. Aber: Nöö, das ist normal. So so. Jedem Handwerker
> würde man eine solche Arbeit um die Ohren hauen, aber
> Chirurgen dürfen das wohl.
Ich muss zugeben, dass ich von Chirurgie nicht besonders viel verstehe.
Allerdings habe ich schon einige Röntgenaufnahmen von Marknägeln (ich
denke, um einen solchen geht es hier, oder?) gesehen. Auf diesen Bildern
war eigentlich immer das von Dir beschriebene Phänomen zu sehen.
Ich könnte mir z. B. als Grund dafür vorstellen, dass man auf beiden
Seiten die sog. "Kompakta", also den massiven äußeren
"Mantel" des
Knochens, mit verschrauben möchte, damit die Stabilität ausreichend
ist.
Ein Knochen ist mit einem Stück Holz nicht zu vergleichen, sondern
deutlich komplizierter aufgebaut. Vielleicht solltest Du dies bei Deinen
Überlegungen berücksichtigen. Weitere Erklärungsversuche
unternehme ich
hier mangels Fachwissens nicht, vielleicht gibt es ja auch einen
Unfallchirurgen hier. Jedenfalls kann ich sagen, dass Deine Beschreibung
des Röntgenbildes nicht darauf schließen lässt, dass der Nagel
falsch
fixiert wurde.
> Knochenstück aus Versehen falsch herum eingebaut hat. Ein
> ältere Dame brauchte nach mißglückter Operation an einem
> gebrochenen Oberschenkelhals ein künstliches Hüftgelenk.
> Grund: die falschen Schrauben verwendet, Knochen wachsen nun
> mal nicht zusammen, wenn die Bruchstellen ein paar Milimeter
> Abstand haben und sich ständig bewegen.
Natürlich ist es ärgerlich, wenn zweimal operiert werden muss. Aber
die
Tatsache an sich, dass nach einem medialen (also in der Nähe des
Hüftgelenks gelegenen) Oberschenkelhalsbruch eine Hemiprothese (also ein
künstlicher Hüftkopf, kein komplettes künstliches Gelenk)
eingesetzt
wird, ist absolut nicht ungewöhnlich. Leider hast Du ja nicht
geschrieben, ob es sich um eine Hemi- oder eine Totalprothese handelt.
> Also ist das normal, daß man bei solchen
> Knochenverschraubungen keinen großen Wert auf die Wahl der
> richtigen Schraubenlänge und Gewindeform legt? Wird da einfach
Nein, es ist nicht normal. Aber vielleicht war es ja bei Dir gar nicht
der Fall?
> Sonderangebot war? Übrigens merke ich die Folgen jetzt gerade
> sehr deutlich: durch einen Rempler ist genau das befürchtete
> passiert, die Schraubenspitzen haben wohl wieder den Muskel
> verletzt, seit zwei Tagen tut es wieder genau an der Stelle
> weh und die Wade ist mal wieder geschwollen. Und damit muß ich
Schon mal daran gedacht, dass Deine Beschwerden auch eine andere Ursache
als die Verwendung der falschen Schrauben haben könnten?
Ich wünsche Dir weiterhin gute Genesung.
Alexandra Musto wrote:
> Roland Damm writes:
Die dsmm-Unfallchirurgie bereitet sich wohl mental auf die Skisaison
vor. Da geb ich mal meinen Laiensenf auch noch dazu.
> Naja, ich glaube kaum, dass man in so einen Knochen ein Gewinde
> reinschneiden kann. Irgendwie muss die Schraube ja auch halten. Meine
> sah ziemlich genau aus wie eine Holzschraube und funktioniert
> vermutlich auch nach demselben Prinzip.
Hier gab es mal eine Ausstellung über Bionik. Dort war eine
Knochenschraube zu sehen, die nach den Kriterien des Wurzelwachstums
(Gebiete mit hoher Spannung verstärken) entwickelt worden war. Offenbar
ist die einfache Spax nicht gut genug. Vielleicht sind die
Gewebeverträglichen Materialien (bei mir war es Titan) etwas spröder,
als Spaxschrauben.
> Evtl. kommen Deine Beschwerden
> von was anderem, und Du schreibst sie nur dieser Schraube zu? Man kann
> sich manchmal ein bisschen was einbilden, vor allem, wenn man so
> einen Fremdkörper im Körper hat.
Von meinen 8 Schrauben im Sprunggelenk waren 2 unangenehm. Eine berührte
eine Sehne, die sich erst nach der OP zur Entfernung wieder beruhigte.
Die andere war so schön exponiert am Außenknöchel, daß
ich nur
Halbschuhe tragen konnte und gelegentlich seitlich irgendwo anstieß, was
gar nicht lustig war. Die anderen Schrauben und das Blech konnte ich
zwar ertasten, aber sie störten nicht.
Gruß, Raimund
--
Mein Pfotoalbum http://home.snafu.de/nisius/
GPG-Key http://pgp.zdv.uni-mainz.de/keyserver/pks-commands.html
Roland Damm schrieb:
> der Knochen von sich aus wieder genügend Stabilität hat, ist
> ja wohl klar. Und Zugkräfte im Bein sind ja normalerweise
> ziemlich gering.
Hallo,
Du unterschätzt Deine Muskeln ziemlich. Muskeln arbeiten nur per
Zugkraft, Druckkraft können sie nicht. Aufgrund der Hebelarme sind die
Zugkräfte in den Beinmuskeln teilweise erheblich grösser als das
Körpergewicht.
Bye
Roland Damm schrieb:
>
> Das kann doch nicht sein, das müßte doch andauernd zu
übelsten
> Folgen führen, so eine Eisenspitze die ständig im Muskelgewebe
> reibt. Aber: Nöö, das ist normal. So so. Jedem Handwerker
> würde man eine solche Arbeit um die Ohren hauen, aber
> Chirurgen dürfen das wohl.
Hallo,
Handwerker gehen nicht mit so extremen Leichbauteilen wie Knochen um.
Woran die arbeiten ist mehrfach überdimensioniert, aber mit so
überschweren Knochen könnten wir uns nicht bewegen.
Handwerker können auch leicht mal eben an dem Teil nachmessen wie lang
die Schrauben sein dürfen, Chirurgen dürfen nur nachmessen wenn dazu
keine zusätzlichen Schnitte notwendig sind.
Die Chirurgen müssen die Schrauben vor allem nach dem Gesichtspunkt
auswählen das sie um Himmels Willen unter Belastung nicht ausreissen
dürfen und das an einem Röhrenknochen der im Inneren so leicht wie
möglich aufgebaut ist aber nicht auf gute Verschraubbarkeit optimiert
wurde.
Bye
Hallo,
Uwe Hercksen writes:
> Roland Damm schrieb:
> >
> > Das kann doch nicht sein, das müßte doch andauernd zu
übelsten
> > Folgen führen, so eine Eisenspitze die ständig im
Muskelgewebe
> > reibt. Aber: Nöö, das ist normal. So so. Jedem Handwerker
> > würde man eine solche Arbeit um die Ohren hauen, aber
> > Chirurgen dürfen das wohl.
> Handwerker gehen nicht mit so extremen Leichbauteilen wie Knochen um.
> Woran die arbeiten ist mehrfach überdimensioniert, aber mit so
> überschweren Knochen könnten wir uns nicht bewegen.
[...]
Eigentlich bleibt bloss die Frage, warum der Arzt das einem offenbar
besorgten Patienten nicht einfach hat erklären können?
Grüße
Klexi
--
Spikes evil, but you should see him naked.
Uwe Hercksen schrieb:
<schnipp>
> Du unterschätzt Deine Muskeln ziemlich. Muskeln arbeiten nur per
> Zugkraft, Druckkraft können sie nicht. Aufgrund der Hebelarme sind
die
> Zugkräfte in den Beinmuskeln teilweise erheblich grösser als das
> Körpergewicht.
>
> Bye
>
Um auch noch meinen Senf dazuzugeben, auf der Hüfte lastet beim normalen
Stehen schon das Achtfache des Körpergewichtes. Auf jeder Seite.
(CMIIW)
Tokay
Moin,
Uwe Hercksen hat geschrieben:
> > der Knochen von sich aus wieder genügend Stabilität hat,
> > ist ja wohl klar. Und Zugkräfte im Bein sind ja
> > normalerweise ziemlich gering.
> Du unterschätzt Deine Muskeln ziemlich. Muskeln arbeiten nur
> per Zugkraft, Druckkraft können sie nicht. Aufgrund der
> Hebelarme sind die Zugkräfte in den Beinmuskeln teilweise
> erheblich grösser als das Körpergewicht.
Ja eben! Und wegen Kräftegleichgewicht herrscht dann im
Knochen die selbige Druckkraft plus noch ein bischen
Körpergewicht. Ich meine ja die Zugkräfte im Knochen, die
sollten doch im Normalfall gar nicht vorkommen.
CU Rollo
--
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