Medizin

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künstliches koma

Author: baur.steffi@gmx.de (Stefanie)

Hallo Michael, hallo Newsgroup!

Tut mir leid das ich erst so spät schreibe, aber in den letzten Tagen
ist do viel passiert das ich keine Zeit und keine Kraft hatte etwas zu
schreiben.

Als wir mit dem Arzt sprachen sagte er uns das mein Vater auch ein
Geschwür im 12 Finger-Darm hat, welches immer wieder zu bluten
beginnt.
Durch diese Blutungen könnte es sein das Giftstoffe wie Amoniak
freigesetzt werden und in das Gehirn eindringen. Und daraus könnten
Gehirnschäden entstehen.
Als ich das gehört habe war ich geschockt, denn ich weiß, dass das
schlimmste für meinen Vater wäre wenn sein gehirn nicht mehr 100 %
funktionieren würde.
Weiterhin sagte der Arzt auch dass sein Gesamtzustand sehr schlecht
wäre.
Der Kreislauf wäre ein sehr großes Problem.
Und wir müßten einfach abwarten.

Am Mittwoch nachmittag habe ich mich nach seinem Zustand erkundigt und
man sagte mir es sei sehr positiv, er habe keine Bakterien mehr im
Blut es es gehe Bergauf.

Am Mittwoch abend um 21.30 Uhr jedoch rief mich das Krankenhaus an und
meinte wir sollen vorbei kommen meinem Vater gehe es sehr schlecht.
Wir sind dann natürlcih gleich mit 180 Sachen ins Krankenhaus gedüst.
Dort teite uns der zuständige Arzt mit das mein Vater noch in dieser
Nacht sterben wird.
Das war natürlich ein riesen Schock für mich, da es ja am nachmittag
noch hieß es geht bergauf.
Ich habe mich (so gut man so was machen kann) von meinem Vater
verabschiedet.
Er hatte nur noch einen Blutdruck von 57 zu 27.

Mein Vater lebt heute noch!!!
In dieser besagten Nacht ging sein Blutdruck noch auf normalzustand
hoch.
Es ist den Ärzten auch unerklärlich, denn sie haben ihm keine Mittel
dafür gegeben!
Das kroteske daran ist , das meine Oma ( Die Mutter meines Vaters) in
dieser Nacht Ihren 77 Geburtstag feierte.
Ich weiß nicht ob das zu weit hergeholt ist, aber ich denke mein Vater
wollte nicht an dem Geburtstag meiner Oma sterben.
Glaubst so was ist möglich?

Seit Mittwoch leben sowohl wir als auch die Ärzte im ungewissen.
Die Ärzte sagen immer nur wir müssen abwarten, und das macht mich
verrückt!
Jedes mal wenn das Telefon klingelt bleibt mir fast das Herz stehen,
denn es könnte ja ein Anruf vom Krankenhaus sein!

Mein Vater ist ein sehr stolzer Mensch und er hätte nie ein Pflegefall
sein wollen. Er wollte nie auf andere angewiesen sein.

Ich wäre mittlerweile wirklich froh wenn er endlich seinen Frieden
finden könnte.

Ich danke euch fürs zuhören!

Liebe Grüße
Stefanie




künstliches koma

Author: Ignaz Schmucki

Stefanie schrieb:


> Ich wäre mittlerweile wirklich froh wenn er endlich seinen Frieden
> finden könnte.

der vater von lieben freunden ist dieser tage ebenfalls in einem
krankenhaus in deutschland am sterben. und weils ein katholisches ist
und er als privatpatient anrecht auf das volle mass christlicher
betreuung hat, dauert und dauert es..

es gibt leider zu wenig ärzte, die mit morphinen grosszügig sind - und
wenn sies sind, setzt man sie in u-haft.

(ich weiss, dass das problem "sterbehilfe" komplexer ist, als die obige,
etwas saloppe feststellung. aber der aktuelle zustand der
bedingungslosen sterbeabwendung um und, dies vor allem, FÜR jeden
preis, kanns ja auch nicht sein..)

i.

--
ignaz schmucki ~ CH 3600 thun
http://www.igu.ch


künstliches koma

Author: baur.steffi@gmx.de (Stefanie)

Hallo!

Ich brauche eure Hilfe!
Mein Vater ist vor drei Tagen ins Krankenhaus gekommen und wurde heute
ins " künstliche koma" ( ich weiß das Ihr diesen Ausdruck nicht gerne
benutzt, aber ich weiß den anderen Ausdruck nicht mehr) versetzt.
Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
funktionieren und er eine Lungenentzündung hat. Die Ärtze im
Krankenhaus haben uns schon auf das schlimmste vorbereitet. Wir (
meine 2 Brüder und ich) sind nun ratlos.
Kann er uns denn noch verstehen? Wie können wir ihm helfen?
Um eure Hilfe wäre ich euch sehr dankbar!!
Und wenn ich mich nur mit jemanden austauschen könnte, der ein
ähnliches oder gleiches Schicksal hat, würde mir das schon sehr
helfen!!

Ich danke euch im voraus fürs zuhören!
Stefanie


künstliches koma

Author: "rump r."

X-No-archive: yes
"Stefanie" schrieb
[...]
> Die Ärtze im Krankenhaus haben uns schon auf
> das schlimmste vorbereitet.
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Ihr wißt was das bedeutet?
[...]
> Kann er uns denn noch verstehen? Wie können wir ihm helfen?
Er wird euch noch hören, und habt keine Scheu ihn zu
berühren v bzw. umarmt ihn.

> Um eure Hilfe wäre ich euch sehr dankbar!!

Gibt es Seelsorger oder Psychologen im Krankenhaus?


künstliches koma

Author: "Widesky"

Hallo ....Stefanie ...

Ja ich ich kann Dich sehr gut verstehen ... Auch mein Sohn wurde ins
künstliche Koma versetzt.
Ob das nun notwendig war oder nicht, darüber streiten sich die Geister.
Ich bin der Vater von diesem / meinem Sohn der seit 10 Jahren im Wachkoma
liegt und betreue
ihn Tag und Nacht ... sie auch unter www.widesky.de wo sein Schicksal
dokumentiert wird.

Ich würde Dir raten wollen dass Du Deinem Vater, Nähe und Anwesenheit
zeigst. Im Koma liegen
heißt nicht, taub und gefühllos zu sein ...

Ich fände es wichtig, ihm etwas Vertrautheit zu bieten und nicht mit den
Gedanken an ihn rangehen, das
eh alles verloren scheint. Ich habe die Erfahrung selbst machen müssen, als
mein Sohn um sein Leben im Koma kämpfte,
das eine negative Einstellung zu seiner Situation auch negatives bewirkte.
Ich weiß selbst, wie schwer es ist, in hoffnungslosen Situationen eine
gewisse "Hoffnung das alles gut wird" auszustrahlen.
Aber es ist wichtig, sogar sehr wichtig ... so meine persönliche Erfahrung.

Streichele ihn, seine Hand, rede mit ihm, lese ihm was vor ... zeige ihm das
Du da bist!
Sollte trotzdem alles verloren sein .. dann hast Du wenigstens getan was
getan werden konnte.

Ich wünsche Dir viel Kraft und viel Mut

Alles Liebe von Widesky von www.widesky.de


künstliches koma

Author: Michael Schmidt

Hallo Stefanie, hallo Newsgroup,

Stefanie wrote:

> Mein Vater ist vor drei Tagen ins Krankenhaus gekommen und wurde heute
> ins " künstliche koma" ( ich weiß das Ihr diesen Ausdruck nicht gerne
> benutzt, aber ich weiß den anderen Ausdruck nicht mehr) versetzt.

Der gesuchte Ausdruck ist "Analgosedierung" (bedeutet soviel wie "Gabe
von Schmerz- und Beruhigungsmitteln").

> Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
> Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
> funktionieren und er eine Lungenentzündung hat. Die Ärtze im
> Krankenhaus haben uns schon auf das schlimmste vorbereitet.

Deinen Angaben nach wurde die Analgosedierung wahrscheinlich benötigt,
weil er aufgrund der Lungenentzündung künstlich beatmet werden muss, oder?
In solchen Fällen ist (zumindest anfangs) die Sedierung nötig, weil der
Beatmungsschlauch (Tubus) in der Luftröhre und die Beatmung durch die
Maschine einen starken Hustenreiz erzeugen würden. Außerdem fallen
dadurch Angst und Atemnot weg, die Belastung durch die angestrengte
Atmung ebenfalls.

Trotz der Medikamente kann es gut sein, daß er Euch wahrnimmt - also
ruhig hingehen, mit ihm reden, ihn berühren. Alle modernen
Beatmungsgeräte auf Intensivstationen sind so ausgelegt, daß sie die
Eigenatmung des Patienten erkennen und unterstützen, deswegen muss der
Schlaf in aller Regel nicht sooo tief sein. Falls seine Lunge sich
bessert, wird man die Medikamente reduzieren und ihn langsam wacher
werden lassen - gerade in dieser Phase ist es dann wichtig, Vertrautes
zu sehen und zu hören.

Die Schilderung klingt ja wirklich nach einer sehr kritischen Situation
- aber es gibt ja immer wieder mal Patienten, die auch kleine Chancen
nutzen...

Da Dein Vater ja wohl schon länger sehr krank ist habt Ihr Euch ja
wahrscheinlich schon mit der Frage nach seinem möglichen Tod auseinander
gesetzt - Intensivstation und künstliche Beatmung ist ja in der Regel
nicht unbedingt das, was man als Wunschvorstellung für diese Situation
hat. Aber zumindest habt Ihr die Gewißheit, daß er auf diese Weise keine
Schmerzen und keine Angst hat (die verwendeten Medikamente wirken auf
Schmerz und Angst sehr stark).

Die Kollegen und die Pflegekräfte auf der Intensivstation können Dir
Deine Fragen natürlich genauer beantworten - aber frag ruhig auch hier
weiter. Es gibt hier mindestens 2 Anästhesisten mit Erfahrung in der
Intensivmedizin (Robby und ich).

hth

Michael


künstliches koma

Author: Joachim Warner

Liebe Stefanie,

ich war vor wenigen Jahren mit dem gleichen Problem und der gleichen
Kausalität konfrontiert, es betraf meinen Bruder.

Ich habe nach seiner letzten Einlieferung in die Klinik sämtliche
Untersuchungsergebnisse erfahren, konnte damit auch etwas anfangen (habe
während eines fachbezogenen Studiums einige Jahre im Laborbereich einer
großen Klinik gearbeitet), und mir war von Anfang an klar, daß sich in der
Hülle seines Körpers neben einer Vielzahl unwiderbringlich geschädigter
Funktionen ein in den Stammhirnarealen noch partiell arbeitendes Gehirn
befand. Glücklicherweise hat die Klinik nicht versucht, aus in meinen
Augen falschem Ehrgeiz heraus alles an intensivmedizinisch Möglichem
einzusetzen, sondern ihn lediglich sediert. Wir konnten uns deshalb in
einem ganz normalen Krankenzimmer von ihm verabschieden, in der
Überzeugung, daß er nach seinem Ableben in einer anderen Welt glücklicher
ist.

Er starb schließlich friedlich und ohne unzählige Schläuche an multiplem
Organversagen.

Auch wenn es den direkt Betroffenen manchmal immens schwerfällt:
Ich denke, unsere technisch/medizinisch hochgerüstete Gesellschaft sollte
in bestimmten Fällen umdenken, nicht "auf Teufel komm raus" das gesamte
vorhandene Arsenal an intensivmedizinischer und pharmakologischer
Neuzeitentwicklung einsetzen, um die Reste von organischer Existenz noch
ein Weile zu bewahren.

Einmal ganz abgesehen von den horrenden und letztlich doch sinnlos
investierten Kosten derartiger Maßnahmen: Ein Schwerstkranker, dessen
organische Funktionen auf rudimentäre Teilbereiche reduziert sind, wird
doch durch fast alle Therapiemaßnahmen nur noch mehr belastet und gequält!
Könnte man ihn fragen, würde er sich bestimmt wünschen, endlich von all
diesen Qualen und Belastungen befreit zu werden. Steckt nicht in dem
Willen der Eltern, Geschwister, ehrgeiziger Ärzte ..., einen derartig
unheilbar Kranken am Leben zu halten, auch eine gehörige Portion Egoismus?

Eine frühere ältere Nachbarin hatte einen Hund, den sie als Welpe mit der
Flasche aufgezogen hatte. Er war für sie der Lebensinhalt des Ruhestandes!
Im Alter erkrankte der Hund an Krebs. Anstatt ihn durch diverse
Operationen zu quälen, bat sie den Tierarzt, bei ihr zu Hause auf ihrem
Schoß ihn zu erlösen. Sie bestattete ihn in ihrem Garten und pflanzte
darauf einen Kirschbaum. Heute sitzt sie auf ihrer Terrasse, hat einen
neuen Hund, der gern unter diesem Baum liegt, und sie weiß, daß sie
richtig gehandelt hat.

Mit diesen Gedanken wende ich mich auch an die Eltern von Philip:
Warum tut ihr eurem Kind (ich habe einiges auf der Webseite gelesen) das
alles an?
Und (nur eine Vermutung aus mehrfacher Erfahrung im Bekanntenkreis): Bitte
denkt daran, daß eure gesunden weiteren Kinder euch auch brauchen!

Gruß

Joachim

> Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
> Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
> funktionieren und er eine Lungenentzündung hat.


künstliches koma

Author: "Widesky"

Lieber Herr Warner

In vielem kann ich Ihre Argumentation verstehen und eventuell sogar teilen.
Ich denke, man kann und darf das jedoch nicht auf alle Fälle
pauschalisieren.
Bei meinem Sohn, dessen Leben auf www.widesky.de beschrieben und beschildert
steht, war es definitiv so, das wir als Eltern ihm gerne seinen Tod und Ruhe
gewünscht hätten um ihn zu erlösen!
Es war bei ihm nicht so, das er mit übertriebener Gerätemedizin mit Gewalt
am Leben gehalten wurde. Öfters sagten uns die Ärzte, dass er nun sterben
würde ... Doch er rappelte sich immer wieder auf, erholte sich immer wieder
aus schweren Krisen.
Und genau da, Herr Warner, sind wir am Punkt.
Wenn sich der Patient, in diesem Fall kein 80 jähriger der sein Leben gelebt
hat, sondern ein Kind, bemüht ist am Leben zu bleiben und es ihm entgegen
allen Erwartungen gelingt, dann ist es nicht an uns, ihm sein Leben zu
nehmen.
Ich sehe das jetzt mal ganz nüchtern .. und klammere die Liebe zu dem Kind
jetzt mal völlig aus, welche man auch als Egoismus bezeichnen kann.
Was das mit dem Egoismus betrifft, man kann es so sehen, für meinen
betroffenen Sohn, möchte ich einfach nur die Chance bieten, innerhalb seines
Zustandes ein leben zu bieten ... wo er sein darf wie er ist.
Mir würde es davor grauen, wenn fremde Instanzen kommen würden, die darüber
entscheiden ob das Leben, oder bleiben wir ruhig bei meinem Sohn ... ob er
weiterleben soll, darf oder nicht .... aber ok, ich verliere den Faden weil
das Thema an für sich ein ganz großes Fass ist ...
Er will Leben ... und wir werden es ihm nicht nehmen ....

Dankeschön, für Ihr Interesse ...und liebe Grüße
Widesky von www.widesky.de