Hallo!
Ich brauche eure Hilfe!
Mein Vater ist vor drei Tagen ins Krankenhaus gekommen und wurde heute
ins " künstliche koma" ( ich weiß das Ihr diesen Ausdruck
nicht gerne
benutzt, aber ich weiß den anderen Ausdruck nicht mehr) versetzt.
Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
funktionieren und er eine Lungenentzündung hat. Die Ärtze im
Krankenhaus haben uns schon auf das schlimmste vorbereitet. Wir (
meine 2 Brüder und ich) sind nun ratlos.
Kann er uns denn noch verstehen? Wie können wir ihm helfen?
Um eure Hilfe wäre ich euch sehr dankbar!!
Und wenn ich mich nur mit jemanden austauschen könnte, der ein
ähnliches oder gleiches Schicksal hat, würde mir das schon sehr
helfen!!
Ich danke euch im voraus fürs zuhören!
Stefanie
Medizin
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X-No-archive: yes
"Stefanie" schrieb
[...]
> Die Ärtze im Krankenhaus haben uns schon auf
> das schlimmste vorbereitet.
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Ihr wißt was das bedeutet?
[...]
> Kann er uns denn noch verstehen? Wie können wir ihm helfen?
Er wird euch noch hören, und habt keine Scheu ihn zu
berühren v bzw. umarmt ihn.
> Um eure Hilfe wäre ich euch sehr dankbar!!
Gibt es Seelsorger oder Psychologen im Krankenhaus?
Hallo ....Stefanie ...
Ja ich ich kann Dich sehr gut verstehen ... Auch mein Sohn wurde ins
künstliche Koma versetzt.
Ob das nun notwendig war oder nicht, darüber streiten sich die Geister.
Ich bin der Vater von diesem / meinem Sohn der seit 10 Jahren im Wachkoma
liegt und betreue
ihn Tag und Nacht ... sie auch unter www.widesky.de wo
sein Schicksal
dokumentiert wird.
Ich würde Dir raten wollen dass Du Deinem Vater, Nähe und Anwesenheit
zeigst. Im Koma liegen
heißt nicht, taub und gefühllos zu sein ...
Ich fände es wichtig, ihm etwas Vertrautheit zu bieten und nicht mit den
Gedanken an ihn rangehen, das
eh alles verloren scheint. Ich habe die Erfahrung selbst machen müssen,
als
mein Sohn um sein Leben im Koma kämpfte,
das eine negative Einstellung zu seiner Situation auch negatives bewirkte.
Ich weiß selbst, wie schwer es ist, in hoffnungslosen Situationen eine
gewisse "Hoffnung das alles gut wird" auszustrahlen.
Aber es ist wichtig, sogar sehr wichtig ... so meine persönliche
Erfahrung.
Streichele ihn, seine Hand, rede mit ihm, lese ihm was vor ... zeige ihm das
Du da bist!
Sollte trotzdem alles verloren sein .. dann hast Du wenigstens getan was
getan werden konnte.
Ich wünsche Dir viel Kraft und viel Mut
Alles Liebe von Widesky von www.widesky.de
Hallo Stefanie, hallo Newsgroup,
Stefanie wrote:
> Mein Vater ist vor drei Tagen ins Krankenhaus gekommen und wurde heute
> ins " künstliche koma" ( ich weiß das Ihr diesen
Ausdruck nicht gerne
> benutzt, aber ich weiß den anderen Ausdruck nicht mehr) versetzt.
Der gesuchte Ausdruck ist "Analgosedierung" (bedeutet soviel wie
"Gabe
von Schmerz- und Beruhigungsmitteln").
> Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
> Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
> funktionieren und er eine Lungenentzündung hat. Die Ärtze im
> Krankenhaus haben uns schon auf das schlimmste vorbereitet.
Deinen Angaben nach wurde die Analgosedierung wahrscheinlich benötigt,
weil er aufgrund der Lungenentzündung künstlich beatmet werden muss,
oder?
In solchen Fällen ist (zumindest anfangs) die Sedierung nötig, weil
der
Beatmungsschlauch (Tubus) in der Luftröhre und die Beatmung durch die
Maschine einen starken Hustenreiz erzeugen würden. Außerdem fallen
dadurch Angst und Atemnot weg, die Belastung durch die angestrengte
Atmung ebenfalls.
Trotz der Medikamente kann es gut sein, daß er Euch wahrnimmt - also
ruhig hingehen, mit ihm reden, ihn berühren. Alle modernen
Beatmungsgeräte auf Intensivstationen sind so ausgelegt, daß sie die
Eigenatmung des Patienten erkennen und unterstützen, deswegen muss der
Schlaf in aller Regel nicht sooo tief sein. Falls seine Lunge sich
bessert, wird man die Medikamente reduzieren und ihn langsam wacher
werden lassen - gerade in dieser Phase ist es dann wichtig, Vertrautes
zu sehen und zu hören.
Die Schilderung klingt ja wirklich nach einer sehr kritischen Situation
- aber es gibt ja immer wieder mal Patienten, die auch kleine Chancen
nutzen...
Da Dein Vater ja wohl schon länger sehr krank ist habt Ihr Euch ja
wahrscheinlich schon mit der Frage nach seinem möglichen Tod auseinander
gesetzt - Intensivstation und künstliche Beatmung ist ja in der Regel
nicht unbedingt das, was man als Wunschvorstellung für diese Situation
hat. Aber zumindest habt Ihr die Gewißheit, daß er auf diese Weise
keine
Schmerzen und keine Angst hat (die verwendeten Medikamente wirken auf
Schmerz und Angst sehr stark).
Die Kollegen und die Pflegekräfte auf der Intensivstation können Dir
Deine Fragen natürlich genauer beantworten - aber frag ruhig auch hier
weiter. Es gibt hier mindestens 2 Anästhesisten mit Erfahrung in der
Intensivmedizin (Robby und ich).
hth
Michael
Liebe Stefanie,
ich war vor wenigen Jahren mit dem gleichen Problem und der gleichen
Kausalität konfrontiert, es betraf meinen Bruder.
Ich habe nach seiner letzten Einlieferung in die Klinik sämtliche
Untersuchungsergebnisse erfahren, konnte damit auch etwas anfangen (habe
während eines fachbezogenen Studiums einige Jahre im Laborbereich einer
großen Klinik gearbeitet), und mir war von Anfang an klar, daß sich
in der
Hülle seines Körpers neben einer Vielzahl unwiderbringlich
geschädigter
Funktionen ein in den Stammhirnarealen noch partiell arbeitendes Gehirn
befand. Glücklicherweise hat die Klinik nicht versucht, aus in meinen
Augen falschem Ehrgeiz heraus alles an intensivmedizinisch Möglichem
einzusetzen, sondern ihn lediglich sediert. Wir konnten uns deshalb in
einem ganz normalen Krankenzimmer von ihm verabschieden, in der
Überzeugung, daß er nach seinem Ableben in einer anderen Welt
glücklicher
ist.
Er starb schließlich friedlich und ohne unzählige Schläuche an
multiplem
Organversagen.
Auch wenn es den direkt Betroffenen manchmal immens schwerfällt:
Ich denke, unsere technisch/medizinisch hochgerüstete Gesellschaft sollte
in bestimmten Fällen umdenken, nicht "auf Teufel komm raus" das
gesamte
vorhandene Arsenal an intensivmedizinischer und pharmakologischer
Neuzeitentwicklung einsetzen, um die Reste von organischer Existenz noch
ein Weile zu bewahren.
Einmal ganz abgesehen von den horrenden und letztlich doch sinnlos
investierten Kosten derartiger Maßnahmen: Ein Schwerstkranker, dessen
organische Funktionen auf rudimentäre Teilbereiche reduziert sind, wird
doch durch fast alle Therapiemaßnahmen nur noch mehr belastet und
gequält!
Könnte man ihn fragen, würde er sich bestimmt wünschen, endlich
von all
diesen Qualen und Belastungen befreit zu werden. Steckt nicht in dem
Willen der Eltern, Geschwister, ehrgeiziger Ärzte ..., einen derartig
unheilbar Kranken am Leben zu halten, auch eine gehörige Portion Egoismus?
Eine frühere ältere Nachbarin hatte einen Hund, den sie als Welpe mit
der
Flasche aufgezogen hatte. Er war für sie der Lebensinhalt des Ruhestandes!
Im Alter erkrankte der Hund an Krebs. Anstatt ihn durch diverse
Operationen zu quälen, bat sie den Tierarzt, bei ihr zu Hause auf ihrem
Schoß ihn zu erlösen. Sie bestattete ihn in ihrem Garten und
pflanzte
darauf einen Kirschbaum. Heute sitzt sie auf ihrer Terrasse, hat einen
neuen Hund, der gern unter diesem Baum liegt, und sie weiß, daß sie
richtig gehandelt hat.
Mit diesen Gedanken wende ich mich auch an die Eltern von Philip:
Warum tut ihr eurem Kind (ich habe einiges auf der Webseite gelesen) das
alles an?
Und (nur eine Vermutung aus mehrfacher Erfahrung im Bekanntenkreis): Bitte
denkt daran, daß eure gesunden weiteren Kinder euch auch brauchen!
Gruß
Joachim
> Mein Vater ist Alkoholiker und hat nur noch 150 g von seiner Leber.
> Erschwerend kommt dazu, dass seine beiden Nieren nicht mehr
> funktionieren und er eine Lungenentzündung hat.
Lieber Herr Warner
In vielem kann ich Ihre Argumentation verstehen und eventuell sogar teilen.
Ich denke, man kann und darf das jedoch nicht auf alle Fälle
pauschalisieren.
Bei meinem Sohn, dessen Leben auf www.widesky.de beschrieben und beschildert
steht, war es definitiv so, das wir als Eltern ihm gerne seinen Tod und Ruhe
gewünscht hätten um ihn zu erlösen!
Es war bei ihm nicht so, das er mit übertriebener Gerätemedizin mit
Gewalt
am Leben gehalten wurde. Öfters sagten uns die Ärzte, dass er nun
sterben
würde ... Doch er rappelte sich immer wieder auf, erholte sich immer
wieder
aus schweren Krisen.
Und genau da, Herr Warner, sind wir am Punkt.
Wenn sich der Patient, in diesem Fall kein 80 jähriger der sein Leben
gelebt
hat, sondern ein Kind, bemüht ist am Leben zu bleiben und es ihm entgegen
allen Erwartungen gelingt, dann ist es nicht an uns, ihm sein Leben zu
nehmen.
Ich sehe das jetzt mal ganz nüchtern .. und klammere die Liebe zu dem Kind
jetzt mal völlig aus, welche man auch als Egoismus bezeichnen kann.
Was das mit dem Egoismus betrifft, man kann es so sehen, für meinen
betroffenen Sohn, möchte ich einfach nur die Chance bieten, innerhalb
seines
Zustandes ein leben zu bieten ... wo er sein darf wie er ist.
Mir würde es davor grauen, wenn fremde Instanzen kommen würden, die
darüber
entscheiden ob das Leben, oder bleiben wir ruhig bei meinem Sohn ... ob er
weiterleben soll, darf oder nicht .... aber ok, ich verliere den Faden weil
das Thema an für sich ein ganz großes Fass ist ...
Er will Leben ... und wir werden es ihm nicht nehmen ....
Dankeschön, für Ihr Interesse ...und liebe Grüße
Widesky von www.widesky.de
Lieber Michael! Hallo Newsgroup !
Ich danke dir für deine Auskunft!
Wenn ich meinen Vater besuche lese ich ihm immer Geschichten aus
seinem Lieblingsbuch vor und streichle ihm die Hand und erzähle ihm
was alles neues passiert ist.
Er gibt mir immer wieder Kraft. Und manchmal denke ich er will mir
sagen " mach dir keine Sorgen ich schaff das schon".
Mir ist aber auch schon oft der Gedanke gekommen ob es nicht besser
wäre für ihn wenn man die ganzen Aperate einfach abstellt und ihn in
Ruhe einschlafen lässt.
Er sieht von Tag zu Tag schlimmer aus! Und ich habe das Gefühl, dass
er das nicht so wollte. Also das wenn er mit mir sprechen könnte, er
mir sagen würde das er so nicht mehr leben mag.
Es ist alles sehr schwer für mich.
Und wenn ich mal einen Tag habe an dem ich nicht den ganzen Tag weinen
muß, habe ich gleich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht weinen
kann.
Ich weiß auch nicht was für ihn besser ist, denn selbst wenn er den
momentanen kritischen Zustand übersteht ist er noch lange nicht gesund
und muß noch viele viele Sachen über sich ergehen lassen.
Er hätte dann noch eine Lebenserwartung von 2-3 Jahren und ich denke
dass es für ihn schlimmer wäre zu wissen, dass er nur noch ein paar
jahre zu leben hat, als das er jetzt friedlich einschlafen könnte.
Ich möchte euch allen noch einmal für eure Anteilnahme danken!!!
Morgen habe ich einen Termin mit dem Arzt, der mir die weiteren
Schritte und seine Gesundheitssituation erklären wird.
Ich werde euch morgen nochmal erzählen was der Arzt mir gesagt hat.
Danke nochmal
Grüße
Stefanie
Hallo Stefanie, hallo Newsgroup,
Stefanie wrote:
> Lieber Michael! Hallo Newsgroup !
>
> Ich danke dir für deine Auskunft!
> Wenn ich meinen Vater besuche lese ich ihm immer Geschichten aus
> seinem Lieblingsbuch vor und streichle ihm die Hand und erzähle ihm
> was alles neues passiert ist.
Das ist sicherlich so ziemlich das beste, was Du für ihn tun kannst!
> Er gibt mir immer wieder Kraft. Und manchmal denke ich er will mir
> sagen " mach dir keine Sorgen ich schaff das schon".
> Mir ist aber auch schon oft der Gedanke gekommen ob es nicht besser
> wäre für ihn wenn man die ganzen Aperate einfach abstellt und
ihn in
> Ruhe einschlafen lässt.
> Er sieht von Tag zu Tag schlimmer aus! Und ich habe das Gefühl, dass
> er das nicht so wollte. Also das wenn er mit mir sprechen könnte, er
> mir sagen würde das er so nicht mehr leben mag.
Hat er sich denn mal selber dazu geäußert, als er es noch konnte?
Vielleicht auch indirekt, z.B., wenn es um Krankheiten im Freundeskreis
ging?
Ich kenne solche Situationen von der ärztlichen Seite her: Wenn die
Chancen immer kleiner werden, das Risiko, als "Maximalerfolg" einen
schwerst pflegebedürftigen Patienten von der Intensiv zu entlassen (wenn
überhaupt), immer größer - dann fragt man sich natürlich,
ob das alles
noch Sinn hat. Da wäre es natürlich gut zu wissen, wie die
Einstellung
des Patienten ist - viele Menschen sagen "lieber gleich tot als ein
langes Leiden", andere sagen "Leben ist lebenswert, auch wenn ich
schwer
krank bin". Falls Dir irgendwas einfällt, was seine Meinung zu dem
Thema
verdeutlicht, erzähl es den Ärzten - es wird ihnen helfen, ein
Konzept
zu finden.
Mach Dir aber keine Vorwürfe, wenn Dir nichts dazu einfällt - viele
schwerkranke Patienten wollen einfach nicht über diese Dinge reden oder
verdrängen das Thema. Vielleicht ist das ja auch ein Vertrauensbeweis:
"Ich will da gar nicht dran denken, Ihr werdet schon das richtige für
mich tun"...
>
> Es ist alles sehr schwer für mich.
> Und wenn ich mal einen Tag habe an dem ich nicht den ganzen Tag weinen
> muß, habe ich gleich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht weinen
> kann.
Es ist schlimm, wenn ein geliebter Mensch leidet - und noch schlimmer,
wenn man nur danebensitzen kann, ohne es wirklich mit ihm zu teilen -
ich kenne das. Aber auch das danebensitzen hilft oft viel - dem Kranken
und dem, der danebensitzt...
Falls Dir noch niemand gesagt hast, daß Du kein schlechtes Gewissen
haben musst, tue ich es hiermit ;-)
Ich weiß, das hilft im Moment wenig - solche Dinge brauchen ihre Zeit.
So wie Du hier schreibst, traue ich Dir zu, daß Du selbst das Ganze
letztlich gut überstehen wirst. Und das würde Dein Vater doch
sicherlich
wollen, oder? Also nur keine Scheu: Dich gibt es auch noch, es ist
völlig ok, wenn Du jetzt nicht den Übermenschen mimst...
>
> Er hätte dann noch eine Lebenserwartung von 2-3 Jahren und ich denke
> dass es für ihn schlimmer wäre zu wissen, dass er nur noch ein
paar
> jahre zu leben hat, als das er jetzt friedlich einschlafen könnte.
Sprich den Gedanken morgen ruhig offen an.
>
> Ich möchte euch allen noch einmal für eure Anteilnahme danken!!!
> Morgen habe ich einen Termin mit dem Arzt, der mir die weiteren
> Schritte und seine Gesundheitssituation erklären wird.
> Ich werde euch morgen nochmal erzählen was der Arzt mir gesagt hat.
Sicher bin ich nicht der einzige, der gespannt darauf ist.
Gruesse
Michael