X-no-archive: yes
In article ,
martin1@habmalnefrage.de (Martin) writes:
>Zitat aus der Deutschen Apotheker-Zeitung, DAZ, 142. Jg., Nr. 7,
>14.02.2002:
>"Die Supplementierung von Chrom (200 bis 1000 ug/Tag, p.o.) kann die
>Insulin-Rezeptor-Bindung, die zelluläre Glukoseverwertung und die
>Lipidwerte verbessern. Die Insulinresistenz und die
>Nüchtern-Glukosespiegel werden durch Chrom signifikant
reduziert."
>http://www.preventnetwork.com/orthomolekular/groeber-om-artikel.html
>
>Gruss und viel Spass bei der Weiterbildung, Doc,
>Martin
ich hatte bereits zu diesem Problem in einem anderen Thread, wo
mein Posting wohl nicht gelesen wurde, meine Meinung geäußert.
Ich stelle das nochmal hier ein.
---
ich habe mich etwas intensiver in Medline vertieft und kann immer
noch keinen wirklich handfesten Hinweis darauf finden, dass Chrom
bei Typ II-Diabetes (NIDDM) nachgewiesenermaßen wirksam wäre.
Am J Clin Nutr. 2002 Jul;76(1):148-55.
ONCLUSIONS: Data from RCTs show no effect of chromium
on glucose or insulin concentrations in nondiabetic subjects. The
data for persons with diabetes are inconclusive. RCTs in well-charac-
terized, at-risk populations are necessary to determine the effects
of chromium on glucose, insulin, and Hb A(1c).
J Biol Inorg Chem. 2002 Sep;7(7-8):852-62.
hier wird [Cr(3)O(O(2)CCH(2)CH(3))(6)(H(2)O)(3)](+) im Ratten-
modell als möglicherweise hilfreich bewertet, aber das ist nicht
normales Chrom, wie schon die Summenformel zeigt.
Biochem Biophys Res Commun. 2003 Apr 11;303(3):825-7.
Consequently, it is concluded that the level of chromium nutrition
which is normally adequate in humans has only a minor role, if any,
in the genesis of Type 2 diabetes mellitus.
Aus letzter Quelle folgere ich, dass Chrom keine Rolle bei DM II
spielt. Deshalb nochmals meine Bitte, wieso Chrom auf einmal
bei DM so essentiell sein soll, zu erklären. Die Orthomolekular-
Szene betont zwar im Web dergleichen, hat es aber offenbar nicht
nötig, das zu begründen. Ich folgere daraus, dass mal wieder ein
Wundermittel durchs virtuelle Dort getrieben wird, dass selbst zwar
harmlos, dafür aber auch eher wirkungslos ist und als überteuertes
Mineral-Supplement verkauft wird, oder liege ich da falsch?
Diejenige Quelle Diabetes Res. 1991 Nov;18(3):129-34 hat mich
am meisten zweifeln lassen. Wäre ein "Chrommangel" eine der
Ursachen für Diabetes Mellitus Typ II, dann müsste die Ausschei-
dung von Chrom bei DM-Patienten anders als jene von Kontroll-
personen sein. Denn es ist nicht Chrom selbst, von dem behaup-
tet wird, es würde die Insulinresistenz beeinflussen, sondern es
sind Chrom enthaltende Faktoren, denen das unterstellt wird.
Jene würden logischerweise weniger gebildet oder funktionabel
sein, wenn ein DM-Patient mehr Chrom ausscheidet als ein
Kontrollpatient. Es könnte ebenso sein, dass ein DM-Patient
eine erniedrigte Ausscheidung hat, weil er bei einer Untersuchung
zu einem Zeitpunkt, wo er bereits langjähriger DM-Patient ist,
einen erheblichen Teil seines Chrom-Bestandes verloren hat.
In jedem Fall müsste es einen signifikanten Unterschied zu
Vergleichspersonen geben. Die obige Studie sagt aus:
The mean (SEM) values for the overall diabetics and the control
group were 2.32 (0.17) and 2.62 (0.22) mumol Cr/mole of creat,
76.5 (5.5) and 73.9 (6.1) mumol Cu/mole of creat, and 3.56 (0.44)
and 2.66 (0.3) mumol Mn/mole of creat, respectively. There was
no correlation between the urinary excretion of any of the metals
examined and age or sex of either group.
Es gibt also keinen relevanten Unterschied zwischen NIDDM und
Normalpersonen bei Chrom, aber ich lasse mich da gerne hand-
fest belehren, wenn es anders sein sollte.
---
Die ursprünglich von Ihnen, Martin, gepostete URL, stammt aus
der Orthomolekular-Szene, wo bekanntlich eine Menge Dinge
behauptet werden, die unbelegt bleiben. Wenn als Referenz für
solche Orthom.-Behauptungen wiederum eine schwache Tertiär-
Quelle, die hier nur Pressemeldungen ausreicht, bringt, ohne
dass auf härtere Primärdaten rekuriert wird, fragt man sich,
ob man Ihre Phrase "Gruss und viel Spass bei der Weiter-
bildung, Doc" nur als Unwissen oder als Provokation auffassen
soll.
Vielleicht wäre es bei Ihnen mehr als nur angezeigt, weniger mit
Phrasen, sondern Fakten zu argumentieren. Damit scheint es
aber nicht weit her zu sein, oder? Denn eines dürfte klar sein.
Mit alleinigem Chrom kommen Sie eben nicht weit und die These,
dass die Ausscheidung von Chrom bei Diabetikern verändert sei,
zeigt sich in den gefundenen Studien so überhaupt nicht. Ihre
These ist nicht sonderlich glaubhaft, geschweige denn wirklich
gesichert.
Und ich wäre weitaus "gnädiger" gegenüber neuen
Thesen, wenn
diese wirklich handfest mit einer trittfesten Theorie vorgetragen
würden. Leider ist es bei den Orthomolekularen häufig so, dass
sie mit Unverschämtheiten oder Glaubensaufforderungen agieren,
was deren Szene nicht gerade hoffähig macht. Ich darf an die
Peinlichkeit erinnern, wie die Paulingschen Thesen als quasi
gottgegeben propagiert wurden und diese später sukzessive bis
heute in Stücke gingen, weil nichts daran war. Anscheinend wird
im Chrom-Bereich wohl analog vorgegangen, oder irre ich mich da?
Medizin
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X-no-archive: yes
In article ,
martin1@habmalnefrage.de (Martin) writes:
>Zitat aus der Deutschen Apotheker-Zeitung, DAZ, 142. Jg., Nr. 7,
>14.02.2002:
>"Die Supplementierung von Chrom (200 bis 1000 ug/Tag, p.o.) kann die
>Insulin-Rezeptor-Bindung, die zelluläre Glukoseverwertung und die
>Lipidwerte verbessern. Die Insulinresistenz und die
>Nüchtern-Glukosespiegel werden durch Chrom signifikant
reduziert."
>http://www.preventnetwork.com/orthomolekular/groeber-om-artikel.html
>
>Gruss und viel Spass bei der Weiterbildung, Doc,
>Martin
ich hatte bereits zu diesem Problem in einem anderen Thread, wo
mein Posting wohl nicht gelesen wurde, meine Meinung geäußert.
Ich stelle das nochmal hier ein.
---
ich habe mich etwas intensiver in Medline vertieft und kann immer
noch keinen wirklich handfesten Hinweis darauf finden, dass Chrom
bei Typ II-Diabetes (NIDDM) nachgewiesenermaßen wirksam wäre.
Am J Clin Nutr. 2002 Jul;76(1):148-55.
ONCLUSIONS: Data from RCTs show no effect of chromium
on glucose or insulin concentrations in nondiabetic subjects. The
data for persons with diabetes are inconclusive. RCTs in well-charac-
terized, at-risk populations are necessary to determine the effects
of chromium on glucose, insulin, and Hb A(1c).
J Biol Inorg Chem. 2002 Sep;7(7-8):852-62.
hier wird [Cr(3)O(O(2)CCH(2)CH(3))(6)(H(2)O)(3)](+) im Ratten-
modell als möglicherweise hilfreich bewertet, aber das ist nicht
normales Chrom, wie schon die Summenformel zeigt.
Biochem Biophys Res Commun. 2003 Apr 11;303(3):825-7.
Consequently, it is concluded that the level of chromium nutrition
which is normally adequate in humans has only a minor role, if any,
in the genesis of Type 2 diabetes mellitus.
Aus letzter Quelle folgere ich, dass Chrom keine Rolle bei DM II
spielt. Deshalb nochmals meine Bitte, wieso Chrom auf einmal
bei DM so essentiell sein soll, zu erklären. Die Orthomolekular-
Szene betont zwar im Web dergleichen, hat es aber offenbar nicht
nötig, das zu begründen. Ich folgere daraus, dass mal wieder ein
Wundermittel durchs virtuelle Dort getrieben wird, dass selbst zwar
harmlos, dafür aber auch eher wirkungslos ist und als überteuertes
Mineral-Supplement verkauft wird, oder liege ich da falsch?
Diejenige Quelle Diabetes Res. 1991 Nov;18(3):129-34 hat mich
am meisten zweifeln lassen. Wäre ein "Chrommangel" eine der
Ursachen für Diabetes Mellitus Typ II, dann müsste die Ausschei-
dung von Chrom bei DM-Patienten anders als jene von Kontroll-
personen sein. Denn es ist nicht Chrom selbst, von dem behaup-
tet wird, es würde die Insulinresistenz beeinflussen, sondern es
sind Chrom enthaltende Faktoren, denen das unterstellt wird.
Jene würden logischerweise weniger gebildet oder funktionabel
sein, wenn ein DM-Patient mehr Chrom ausscheidet als ein
Kontrollpatient. Es könnte ebenso sein, dass ein DM-Patient
eine erniedrigte Ausscheidung hat, weil er bei einer Untersuchung
zu einem Zeitpunkt, wo er bereits langjähriger DM-Patient ist,
einen erheblichen Teil seines Chrom-Bestandes verloren hat.
In jedem Fall müsste es einen signifikanten Unterschied zu
Vergleichspersonen geben. Die obige Studie sagt aus:
The mean (SEM) values for the overall diabetics and the control
group were 2.32 (0.17) and 2.62 (0.22) mumol Cr/mole of creat,
76.5 (5.5) and 73.9 (6.1) mumol Cu/mole of creat, and 3.56 (0.44)
and 2.66 (0.3) mumol Mn/mole of creat, respectively. There was
no correlation between the urinary excretion of any of the metals
examined and age or sex of either group.
Es gibt also keinen relevanten Unterschied zwischen NIDDM und
Normalpersonen bei Chrom, aber ich lasse mich da gerne hand-
fest belehren, wenn es anders sein sollte.
---
Die ursprünglich von Ihnen, Martin, gepostete URL, stammt aus
der Orthomolekular-Szene, wo bekanntlich eine Menge Dinge
behauptet werden, die unbelegt bleiben. Wenn als Referenz für
solche Orthom.-Behauptungen wiederum eine schwache Tertiär-
Quelle, die hier nur Pressemeldungen ausreicht, bringt, ohne
dass auf härtere Primärdaten rekuriert wird, fragt man sich,
ob man Ihre Phrase "Gruss und viel Spass bei der Weiter-
bildung, Doc" nur als Unwissen oder als Provokation auffassen
soll.
Vielleicht wäre es bei Ihnen mehr als nur angezeigt, weniger mit
Phrasen, sondern Fakten zu argumentieren. Damit scheint es
aber nicht weit her zu sein, oder? Denn eines dürfte klar sein.
Mit alleinigem Chrom kommen Sie eben nicht weit und die These,
dass die Ausscheidung von Chrom bei Diabetikern verändert sei,
zeigt sich in den gefundenen Studien so überhaupt nicht. Ihre
These ist nicht sonderlich glaubhaft, geschweige denn wirklich
gesichert.
Und ich wäre weitaus "gnädiger" gegenüber neuen
Thesen, wenn
diese wirklich handfest mit einer trittfesten Theorie vorgetragen
würden. Leider ist es bei den Orthomolekularen häufig so, dass
sie mit Unverschämtheiten oder Glaubensaufforderungen agieren,
was deren Szene nicht gerade hoffähig macht. Ich darf an die
Peinlichkeit erinnern, wie die Paulingschen Thesen als quasi
gottgegeben propagiert wurden und diese später sukzessive bis
heute in Stücke gingen, weil nichts daran war. Anscheinend wird
im Chrom-Bereich wohl analog vorgegangen, oder irre ich mich da?