X-no-archive: yes
In article , "Jasper Riedel"
writes:
>Jeder weis, daß der US-Turbo-Kapitalismus langsam menschenverachtende
>Züge angenommen hat.
was die Resultate des UdSSR-Turbo-Kommunismus sind, können
Sie ad libitum im Osten sehen. Im übrigen ist dort, wo man weniger
Bürokratur im Osten hat (siehe baltische Staaten, etc.) ein deutlicher
Aufschwung erkennbar. Wird also Zeit, dass sich der Turbo-Büro-
kratirismus oder der fiskalische Sozialismus der BRD den Rea-
litäten anpasst, nicht wahr?
>Eine Diskussion darüber ist in jedem Medium gegenwärtig
>und sie tun so, als ob die Welt im bestmöglichen Zustand ist. Das ist
ja
>ekelig.
Die wohlig-frohen Zeiten der 1960iger Jahre, in denen die BRD als
Frontstaat des Kalten Kriegs einen ausgesprochen Sonderstatus
im Welthandel einnahm und Konkurrenten aus dem Markt halten
konnte, sind nun leider vorbei. Man muss doch glatt arbeiten lernen
und zwar zu Weltmarktkonditionen, denn von außen kommt nur
noch dann Geld ins Land, wenn man konkurrieren kann. Das scheint
in die Köpfe noch nicht ausreichend eingedrungen zu sein, wird aber
unvermeidlich geschehen....
Medizin
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Franznuwitzki schrieb
[über den Segen des freien Marktes im gelobten Spätkapitalismus]
Gestern in Kulturzeit war ein Bericht (mit Interwiew) über das neueste
Buch des bekannten Nobelpreisträgers für Wirtschaft. Daraus ersieht
man leicht, daß es völlig andere als ihre Prozac-Meinung gibt.
Zitat:
-----------------------------------------------
Stiglitz und die Weltwirtschaft
Der Nobelpreisträger über die "Roaring Nineties" und ihre
Folgen
Das Zeitalter der so genannten New Economy in den 90er Jahren ist bereits
legendär. So manisch-kreischend die Begeisterung, so
depressiv der Katzenjammer als sich der Höhenflug am Ende des Jahrzehnts
umkehrt. Wie es dazu kommen konnte und wie so ein Desaster
künftig zu verhindern wäre, beschreibt der ehemalige Clinton-Berater
Joseph E. Stiglitz in seinem Buch "Die Roaring Nineties".
Global brutal? Kulturzeit berichtet über die Folgen der Globalisierung
Nach vorsichtigen Schätzungen wurden damals allein in den USA mehrere
hundert Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Die rasante
Talfahrt betraf die meisten Länder der Erde. Diese hat Stiglitz hautnah im
Zentrum der Regierungsmacht miterlebt. Der zentrale
Fehler der Clinton-Regierung sei, dass sie das angemessene Gleichgewicht
zwischen Staat und Markt aus dem Blick verloren habe, so
der Wirtschaftsnobelpreisträger. Die so genannten New Democrats wollten
nach ihrem Regierungsantritt nicht bürokratisch, bremsend
und altmodisch erscheinen. Genau das sei aus heutiger Sicht fatal gewesen. Denn
die folgende Liberalisierung der Finanzmärkte habe
zum Verlust von Kontrolle geführt, zu einem Teufelskreis aus Fehlanreizen
und Fehlverhalten.
Verfechter des demokratischen Idealismus
In den Roaring Nineties änderten sich Normen und Moralvorstellungen, so
Stiglitz. Die unglaublichsten Bilanzfälschungen, die größten
Wirtschaftsskandale in der Geschichte der USA fallen in diese Zeit.
Wirtschaftslenker verschleuderten Gelder in einem Tempo und in
einer Weise, die selbst die kühnsten Träume öffentlicher
Schuldenmacher übertraf. Zynischerweise habe kurz nach dem Zusammenbruch
des Kommunismus der Kapitalismus seine schwächsten und
zerstörerischsten Seiten gezeigt.
Die Überlegenheit freier Märkte, wie Adam Smith sie propagierte,
hält Stiglitz für einen längst entzauberten Mythos. Er propagiert
einen so genannten demokratischen Idealismus. Der Staat soll eine Funktion
zwischen Laisser-faire und Dirigismus füllen. Er sorgt
für Gerechtigkeit, für Stabilität und fördert fairen,
profitablen Wettbewerb: pure Utopie nach dem Katzenjammer oder ein
realistisches Ideal?
Quelle: http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/61537/index.html
"Franznuwitzki" schrieb:
> Die wohlig-frohen Zeiten der 1960iger Jahre, in denen die BRD
> als Frontstaat des Kalten Kriegs einen ausgesprochen Sonderstatus
> im Welthandel einnahm und Konkurrenten aus dem Markt halten
> konnte, sind nun leider vorbei. Man muss doch glatt arbeiten
> lernen und zwar zu Weltmarktkonditionen, denn von außen kommt nur
> noch dann Geld ins Land, wenn man konkurrieren kann.
Völlig richtig. Und wenn eine Arbeiterin in Bangladesch für einen
Dollar pro Tag Hemden näht, dann müssen wir das eben auch
können,
um konkurrenzfähig zu sein. Ich wette, in Bangladesch gibt es
(um auf das Thema zurückzukommen) auch keine Krankenkassen, also
diese Geldvernichtungsmschinen am besten gleich ganz abschaffen,
das wird unsere Konkurrenzfähigkeit ungemein erhöhen!
Paul Lenz
--
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In article , "Jasper Riedel"
writes:
>Jeder weis, daß der US-Turbo-Kapitalismus langsam menschenverachtende
>Züge angenommen hat.
was die Resultate des UdSSR-Turbo-Kommunismus sind, können
Sie ad libitum im Osten sehen. Im übrigen ist dort, wo man weniger
Bürokratur im Osten hat (siehe baltische Staaten, etc.) ein deutlicher
Aufschwung erkennbar. Wird also Zeit, dass sich der Turbo-Büro-
kratirismus oder der fiskalische Sozialismus der BRD den Rea-
litäten anpasst, nicht wahr?
>Eine Diskussion darüber ist in jedem Medium gegenwärtig
>und sie tun so, als ob die Welt im bestmöglichen Zustand ist. Das ist
ja
>ekelig.
Die wohlig-frohen Zeiten der 1960iger Jahre, in denen die BRD als
Frontstaat des Kalten Kriegs einen ausgesprochen Sonderstatus
im Welthandel einnahm und Konkurrenten aus dem Markt halten
konnte, sind nun leider vorbei. Man muss doch glatt arbeiten lernen
und zwar zu Weltmarktkonditionen, denn von außen kommt nur
noch dann Geld ins Land, wenn man konkurrieren kann. Das scheint
in die Köpfe noch nicht ausreichend eingedrungen zu sein, wird aber
unvermeidlich geschehen....
Franznuwitzki schrieb
[über den Segen des freien Marktes im gelobten Spätkapitalismus]
Gestern in Kulturzeit war ein Bericht (mit Interwiew) über das neueste
Buch des bekannten Nobelpreisträgers für Wirtschaft. Daraus ersieht
man leicht, daß es völlig andere als ihre Prozac-Meinung gibt.
Zitat:
-----------------------------------------------
Stiglitz und die Weltwirtschaft
Der Nobelpreisträger über die "Roaring Nineties" und ihre
Folgen
Das Zeitalter der so genannten New Economy in den 90er Jahren ist bereits
legendär. So manisch-kreischend die Begeisterung, so
depressiv der Katzenjammer als sich der Höhenflug am Ende des Jahrzehnts
umkehrt. Wie es dazu kommen konnte und wie so ein Desaster
künftig zu verhindern wäre, beschreibt der ehemalige Clinton-Berater
Joseph E. Stiglitz in seinem Buch "Die Roaring Nineties".
Global brutal? Kulturzeit berichtet über die Folgen der Globalisierung
Nach vorsichtigen Schätzungen wurden damals allein in den USA mehrere
hundert Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Die rasante
Talfahrt betraf die meisten Länder der Erde. Diese hat Stiglitz hautnah im
Zentrum der Regierungsmacht miterlebt. Der zentrale
Fehler der Clinton-Regierung sei, dass sie das angemessene Gleichgewicht
zwischen Staat und Markt aus dem Blick verloren habe, so
der Wirtschaftsnobelpreisträger. Die so genannten New Democrats wollten
nach ihrem Regierungsantritt nicht bürokratisch, bremsend
und altmodisch erscheinen. Genau das sei aus heutiger Sicht fatal gewesen. Denn
die folgende Liberalisierung der Finanzmärkte habe
zum Verlust von Kontrolle geführt, zu einem Teufelskreis aus Fehlanreizen
und Fehlverhalten.
Verfechter des demokratischen Idealismus
In den Roaring Nineties änderten sich Normen und Moralvorstellungen, so
Stiglitz. Die unglaublichsten Bilanzfälschungen, die größten
Wirtschaftsskandale in der Geschichte der USA fallen in diese Zeit.
Wirtschaftslenker verschleuderten Gelder in einem Tempo und in
einer Weise, die selbst die kühnsten Träume öffentlicher
Schuldenmacher übertraf. Zynischerweise habe kurz nach dem Zusammenbruch
des Kommunismus der Kapitalismus seine schwächsten und
zerstörerischsten Seiten gezeigt.
Die Überlegenheit freier Märkte, wie Adam Smith sie propagierte,
hält Stiglitz für einen längst entzauberten Mythos. Er propagiert
einen so genannten demokratischen Idealismus. Der Staat soll eine Funktion
zwischen Laisser-faire und Dirigismus füllen. Er sorgt
für Gerechtigkeit, für Stabilität und fördert fairen,
profitablen Wettbewerb: pure Utopie nach dem Katzenjammer oder ein
realistisches Ideal?
Quelle: http://www.3sat.de/kulturzeit/themen/61537/index.html
"Franznuwitzki" schrieb:
> Die wohlig-frohen Zeiten der 1960iger Jahre, in denen die BRD
> als Frontstaat des Kalten Kriegs einen ausgesprochen Sonderstatus
> im Welthandel einnahm und Konkurrenten aus dem Markt halten
> konnte, sind nun leider vorbei. Man muss doch glatt arbeiten
> lernen und zwar zu Weltmarktkonditionen, denn von außen kommt nur
> noch dann Geld ins Land, wenn man konkurrieren kann.
Völlig richtig. Und wenn eine Arbeiterin in Bangladesch für einen
Dollar pro Tag Hemden näht, dann müssen wir das eben auch
können,
um konkurrenzfähig zu sein. Ich wette, in Bangladesch gibt es
(um auf das Thema zurückzukommen) auch keine Krankenkassen, also
diese Geldvernichtungsmschinen am besten gleich ganz abschaffen,
das wird unsere Konkurrenzfähigkeit ungemein erhöhen!
Paul Lenz
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